Gesetzliche Krankenversicherung Meldung

Trotz einheitlichem Beitragssatz bieten die gesetzlichen Krankenkassen unterschiedliche Leistungen und Programme. test.de informiert daher jeden Monat zu einem speziellen Thema und vergleicht entsprechende Angebote der größten Kassen. Dieses Mal: Wahltarife für Zahnersatz.

Wahltarif der Kassen

Damit Patienten nicht zu hohe Kosten für Kronen, Brücken und anderen Zahnersatz alleine zahlen müssen, bieten gesetzliche Krankenkassen und private Versicherungsgesellschaften verschiedene Möglichkeiten an. Gesetzlich Krankenversicherte können entweder direkt bei einem privaten Versicherer eine Zusatzpolice abschließen oder sie bekommen solche Privatpolicen mit einem kleinen Rabatt von ihrer gesetzlichen Kasse vermittelt. Vertragspartner ist in beiden Fällen das private Unternehmen. Als dritte Möglichkeit bieten einige Kassen nun selbst einen „Wahltarif für Zahnersatz“ an – die privaten Versicherer bleiben dabei außen vor.

Extra-Zuschuss für Zahnersatz

Kunden, die so einen Wahltarif abschließen, binden sich daran für drei Jahre, sie dürfen in dieser Zeit auch nicht die Kasse wechseln. Sie bekommen dann zusätzlich zum normalen Kassen-Festzuschuss einen weiteren Zuschuss für Zahnersatz und zahlen dafür einen Extrabeitrag. Familienversicherte, die sonst beitragsfrei mitversichert sind, müssen ebenfalls zahlen, wenn sie den Wahltarif wollen. Im Unterschied zu privaten Versicherungen ist der Beitrag für Männer und Frauen gleich, Ältere zahlen jedoch mehr als Junge.

Nicht für jeden geeignet

Die Zahnersatz-Wahltarife bieten alles andere als Luxus für die Zähne. In Betracht ziehen sollten sie nur Kunden, die...

  • ... mit der Regelversorgung der Kassen zufrieden sind und keinen Wert auf teure Versorgungen wie Inlays oder Implantate legen,
  • ... kein Vermögen haben, aus dem sie die Kosten für Zahnersatz bezahlen könnten, und bei denen sich schon abzeichnet, dass in den nächsten drei Jahren voraussichtlich Zähne saniert werden müssen.

Keine Gesundheitsprüfung

Die Kassen nehmen Kunden ohne Gesundheitsprüfung in den Wahltarif auf, und es gibt keine Wartezeiten. Sie zahlen aber nur, wenn der Zahnarzt den Heil- und Kostenplan erst nach Eintritt in den Wahltarif erstellt. Bei einer privaten Zusatzversicherung muss der Kunde acht Monate warten, bis er Leistungen in Anspruch nehmen darf. Laufende Behandlungen sind ausgeschlossen. Eine Behandlung gilt hier als begonnen, wenn der Zahnarzt dem Patienten mitgeteilt hat, dass etwas ansteht. Private Zusatzpolicen erstatten allerdings oft mehr, während sich die Wahltarife an der Regelversorgung orientieren. Wählen Patienten eine teurere Variante, etwa ein Implantat statt einer Brücke, bleiben sie auch mit Wahltarif auf dem Großteil der Kosten sitzen. Inlays deckt der Wahltarif gar nicht ab.

20 Prozent der Rechnung selbst zahlen

Das ist auch beim Zahnarzt-Wahltarif der Knappschaft so. Er ersetzt zwar Kosten, die der Zahnarzt nach der privaten Gebührenordnung GOZ abrechnet. Doch Leistungen, die nicht zum Standardprogramm der Kassen gehören, sind auch hier ausgeschlossen. Gleichzeitig bringt dieser Wahltarif einen enormen Nachteil: Die Versicherten verpflichten sich für drei Jahre, mit dem Zahnarzt alle Leistungen privat abzurechnen. Die Kosten bekommen sie nur zum Teil von der Kasse wieder, sodass sie ein finanzielles Risiko eingehen. Sie müssen 20 Prozent jeder Rechnung selbst zahlen – bis zu 500 Euro im Jahr. Zusätzlich zieht die Kasse einen Verwaltungskostenabschlag und die Praxisgebühr von ihrer Leistung ab. Verlangt der Zahnarzt für seine Arbeit mehr als den 3,5-fachen Honorarsatz oder legt das Dentallabor höhere Preise zugrunde, bleibt der Patient auch auf diesen Kosten sitzen. Die Einzigen, denen dieser Tarif nützt, sind die Zahnärzte, denn sie erhalten für ihre Arbeit mehr Geld. Finanztest rät davon ab.

Rechenbeispiele: Was Wahltarife bringen

Ein Backenzahn muss überkront werden. Der Patient war in den vergangenen zehn Jahren jährlich zur Vorsorge beim Zahnarzt und hat Anspruch auf den höchsten Bonus von 65 Prozent des Betrags für die Regelversorgung. Der Versicherte bekommt 154,52 Euro Festzuschuss von seiner Kasse, egal was für einen Zahnersatz er sich machen lässt. Er hat seit eineinhalb Jahren den Wahltarif Zahnersatz seiner AOK.

Beispiel 1: Krone als Regelversorgung

Die Regelversorgung ist eine Vollgusskrone aus einer Metalllegierung ohne Goldanteil (NEM).

Gesamtkosten  zirka: 250 Euro
Kassenzuschuss  mit Bonus: 154,52 Euro
Zuschuss aus Wahltarif: 95,48 Euro
Eigenanteil:  0 Euro

Beispiel 2: Krone plus privates Extra

Derselbe Patient lässt sich eine Krone aus goldhaltigem Metall machen, die rundum mit zahnfarbener Keramik verblendet wird.

Gesamtkosten zirka:  500 Euro
Kassenzuschuss  mit Bonus: 154,52 Euro
Zuschuss aus Wahltarif: 154,52 Euro
Eigenanteil: 190,96 Euro

Beispiel 3: Implantat statt Brücke

Der Backenzahn fehlt und muss ersetzt werden. Die Regelversorgung wäre eine unverblendete Brücke aus einer Metalllegierung ohne Goldanteil, die an den Nachbarzähnen befestigt wird. Stattdessen lässt er sich ein Implantat mit einer verblendeten Metall-Keramik-Krone einsetzen.

Gesamtkosten zirka: 2 300 Euro
Kassenzuschuss  mit Bonus: 366,51 Euro
Zuschuss aus Wahltarif: 366,51 Euro
Eigenanteil: 1 566,98 Euro

In Beispiel 2 und 3 wären Kunden mit einer privaten Zusatzversicherung besser bedient. Die leistungsstärksten Angebote aus dem Test Krankenkassen decken rund 1 700 Euro der 2 300 Euro teuren Implantatversorgung. Die Beiträge für Kunden, die einen solchen privaten Vertrag mit 43 Jahren abschließen, liegen aber bei 25 bis 30 Euro im Monat für Frauen und um die 20 Euro für Männer.
Tipp: Die Stiftung Warentest ermitteln nach Ihren individuellen Vorgaben günstige Tarife für verschiedene Krankenzusatzversicherungen (je nach Umfang für 13 oder 18 Euro).

... zur Tabelle: Wahltarife der Kassen für Zahnersatz

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