Gesetzliche Krankenversicherung Test

Ärzte müssen Patienten aller Kassen gleich behandeln. Wofür die Kasse zahlt, ist gesetzlich ­festgelegt. Versicherte riskieren also nicht viel, wenn sie sich eine günstige Kasse suchen. Wichtig für chronisch Kranke: Manche Kassen bieten Extras über das vorgeschriebene Maß hinaus.

Welche Krankenkasse ist die richtige? Wir helfen Ihnen, eine gute und günstige zu finden. Finanztest hat Beiträge und Leistungen von 144 Kassen verglichen.

Ein halbes Jahr nach der Gesundheitsreform können sich nur wenige Kassenpatienten über gesunkene Beitragssätze freuen. Viele ärgern sich, dass sie mehr zuzahlen müssen als früher. Sie fragen sich: Wie kann ich noch sparen?

Am meisten bringt immer noch die Wahl einer Kasse mit niedrigem Beitragssatz. Die günstigste Kasse in unserer Untersuchung ist die BKK Conzelmann mit einem Beitragssatz von 12,2 Prozent. Sie ist allerdings nur für Bayern, Baden-Württemberg und einen Teil Nordrhein-Westfalens geöffnet.

Die günstigste bundesweite Kasse ist die BKK ATU mit einem Beitragssatz von 12,9 Prozent. Am teuersten ist die IKK Bayern mit 15,7 Prozent.

Der Beitragssatz ist der Anteil des Einkommens, den die Kasse bekommt. Das gilt bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 3 487,50 Euro brutto im Monat. Von dem, was über diesem Betrag liegt, bekommt die Kasse nichts.

Bei Arbeitnehmern beteiligt sich der Arbeitgeber zur Hälfte an den Beiträgen. Dann können beide durch einen Kassenwechsel je nach Einkommen und Kasse zum Beispiel 35 Euro im Monat sparen.

Günstig heißt nicht schlechter

Gesetzliche Krankenversicherung Test

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Der Beitragssatz ist nicht alles – aber Kunden riskieren nicht viel, wenn sie sich eine möglichst günstige Kasse suchen. Denn im Wesentlichen bieten alle die gleichen Leistungen.

Welche Medikamente, Untersuchungen und Behandlungen die Patienten bekommen, zu welchen Ärzten und in welche Krankenhäuser sie gehen können – das ist gesetzlich geregelt.

Unterschiede gibt es in bestimmten Bereichen, in denen die Kassen über das gesetzlich festgelegte Maß hinaus Zusatzleistungen anbieten dürfen. Das ist vor allem wichtig für Versicherte, die auf bestimmte Extras wie Akupunktur Wert legen oder die eine besonders kompetente Kasse für ihre speziellen gesundheitlichen Probleme suchen.

Engagement für chronisch Kranke

Menschen, die bereits an einer chronischen Krankheit wie Diabetes leiden oder aufgrund der Familiengeschichte von einem erhöhten Krankheitsrisiko ausgehen müssen, sollten sich nicht ausschließlich am Beitragssatz orientieren. Sie brauchen eine Kasse, bei der sie mit ihrem gesundheitlichen Problem möglichst gut aufgehoben sind.

Dazu gehören nicht nur die medizinischen Leistungen, die bei jeder Kasse die gleichen sind. In unserem Vergleich zeigt sich: Die Kassen haben unterschiedlich viel Erfahrungen mit chronisch kranken Versicherten. Unterschiede können Interessenten an folgenden Angeboten der Kassen ablesen:

Disease Management Programme (DMP): Mit diesen Behandlungsprogrammen soll die Versorgung von Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen verbessert werden. DMP sollen zum Beispiel helfen, dass Menschen mit Diabetes weniger oft schwere Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Nierenschäden erleiden.

Um das zu erreichen, steuert ein Arzt die gesamte Behandlung des Patienten, auch wenn andere Ärzte oder Kliniken beteiligt sind. Er orientiert sich an Leitlinien, die den allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft widerspiegeln.

DMP gibt es bereits für Patienten mit Diabetes mellitus Typ II und Brustkrebs. Weitere Programme für Diabetes Typ I, Asthma und koronare Herzerkrankungen sind in Vorbereitung.

