Gesetzliche Krankenversicherung Meldung

Trotz einheitlichem Beitragssatz bieten die gesetzlichen Krankenkassen unterschiedliche Leistungen und Programme. test.de informiert daher jeden Monat zu einem speziellen Thema und vergleicht entsprechende Angebote der größten Kassen. Dieses Mal: Rundumversorgung in der häuslichen Krankenpflege.

Gesetzliche Regelleistung

Häusliche Krankenpflege ist eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten für die Hausbesuche eines Pflegedienstes. Umfangreiche Leistungen sieht das Gesetz aber nur dann vor, wenn ein Patient dadurch früher aus dem Krankenhaus entlassen werden kann oder eine Krankenhausbehandlung sogar ganz vermieden werden kann. Bis zu vier Wochen je Krankheitsfall – in Ausnahmefällen auch länger – übernehmen die Kassen dann die Kosten für:

  • Behandlungspflege: Dazu gehören zum Beispiel Wundversorgung und Verbandswechsel, Injektionen, Medikamentengabe, Blutdruck- und Blutzuckermessung, aber auch das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen.
  • Grundpflege: Das ist das tägliche Waschen, Hilfe beim An- und Ausziehen, Zähneputzen, Essen, beim Gang zur Toilette und bei vielen weiteren Grundbedürfnissen.
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Dazu zählt Hilfe im Haushalt wie Putzen, Aufräumen, Wäschewaschen oder Einkaufen für den Patienten.
  • Auch wenn eine Krankenhausbehandlung nicht zur Debatte steht, können Patienten häusliche Krankenpflege vom Arzt verschrieben bekommen. Sie dient dann „zur Sicherung des Ziels der ärztlichen Behandlung“. Die Krankenpflege kann zum Beispiel notwendig sein, wenn jemand den Arm bis zur Schulter im Gips hat und sich in dieser Zeit nicht selbst Insulin spritzen oder Verbände wechseln kann.

Manche Kassen leisten mehr

Die Pflichtleistung der Kassen umfasst in diesem Fall aber nur die Behandlungspflege, also die medizinische Versorgung. Wie der Patient sich an- und auszieht oder seinen Haushalt versorgt, ist dann allein sein Problem. Manche Kassen gehen jedoch über ihre gesetzliche Pflicht hinaus und gewähren ihren Kunden bei häuslicher Krankenpflege immer das volle Programm. Finanztest hat in der Tabelle für die größten Kassen jeder Kassenart sowie für die Knappschaft dargestellt, welchen Leistungsumfang sie bei häuslicher Krankenpflege bieten. Knapp die Hälfte der dargestellten Kassen bietet ihren Versicherten erweiterte Leistungen, meist zeitlich begrenzt. Ohne Zeitgrenze leisten nur die Signal Iduna BKK und die BKK mobil Oil. Die Techniker Krankenkasse hat vor kurzem ihre Mehrleistungen bei häuslicher Krankenpflege aus der Satzung gestrichen.

Verordnung vom Arzt

Um die häusliche Krankenpflege zu bekommen, brauchen Patienten eine Verordnung von ihrem Arzt. Er muss auf dem Vordruck begründen, warum die Hilfe nötig ist und welche Pflege- und Hilfeleistungen erforderlich sind. Der Versicherte sucht sich dann einen Pflegedienst seiner Wahl und lässt diesen das Verordnungsformular um weitere Angaben ergänzen. Der Patient unterschreibt das Formular und schickt es zur Krankenkasse. Damit überhaupt eine Chance besteht, dass die Kasse die häusliche Krankenpflege bewilligt, muss die Verordnung spätestens am dritten Werktag nach der Ausstellung bei der Krankenkasse vorliegen.

Zuzahlung von 10 Euro je Rezept

Da die Kassen zur Prüfung etwas Zeit brauchen, darf der Pflegedienst den Patienten aber schon ab dem Tag versorgen, an dem der Arzt die Verordnung ausgestellt hat. Bewilligt die Kasse die Leistung, rechnet der Pflegedienst direkt mit der Kasse ab, sobald die Bewilligung da ist. Selbst wenn die Kasse die Kostenübernahme ablehnt, muss sie die bis zum Tag der schriftlichen Ablehnung geleistete Pflege bezahlen. Patienten müssen eine Zuzahlung von 10 Euro pro ärztlicher Verordnung leisten, zusätzlich werden für bis zu 28 Tage je Kalenderjahr 10 Prozent der Kosten als Eigenanteil fällig – maximal jedoch 10 Euro am Tag. Die Zuzahlungen werden von den Krankenkassen berechnet und eingezogen.
Tipp: Sie haben zwar nur Anspruch auf häusliche Krankenpflege, wenn im Haushalt niemand anders lebt, der die Aufgaben übernehmen kann. Die Kasse darf aber keinen Menschen zwingen, sich um kranke Angehörige zu kümmern. Sagen Sie deshalb nichts zu, wenn Ihre Krankenkasse Sie danach fragt. Klären Sie erst einmal, ob Ihre Verwandten es zeitlich einrichten können und die Aufgabe auch übernehmen wollen. Können oder wollen diese nicht einspringen, muss Ihre Kasse für den Pflegedienst zahlen.

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