Zuzahlung in der Kranken­versicherung

Gesetzliche Kranken­versicherung Special

Auch wenn gesetzlich Versicherte von ihrem Arzt oder Therapeuten Medikamente, Hilfs­mittel wie Gehilfen oder Rehamaß­nahmen verordnet bekommen, müssen sie einen Teil der Kosten selbst tragen. Die Zuzah­lungen fallen in der Regel für Versicherte in der gesetzlichen Kranken­versicherung ab dem 18. Lebens­jahr an. Die Tabelleam Ende dieses Textes zeigt, was gilt. Wichtig: Ab einer bestimmten Summe können Versicherte sich von den Zuzah­lungen befreien lassen. Ebenso gibt es eine Reihe von Medikamenten, die für Mitglieder einer Krankenkasse zuzahlungs­frei erhältlich sind.

Belege sammeln

Heben Sie alle Belege Ihrer Gesund­heits­kosten auf. Dazu zählen Apothekenquittungen für Medikamente, Belege über Massagen, Reha- oder Kranken­haus­auf­enthalte und Rechnungen für Gehhilfen und Hörgeräte. Sobald Sie dafür im laufenden Jahr bereits zwei Prozent des „Familien­brutto­einkommens“ ausgegeben haben, können sie sich von weiteren Zuzah­lungen befreien lassen. Ehepartner und einge­tragene Lebens­partner berechnen das Familien­brutto­einkommen, indem sie folgende Beträge vom gemein­samen Brutto­einkommen abziehen: Einmalig 5 607 Euro, zusätzlich für jeden weiteren im Haushalt lebenden Angehörigen 3 738 Euro sowie 7 620 Euro für jedes Kind. Bei Singles zählt grund­sätzlich das volle Brutto­einkommen. Zum Brutto­einkommen zählen neben den Einkünften aus der Arbeit als Angestellter oder Selbst­ständiger zum Beispiel auch Miet­einnahmen oder Kapital­einkünfte.

Tipp: Viele Krankenkassen bieten im Internet Zuzahlungs­rechner, mit denen Sie Ihre persönliche Belastungs­grenze ausrechnen können Alle Krankenkassen im Vergleich.

Chroniker­regelung

Sind Sie chro­nisch krank, zahlen Sie nur ein Prozent der jähr­lichen Brutto­einnahmen an Zuzah­lungen. Zahlen Sie mehr, können Sie sich ebenfalls von weiteren Zuzah­lungen befreien lassen. Die Entlastung gibt es nur, wenn Sie sich therapiegerecht verhalten. Die Kassen kann etwa verlangen, dass Sie an einem strukturierten Behand­lungs­programm (Chroniker­programm) teilnehmen. Sonst zahlt auch Sie zwei Prozent als Zuzahlung. Als chro­nisch krank gelten Versicherte, wenn sie wegen einer Krankheit dauer­haft medizi­nisch versorgt werden müssen. Sie müssen mindestens ein Jahr lang einmal im Quartal wegen derselben Erkrankung ärzt­lich behandelt werden. Die Befreiung gilt für alle Familien­angehörigen, die mit im Haushalt leben.

die über einen Zeitraum von einem Jahr oder mehr mindestens einmal je Quartal wegen der chro­nischen Erkrankung den Arzt aufgesucht haben. Zusätzlich muss eins der folgenden drei Kriterien vorliegen:

  • Der Patient ist als pflegebedürftig mit Pfle­gegrad 3 oder 4 oder 5 nach den Bestimmungen über die Pflege­versicherung anerkannt.
  • Es ist ein Grad der Behin­derung oder Erwerbs­minderung von mindestens 60 Prozent fest­gestellt.
  • Der Arzt hält wegen einer dauer­haften Gesund­heits­störung eine kontinuierliche medizi­nische Versorgung für nötig, um eine lebens­bedrohliche Verschlimmerung der Krankheit, eine Verminderung der Lebens­erwartung oder eine dauer­hafte Beein­trächtigung der Lebens­qualität zu verhindern oder zu verringern.

