Die meisten gesetzlichen Krankenkassen haben zum 1. Januar ihre Beitragssätze erhöht. Wir sagen, ob sich ein Wechsel lohnt.

Am kräftigsten hat die AOK Rheinland-Pfalz zugelangt: Sie hat ihren Beitragssatz um 1,6 Prozentpunkte erhöht. Ein Angestellter mit einem Monatsbruttoeinkommen von 3 562,50 Euro oder höher muss dort jetzt jeden Monat 28,50 Euro mehr zahlen als zuvor.

Die meisten der 126 gesetzlichen Kassen in unserer Tabelle „Diese Kassen haben ihre Beitragssätze erhöht“ haben ihre Sätze aber nicht so stark angehoben. Im Durchschnitt stieg der allgemeine Beitragssatz um 0,7 Prozentpunkte. Den Gutverdiener kostet das 12,50 Euro im Monat.

Die Kassen können nicht anders. Die Preisgestaltung ist ihnen gesetzlich vorgegeben. Reichen die Einnahmen nicht, um die Ausgaben zu finanzieren, muss der Verwaltungsrat der Kasse eine Erhöhung des Beitragssatzes beschließen. Die wird dann von der Aufsicht genehmigt. Andernfalls würde die Aufsicht selbst eine ­Erhöhung anordnen.

Dass die Beitragssätze jetzt steigen, hat eine Reihe von Ursachen:

  • Die Mehrwertsteuer ist gestiegen. Nach Schätzungen der Spitzenverbände müssen die Kassen 2007 allein deswegen 950 Millionen Euro mehr ausgeben, weil sich zum Beispiel Medikamente verteuern.
  • Die Regierung hat den Kassen den Zuschuss aus der Tabaksteuer um 1,7 Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro gekürzt.
  • Die Kassen sollen bis Ende 2007 ihre Schulden komplett abzahlen.

Jetzt kann jeder wechseln

Versicherte können einer Erhöhung ausweichen, indem sie die Kasse wechseln. Ob sich das für sie lohnt, rechnen sie so aus:

Ein Angestellter mit einem Monatsbrutto von 3 500 Euro ist in der AOK Berlin versichert (15,8 Prozent Beitragssatz). Durch den Wechsel in die IKK Direkt (12,0 Prozent) kann er monatlich 66,50 Euro sparen. Das ist die Differenz zwischen den Beitragssätzen (3,8 Prozentpunkte) multipliziert mit dem halben Bruttoeinkommen (Arbeitnehmeranteil).

Unser Beispiel zeigt den Extremfall. Die meisten Arbeitnehmer können nicht so viel sparen. Für viele sind aber 10 bis 20 Euro drin.

Hat die Kasse den Beitrag erhöht, kann jedes ihrer Mitglieder wechseln. War die Erhöhung ab 1. Januar wirksam, gilt dieses Sonderkündigungsrecht bis Ende Februar. Versicherte, die 18 Monate oder länger Mitglied ihrer Kasse sind, dürfen sowieso jederzeit raus. Finanztest rät, bis zur zweiten Februarwoche abzuwarten: Weitere Kassen könnten rückwirkend zum 1. ­Januar oder zum 1. Februar erhöhen.

Die Kündigungsfrist beträgt immer zwei Monate zum Monatsende. Kündigt jemand im Februar, kann er zum 30. April seine Kasse verlassen.

Bei der Wahl der Kasse zählt nicht nur der Beitrag: Viele Kunden legen Wert auf eine Geschäftsstelle in ihrer Nähe, in der sie sich beraten lassen können. Das wird bei manchen Billigkassen schwierig: Die günstige IKK Direkt hat im gesamten Bundesgebiet nur zwei Geschäftsstellen.

Nehmen Versicherte Extraleistungen ihrer Kasse in Anspruch, wie zum Beispiel Rückenkurse, sollten sie vor einem Wechsel fragen, ob die neue Kasse ihnen diese ebenfalls bietet. Die

Leistungsunterschiede zwischen den Kassen zeigt unser Test Krankenkassen aus dem vergangenen Jahr , auch wenn die Beitragssätze sich geändert haben.

Im Jahr 2009 ist mit der Ersparnis durch den Kassenwechsel voraussichtlich Schluss. Dann soll es einen einheitlichen Beitragssatz aller Kassen geben.

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