Gesetzlich Krankenversicherte, die eine Vorsorge- oder Rehabilitationskur machen wollen, brauchen eine gute Begründung. Mehr als jeder dritte Antrag wird abgelehnt.

„Morgens Fango, abends Tango“ – von allen medizinischen Leistungen der Krankenkassen hatte die Kur immer das fragwürdigste Image. Dabei entsprach die Vorstellung von Wellness auf Krankenschein noch nie der Realität.

Die meisten Patienten benötigen eine Kur, weil sie an einer schweren Krankheit leiden, häufig sind dies Erkrankungen des Bewegungsapparats und der Wirbelsäule, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Störungen und Krebs. Rund 1,7 Millionen Patienten waren im Jahr 2004 zur Kur.

Der Begriff „Kur“ ist zwar aus den ­Gesetzbüchern gestrichen. Doch weiterhin haben Versicherte Anspruch auf die medizinischen Leistungen zur Vorsorge oder zur Rehabilitation. Sie unterscheiden sich vom übrigen Medizinbetrieb durch ein ganzheitlicheres Gesundheitskonzept.

Ärzte und andere Therapeuten tragen dem Umstand Rechnung, dass Bewegung, Ernährung, Psyche und äußere Umgebung für die Genesung eine Rolle spielen. Und die Kassen bezahlen Behandlungsverfahren, für die sie die Kosten sonst nicht übernehmen, zum Beispiel die Balneo-Foto­therapie bei Hautkrankheiten.

Die Patienten haben nicht viel Zeit, um gesund zu werden: Normal sind drei Wochen, eine Verlängerung ist möglich. Und sie müssen sich stärker als früher an den Kosten beteiligen. Das gilt besonders für Vorsorgekuren. Erwachsene müssen fast immer Fahrt, Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen, nur selten zahlt die Kasse noch für eine stationäre Vorsorgekur.

Vorsorge soll bei gesundheitlich angeschlagenen Patienten Rückfällen oder aber einer Verschlimmerung der Krankheit vorbeugen und verhindern, dass eine Krankheit chronisch wird. Rehabilitation dient dazu, eine drohende Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden oder sie hinauszuzögern.

Immer erst zum Arzt

Die Kosten trägt oft nicht die Krankenkasse, sondern bei Erwerbstätigen meist der Rentenversicherungsträger. Der erste Ansprechpartner der Versicherten ist aber ­immer ihre Krankenkasse.

Versicherte müssen jede Kur schriftlich beantragen. Ihr Hausarzt oder der behandelnde Facharzt spielt dabei eine wichtige Rolle, denn er liefert die Begründung, warum eine Kur medizinisch notwendig ist und Aussicht auf Erfolg hat. Der Arzt kann außerdem darlegen, dass bei einem Patienten eine stationäre Kur erforderlich ist, zum Beispiel, wenn dieser durch die täg­lichen Anfahrten zu ambulanten Behandlungen überfordert wäre.

Anhand der Antragsunterlagen erstellt der Medizinische Dienst der Krankenkassen ein Gutachten, mithilfe dessen die Kasse entscheidet. Persönlich begutachtet werden die Patienten normalerweise nicht.

Erst wenn die schriftliche Bewilligung von der Krankenkasse oder einem anderen Kostenträger da ist, kann es losgehen. Auf keinen Fall sollten Versicherte einfach losfahren und darauf hoffen, dass die Kasse die Kosten übernimmt.

Je nach Gesundheitszustand können gesetzlich Versicherte verschiedene Maßnahmen in Anspruch nehmen.

Ambulante Vorsorgekur: Der Versicherte erhält mit der Bewilligung der Kur einen Kurarztschein. Er reist auf eigene Kosten an einen anerkannten Kurort seiner Wahl. Dafür muss er Urlaub nehmen, und er trägt auch die Reise- und Hotelkosten selbst. Die Kasse zahlt lediglich einen kleinen Zuschuss.

Am Kurort meldet er sich beim Kurarzt – das muss ein von der Kasse anerkannter Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Kurarzt“ oder „Badearzt“ sein. Dieser untersucht den Patienten, legt mit ihm den Vorsorgeplan fest und verschreibt die Anwendungen wie Bäder oder Physiotherapie.

Stationäre Vorsorgekur: Den stationären Aufenthalt in einer Kurklinik bezahlen die Kassen für Erwachsene nur noch selten. Kinder und Jugendliche bekommen eine solche Kur, wenn ihre körperliche oder psychische Entwicklung gefährdet ist. Sie werden nicht nur medizinisch betreut, sondern lernen auch, wie sie ihren Alltag bewältigen können. In begründeten Fällen übernimmt die Kasse auch die Kosten für eine Begleitperson.

Stationäre Rehabilitation: Stationäre Reha in einer Kurklinik wird meist von dem gesetzlichen Rentenversicherungsträger bezahlt. Patienten sollen dort beispielsweise nach einem Schlaganfall lernen, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Der Patient kann nur in eine Klinik gehen, mit der sein Rentenversicherer einen Versorgungsvertrag hat und die für die Behandlung geeignet ist. Stehen mehrere Häuser zur Wahl, sollen die Wünsche des Versicherten berücksichtigt werden.

Ambulante Rehabilitation: Wenn der Patient mobil ist und geeignete Einrichtungen in seiner Nähe sind, kann die Reha auch ambulant erfolgen. Der Versicherte wohnt dann zuhause und kommt zu den Behandlungen ins Rehazentrum.

Anschlussrehabilitation: Direkt nach einem Krankenhausaufenthalt kann eine Anschlussreha nötig sein oder sie findet kurz danach statt. Dann kümmert sich der Krankenhaussozialdienst um den Antrag. Die Krankenhäuser arbeiten meist mit ­Rehakliniken zusammen.

Mütterkur, Vater/Mutter-Kind-Kur: Zur Mütterkur fährt eine Frau allein in ­eine Einrichtung des Müttergenesungswerks. Für den Fall, dass ein Kind seine Mutter begleitet, werden Kinderbetreuungsprogramme angeboten. Eine Vater- oder Mutter-Kind-Kur kommt infrage, wenn auch das Kind gesundheitlich angeschlagen ist. Diese Kuren zahlt immer die Krankenkasse.

Wichtig ist bei allen Kuren, die Anträge sorgfältig zu begründen. Es muss zum Beispiel deutlich werden, warum die Behandlung nicht zuhause, sondern an einem Kurort erfolgen soll, wo es beispielsweise Thermalquellen, Heilmoor, Meeres- oder Höhenluft gibt. Denn in Zeiten knapper Kassen werden weniger Kuren bewilligt.

Laut Heilbäderverband ist die Ablehnungsquote von 2001 bis 2004 von rund 33 auf 39 Prozent gestiegen. Ein Widerspruch bringt manchmal aber doch noch nachträglich eine Zusage.

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