Für Versicherte, die Hilfe zum Lebens­unterhalt, Grund­sicherung, ALG II erhalten oder bei denen die in einem Heim von Sozial­hilfeträgern über­nommen werden, zahlen jähr­lich maximal 101,76 Euro oder 50,88 Euro (Chroniker) zu.

Tipp: Viele Kassen bieten Extra­leistungen und geben dann zum Beispiel Zuschüsse zu Reiseimpfungen, zur Zahn­reinigung oder bieten Gesund­heits­kurse, die nichts extra kosten. Unser Produktfinder Krankenkassen zeigt die Beitrags­sätze und Zusatz­angebote von 75 Krankenkassen.

Leistung

Regelung

Ausnahmen / Beispiele

Apotheken-
quittungen

Auf Apothekenquittungen über Rezept­gebühren muss der Name des Patienten angegeben sein, sonst lehnen Krankenkassen deren Annahme ab.

Arznei­mittel /
Verband­mittel

Verschreibungs­pflichtige Arznei­mittel: Zehn Prozent des Preises, mindestens jedoch fünf Euro und höchs­tens zehn Euro pro Packung, aber niemals mehr als die tatsäch­lichen Kosten des Mittels.
Tipp: Bestimmte, besonders kostengüns­tige verschreibungs­pflichtige Arzneien gibt es ohne Zuzahlung. Medikamente im Test informiert über preis­werte oder zuzahlungs­freie Medikamente. Eine aktuelle Liste mit Medikamenten, die von der Zuzahlung befreit sind, bieten auch die
Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände und der
GKV Spitzenverband.

Beispiel: Eine Salbe kostet 7 Euro. Der Patient zahlt dafür 5 Euro Zuzahlung. Bei einem Medikament, das 75 Euro kostet, beträgt die Zuzahlung 7,50 Euro. Für ein verschreibungs­pflichtiges Arznei­mittel, das 120 Euro kostet, zahlt der Patient 10 Euro.

Hinweis: Arzneien zur „Erhöhung der Lebens­qualität wie Viagra oder Medikamente zur Raucher­entwöhnung zahlt die Kasse auch dann nicht, wenn sie verschreibungs­pflichtig sind.

Nicht verschreibungs­pflichtige Arzneien zahlen die Kassen nicht.

Ausnahme: Kinder bis zum 12. Lebens­jahr, Jugend­liche mit Entwick­lungs­störungen und Versicherte ab 12 Jahren bei Behand­lung schwerwiegender Erkrankungen, wenn diese Arznei­mittel bei schwerwiegenden Krankheiten zum Therapie­stan­dard gehören. Dies gilt etwa für Mittel aus Acetylsalicylsäure wie zum Beispiel Aspirin, zur Nach­sorge von Schlag­anfällen oder Herz­infarkten oder Iodid zur Behand­lung von Schild­drüsen­erkrankungen. Es fallen nur Zuzah­lungen wie für verschreibungs­pflichtige Mittel an

Tipp: Einige Kassen über­nehmen auch die Kosten für homöo­pathische und anthroposophische Mittel bis zu einer Ober­grenze von zum Beispiel 100 Euro im Jahr. Mehr dazu liefert unser Krankenkassenvergleich.

Empfäng­nis-
verhütung

(z.B. Pille)

Zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf Euro, maximal zehn Euro je Packung, aber nie mehr als die tatsäch­lichen Kosten.

Ab dem 20. Lebens­jahr müssen Versicherte die Kosten voll­ständig allein tragen.

Fahrten
(zur stationären Behand­lung, Rettungs­fahrten ins Kranken­haus, Kranken­wagen­trans­porte)

Zehn Prozent der Kosten pro Fahrt, mindestens fünf Euro und höchs­tens zehn Euro je Fahrt, aber nicht mehr als die tatsäch­lichen Kosten der Fahrt. Die Zuzahlung muss auch bei Kindern geleistet werden.

