Gesetzliche Kranken­versicherung Special

Gesetzlich Versicherte müssen neben den Krankenkassenbeiträgen auch noch Zuzah­lungen für Medikamente und andere Leistungen bezahlen. 10 Prozent der Kosten trägt der Patient dabei in der Regel selbst. Die Zuzahlung muss jedoch nicht unbe­grenzt geleistet werden. test.de erklärt, wie und unter welchen Bedingungen Versicherte eine Befreiung bei ihrer Kasse beantragen können. Eine Tabelle listet auf, welcher Eigenbeitrag für welche Leistung normaler­weise fällig wird.

Wann die Belastungs­grenze erreicht ist

Schon zwei Wochen Kranken­haus und zwei Wochen Reha kosten Patienten mit gesetzlicher Kranken­versicherung 280 Euro, die sie aus eigener Tasche bezahlen müssen. Dazu kommen oft Zuzah­lungen für Medikamente, Physio­therapie oder für Hilfs­mittel wie Gehhilfen. So erreicht mancher schnell seine Belastungs­grenze und er kann sich bei seiner gesetzlichen Krankenkasse von weiteren Zuzah­lungen befreien lassen. Hat er schon zu viel bezahlt, bekommt er sogar etwas zurück. Die Belastungs­grenze ist erreicht, wenn der Versicherte im laufenden Jahr mindestens 2 Prozent des Familien­brutto­einkommens ausgegeben hat. Für chro­nisch Kranke gilt eine Grenze von 1 Prozent. Mehr als 7,4 Millionen Versicherte lagen im Jahr 2011 nach Zahlen des Bundes­gesund­heits­ministeriums mit ihren Ausgaben über den Belastungs­grenzen. Das war etwa jeder neunte Kassenpatient.

Das Familien­brutto berechnen

Zum Brutto­einkommen zählen Einkünfte aus Arbeit als Angestellter oder Selbst­ständiger, aber auch Kapital­einkünfte und Miet­einnahmen. Bei Singles zählt das gesamte Brutto­einkommen, einen Frei­betrag gibt es nicht. Bei Familien zieht die Kasse dagegen für den im Haushalt lebenden Ehe- oder Lebens­partner einen Frei­betrag ab. Im Jahr 2014 sind das für jeden Erwachsenen 4 977 Euro und pro Kind 7 008 Euro.

Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern hat ein Jahres­einkommen von 45 000 Euro. Nach Abzug der Frei­beträge für einen Erwachsenen und zwei Kinder bleiben noch 26 007 Euro als anrechen­bares Brutto­einkommen. Die Familie muss deshalb Zuzah­lungen von 520,14 Euro leisten, ehe sie sich befreien lassen kann. *

Mit dem Zuzahlungs­rechner die eigene Belastungs­grenze ermitteln

Viele Krankenkassen (so zum Beispiel die AOK) bieten auf ihren Internet­seiten Rechner an, mit denen jeder seine Belastungs­grenze ermitteln kann. Chro­nisch Kranke erreichen ihre Grenze besonders leicht, denn sie haben meist viele Ausgaben und ihre Grenze liegt halb so hoch wie die anderer Kassenpatienten. Als chro­nisch krank gelten Versicherte, wenn sie wegen einer Krankheit dauer­haft medizi­nisch versorgt werden müssen. Sie müssen mindestens ein Jahr lang einmal im Quartal wegen derselben Erkrankung ärzt­lich behandelt werden. Damit der Versicherte eine Befreiung von den Zuzah­lungen erhält, muss der Arzt ihm alle zwei Jahre eine „Bescheinigung zum Erreichen der Belastungs­grenze“ (Muster 55) ausstellen. Die Befreiung gilt auch hier für alle Familien­angehörigen, die mit im Haushalt leben.

* Passage korrigiert am 21.01.2014

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