Die Krankenkassen können Patienten, die an einem DMP teilnehmen, mit einer Beitragsermäßigung oder mit einer Reduzierung der Zuzahlungen belohnen.

Förderung neuer Versorgungsformen: Einige Kassen oder ihre Landesverbände schließen Verträge mit Ärzten, Psychotherapeuten und Krankenhäusern, um die Behandlung von Patienten mit bestimmten Problemen besser zu koordinieren.

Die Beteiligten versuchen zum Beispiel Schmerzpatienten oder Krebskranke besser zu versorgen, ohne dass sie dafür in ein Krankenhaus müssen. Dazu fördert die Kasse besonders qualifizierte Schwerpunktpraxen.

Schulungen für chronisch Kranke: Um besser mit ihrer Krankheit klarzukommen, können sich Patienten auch in speziellen Schulungen anleiten lassen. So können Asthmapatienten beispielsweise lernen zu erkennen, wie sich ein Anfall ankündigt, um dann rechtzeitig ihre Medikamente zu nehmen.

In der Rückenschule lernen Menschen mit Wirbelsäulenproblemen rückenschonendes Heben und Tragen oder Übungen zur Kräftigung.

Chronisch Kranke sollten außerdem wissen, dass nicht alle Kassen die Ärzte und Therapeuten gleich gut bezahlen. In der Regel bezahlen Ersatzkassen, zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, höhere Vergütungen als Betriebs-, Orts- und Innungskrankenkassen.

Ärzte dürfen deswegen zwar niemanden schlechter behandeln. Doch wenn jemand in Dauerbehandlung ist, möchte er vielleicht, dass seine Krankengymnastin oder sein Psychotherapeut etwas mehr Geld für die gleichen Leistungen bekommt.

Um die Orientierung zu erleichtern, haben wir die Kassen in unseren Tabellen nach Kassenarten sortiert.

Akupunktur und Früherkennung

Obwohl die Versicherten aller Kassen den gleichen Anspruch auf Behandlungen und Untersuchungen haben, gibt es kleine Unterschiede. Die Kassen können nämlich in Modellvorhaben neue Verfahren erproben.

So gibt es bei fast allen Kassen Akupunktur für bestimmte Schmerzpatienten bundesweit als Modellprojekt. Andere bieten zusätzliche Früherken­nungs­untersu­chun­gen an oder Balneo-Phototherapie bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. Allerdings gelten diese Erprobungsregelungen immer nur zeitlich begrenzt und meist nur in bestimmten Regionen.

Wer solche Extras in Anspruch nehmen möchte, sollte deshalb bei der ausgewählten Kasse anfragen, ob die Zusatzleistung an seinem Wohnort angeboten wird und wie lange das Modellvorhaben noch läuft.

Das kann wichtig für die Wahl der Kasse sein: Wechselt ein Kassenpatient beispielsweise in die beitragsgünstige BKK Anker-Lynen-Prym (12,6 Prozent), die keine der von uns abgefragten Erprobungsregelungen anbietet, ist sein Beitragsvorteil eventuell schon dahin, wenn er nur zwei Akupunktur-Sitzungen im Monat selbst bezahlen muss.

Mehr Hilfe in besonderen Fällen

Mehrleistungen dürfen die Kassen außerdem noch in einigen speziellen Bereichen bieten. Die sind zwar bei weitem nicht für jeden Kunden interessant. Doch in bestimmten Lebenslagen können sie viel wert sein.

Krankengeld für Selbstständige: Ist jemand wegen Krankheit längere Zeit arbeitsunfähig, ersetzt das Krankengeld einen Teil des fehlenden Einkommens. Auch Selbstständige können es von manchen Kassen bekommen.

Will sich ein Selbstständiger wie ein Arbeitnehmer versichern, zahlt er dort den allgemeinen Beitragssatz und bekommt dann ab der siebten Krankheitswoche Krankengeld. Manche Kassen bieten auch die Möglichkeit, schon ab der dritten oder vierten Krankheitswoche Krankengeld zu bekommen, dann allerdings zum erhöhten Beitragssatz. Dieser liegt je nach Kasse in unserer Untersuchung um 0,5 bis 5,6 Prozentpunkte über dem allgemeinen Satz.

