Zur Heilung in andere Länder

Rund 30 000 Deutsche gehen jährlich zur Kur ins Ausland, schätzt der Heilbäderverband. Die Krankenkassen unterstützen das.

Renate Thiem schwärmt von ihrer Heilkur im tschechischen Vráž. „Aqua-Gym, Sauerstofftherapie, Moorpackungen und Massagen, das war wunderbar.“ Die Krankenkasse hat die Vorsorgekur bewilligt, damit sich ihre Gelenkerkrankung nicht verschlimmert.

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen dürfen zur ambulanten Kur ins EU-Ausland gehen. Die Krankenkassen zahlen ihnen dafür Zuschüsse nach denselben Regeln wie in Deutschland: Die Patienten müssen Fahrt, Hotel und Verpflegung selbst bezahlen und bekommen einen Zuschuss von bis zu 13 Euro täglich. Die Behandlungskosten übernimmt die Krankenkasse zum überwiegenden Teil.

Wichtig ist, dass Patienten die Kur vor der Reise beantragen und unbedingt die Bewilligung der Kasse abwarten.

Einzelne Kassen werben bereits mit der Kur im Ausland. Denn bei ambulanten Vorsorgekuren sparen beide Seiten: So profitiert etwa die Krankenkasse davon, dass in Tschechien die Behandlungskosten geringer sind als in Deutschland, der Patient freut sich über für unsere Verhältnisse günstige Hotel- und Essenspreise.

Der Deutsche Heilbäderverband protestiert zwar und zweifelt die Qualität der Kurorte an. Doch die Bedenken der deutschen Kurlobby richten sich vor allem dagegen, dass es in anderen Ländern oft keine Vorschriften darüber gibt, welche landschaftlichen Reize ein Kurort mitbringen muss, wie rein die Luft und wie gut die Infrastruktur sein muss.

Die Qualifikation der Ärzte oder The­rapeuten in anderen Ländern wird nicht pauschal angezweifelt. „In Tschechien gibt es teilweise sehr gut ausgebildete Therapeuten“, räumt selbst Imke Vogt vom Heilbäderverband ein.

Anders als bei einer inländischen Kur musste Frau Thiem den Masseur, den Arzt und die Krankengymnastin erst einmal selbst bezahlen. „Zuhause habe ich der Kasse die Rechnungen zugesandt“, erzählt sie. Abzüglich der gesetzlichen Zuzahlungen zu den Heilmitteln übernahm die Kasse die Kosten. Für den ­erhöhten Verwaltungsaufwand hat sie ­einen Abschlag von zirka 9 Prozent der Erstattungssumme einbehalten.

Von der Rechnung des Sanatoriums über 867 Euro für zwei Wochen Unterkunft, Vollpension und medizinische Versorgung bekam Renate Thiem von ihrer Kasse immerhin 472 Euro erstattet.

Zur Lungenkur nach Davos

Eine stationäre Kur im Ausland ist schwieriger zu bekommen. Denn nur wenige ausländische Kurkliniken haben Verträge mit deutschen Kostenträgern. Braucht der Patient für seine Genesung aber Bedingungen, die es in Deutschland nicht gibt, ist eine stationäre Reha im Ausland schon heute möglich, sogar ­außerhalb der Europäischen Union. Prominentestes Beispiel ist die Höhenklinik in Davos, in der Patienten ihre Lungenerkrankungen 1 600 Meter über dem Meer kurieren.

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