Ausnahme: Die Kosten für Fahrten zur ambulanten Behand­lung bezahlt die Kasse nur in medizi­nisch zwingenden Ausnahme­fällen wie bei Dialyse- und Strahlenbe­hand­lung oder Chemo­therapie. Ebenso bei Patienten, die geh- und sehbehindert sind sowie für besonders Hilfs­bedürftige in ambulanter Behand­lung. Behinderte können eine Fahrt­kosten­erstattung auch dann in Anspruch nehmen, wenn kein Behinderten­ausweis vorliegt.

Haus­halts­hilfe

Zehn Prozent der täglichen Kosten, mindestens fünf Euro und höchs­tens zehn Euro für jeden Tag, an dem die Hilfe in Anspruch genommen wurde; aber niemals mehr als die tatsäch­lichen Kosten pro Tag.

Häusliche
Kranken­pflege

Zehn Prozent der Kosten für höchs­tens 28 Tage, sowie zusätzlich zehn Euro pro Verordnung.

Heil­mittel
(z.B. Massagen,
Krankengymnastik)

Zehn Prozent der Kosten sowie zehn Euro je Verordnung.

Beispiel Kosten: Pro Rezept werden sechs Massagen verordnet. Fällig werden zehn Euro für das Rezept plus zehn Prozent der Kosten pro Massage.

Hilfs­mittel
(z.B. Hörgerät,
Gehhilfen)

Zehn Prozent der Kosten, jedoch mindestens fünf Euro und höchs­tens zehn Euro je Hilfs­mittel, aber nie mehr als die tatsäch­lichen Kosten.
Wichtig: Dies bezieht sich nur auf den Teil der Kosten, der von der Kasse erstattet wird. Die Differenz zwischen erstattungs­fähigem und tatsäch­lichem Preis des Hilfs­mittels müssen Versicherte zusätzlich über­nehmen.

Ausnahme: Hilfs­mittel, die zum Verbrauch bestimmt sind wie Ernährungs­sonden oder Windeln bei Inkontinenz. Hier gilt: Zuzahlung von zehn Prozent je Packung, maximal aber zehn Euro pro Monat.

Kranken­haus
(stationäre

Behand­lung)

Zehn Euro pro Tag für maximal 28 Tage im Jahr.

Krankengeld

Bei Arbeitnehmern maximal 78 Wochen wegen der selben Erkrankung inner­halb von drei Jahren. Kommt eine weitere Erkrankung hinzu verlängert sich der Anspruch nicht. In den ersten sechs Wochen ruht der Anspruch gegen­über der Kasse. In dieser Zeit besteht Anspruch auf volle Gehalts­zahlung vom Arbeit­geber. Die Kasse zahlt danach meist 70 Prozent vom Brutto, jedoch höchs­tens 90 Prozent vom Netto­entgelts. Pro Tag aber nicht mehr als derzeit 103,25 Euro. Mehr dazu Krankengeld: Dauer, Höhe, Anspruch

Ausnahme: Gesetzlich versicherte Selbst­ständige haben verschiedene Möglich­keiten, sich Krankengeld zu sichern. Siehe dazu Seite Wahltarife

Rehabilitation
(ambulant und stationär) /
stationäre Vorsorge

Zehn Euro je Tag für die gesamte Dauer, bei Anschluss-Heilbe­hand­lungen aber begrenzt auf 28 Tage.

Sozio­therapie

Zehn Prozent der täglichen Kosten, mindestens fünf Euro und höchs­tens zehn Euro je Behand­lungs­tag, aber nicht mehr als die Kosten der Therapie.

Zahn­ersatz

Die Kassen zahlen feste Zuschüsse für Kronen, Brücken und Prothesen. Der Fest­zuschuss erhöht sich, wenn das Bonus­heft fünf oder zehn Jahre lückenlos geführt wurde.

Mehr dazu siehe Seite Zahnarzt

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