Bei einigen Kassen können Selbstständige aber nur einen Anspruch auf Krankengeld vereinbaren, wenn sie noch relativ jung sind. Bei vielen AOKs ist das bis höchstens 45 Jahre möglich.

Ambulante Kur: Kuren zur Vorsorge oder Rehabilitation sind nicht immer mit einem stationären Aufenthalt in einer Klinik verbunden. Bei einer ambulanten Kur zahlt die Kasse die medizinischen Leistungen wie Arztbehandlung oder Massagen an einem anerkannten Kurort. Doch für Anreise, Unterkunft und Verpflegung muss der Versicherte selbst aufkommen.

Die Kassen dürfen jedoch einen Zuschuss von maximal 13 Euro pro Tag geben. Die meisten tun das auch. Bei einzelnen Kassen gibt es den Zuschuss aber nicht. Dieser Unterschied ist nicht so groß, dass jemand deswegen die Kasse wechseln sollte. Aber für Leute, die demnächst zur Kur wollen, kann die Information zumindest die Wahl zwischen zwei Kassen erleichtern.

Häusliche Krankenpflege: Alle Krankenkassen müssen laut Gesetz häusliche Krankenpflege bezahlen, wenn sie dazu dient, einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden. Zur häuslichen Krankenpflege gehören

  • Behand­lungspflege wie zum Beispiel der Wechsel eines Blasenkatheters,
  • Grundpflege wie Hilfe bei der Körperpflege und
  • hauswirtschaftliche Versorgung.

Voraussetzung ist allerdings, dass niemand anderes im Haushalt den Patienten pflegen und versorgen kann.

Auch wenn keine Krankenhausbehandlung zur Debatte steht, kann der Arzt häusliche Krankenpflege verschreiben. Dann müssen die Kassen aber nur für Behandlungspflege zahlen. Ob der Patient sich ohne Hilfe waschen oder die Wohnung sauber halten kann, ist dann sein eigenes Problem. So handhaben es beispielsweise die AOKs. Andere bieten mehr: Sie zahlen auch für Grundpflege und hauswirtschaftliche Hilfe.

Hospizversorgung: Hospize nehmen Menschen kurz vor ihrem Tod auf. Brauchen Sterbende keine Behandlung im Krankenhaus mehr und können auch nicht zu Hause versorgt werden, dann bezuschussen die Krankenkassen die Sterbebegleitung und Versorgung in einem Hospiz.

Pro Tag müssen die Kassen derzeit mindestens einen Zuschuss von 144,90 Euro zahlen. Einzelne zahlen jedoch fast 100 Euro mehr pro Tag, zum Beispiel die BKK Rhein-Lahn (241,50 Euro Hospiz-Zuschuss). Der Unterschied beträgt damit bis zu 3 000 Euro im Monat.

Service und Erreichbarkeit

Der Kontakt mit der Krankenkasse klappt normalerweise problemlos per Telefon, Mail oder Brief. Es kann manchmal jedoch wichtig sein, eine ­Geschäftsstelle in der Nähe zu haben.

Das hilft zum Beispiel, wenn jemand schnell eine Kostenübernahme-Erklärung für einen Klinikaufenthalt braucht. Auch Versicherte, deren Arbeitgeber oder Einkommen sich oft ändert, können Missverständnisse vielleicht eher vermeiden, wenn sie „ihren“ Sachbearbeiter in der Kasse aufsuchen.

Kunden, die auf die direkte Ansprache Wert legen, sollten sich daher unter den Kassen mit einem dichten Geschäftsstellennetz umsehen. Neben den AOKs sind das vor allem die Barmer Ersatzkasse und die DAK. Gut erreichbar ist sicherlich auch immer die Betriebskrankenkasse des eigenen Arbeitgebers.

Ob ein Versicherter nach allen Auswahlschritten die Kasse fürs Leben findet, ist nicht gesagt. Aber das muss er auch gar nicht. Ist er unzufrieden, kann er spätestens nach 18 Monaten erneut wechseln.

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