Gesetzliche Kranken­versicherung

Krankenkassenbeitrag

84
Gesetzliche Kranken­versicherung - Alle Infos zum Thema Krankenkassen
Kosten. Die Beitrags­unterschiede zwischen den Krankenkassen sind nicht riesig, können sich aber auf Dauer summieren. © Thinkstock

Der Beitrags­satz besteht aus einem allgemeinen Teil, der bei jeder Kasse gleich ist und einem Zusatz­beitrag, den jede Kasse selbst fest­legen kann. Wir zeigen was gilt.

Der allgemeine Beitrags­satz

Der allgemeine Beitrags­satz beträgt 14,6 Prozent der beitrags­pflichtigen Einnahmen des Mitglieds (etwa Lohn oder Rente). Arbeitnehmer oder Rentner zahlen davon 7,3 Prozent, die restlichen 7,3 Prozent zahlen Arbeit­geber oder der Renten­versicherungs­träger. Selbst­ständige zahlen den kompletten Beitrag allein. Verzichten Selbst­ständige auf ihren Anspruch auf Krankengeld, müssen sie nur den ermäßigten Beitrags­satz von 14 Prozent zahlen. Studenten zahlen derzeit einen ermäßigten Beitrags­satz von 10,22 Prozent, wenn sie sich selbst gesetzlich kranken­versichern müssen. Wichtig für Auszubildende: Wer nicht mehr als 325 Euro brutto monatlich verdient, muss keine eigenen Beiträge zahlen. Dann über­nimmt der Arbeit­geber die Kranken­versicherungs­kosten komplett.

Wichtig: Es macht einen Unterschied, ob jemand Mitglied oder Versicherter einer gesetzlichen Kranken­versicherung ist. Wer Beiträge an eine Kasse zahlt, ist ein Mitglied. Versicherte sind dagegen alle, die Anspruch auf Leistungen haben, also zum Beispiel auch die beitrags­frei mitversicherten Ehepartner und Kinder.

Die Beitrags­bemessungs­grenze

Kassen­mitglieder müssen Beiträge nur für Einkünfte bis zur Beitrags­bemessungs­grenze zahlen. Einkünfte, die darüber liegen, sind beitrags­frei. Die Grenze liegt 2022 bei 4 837,50 Euro brutto im Monat.

Zusatz­beiträge

Zum allgemeinen Beitrags­satz kommt noch ein Zusatz­beitrag, der bei den meisten Versicherten ebenfalls paritätisch finanziert wird. Das heißt: Arbeitnehmer, Rentner und Selbst­ständige, die über die Künst­lersozialkasse versichert sind, müssen nur die Hälfte des Zusatz­beitrags zahlen. Die andere Hälfte über­nimmt der Arbeit­geber, die Renten­versicherung oder die Künst­lersozialkasse. Freiwil­lig versicherte Selbst­ständige zahlen den Zusatz­beitrag allein.

Jede Krankenkasse entscheidet individuell über die Höhe ihres Zusatz­beitrags – je nach finanzieller Situation. Geht es einer Krankenkasse finanziell sehr gut, kann sie auch komplett auf den Zusatz­beitrag verzichten. Indiz für eine gute Finanzlage kann zum Beispiel eine hohe Rück­lage der Krankenkasse sein. Jede Kasse muss mindestens 20 Prozent der auf einen Monat entfallenden Ausgaben zurück­legen. Neben den aktuellen Zusatz­beiträgen zeigt ist auch die Höhe der Rück­lage einer Krankenkasse in unserem Krankenkassenvergleich abge­bildet.

Pflege­versicherung auto­matisch mit dabei

Wer in einer gesetzlichen Kranken­versicherung versichert ist, ist auto­matisch auch in der Pflege­versicherung derselben Kasse Mitglied. Die Kassen sind verpflichtet, ihre Versicherten auch zu Pflege­themen zu beraten und ihnen zum Beispiel beim Beantragen von Pflege­leistungen zu helfen (zum Basiswissen Pflegeberatung). Der Beitrags­satz in der gesetzlichen Pflege­versicherung beträgt derzeit 3,05 Prozent. Davon tragen Arbeitnehmer und Arbeit­geber jeweils die Hälfte (für Sachsen gilt eine andere Aufteilung). Kinder­lose über 23 Jahren zahlen zurzeit 3,40 Prozent. Den Aufschlag von 0,35 Prozent­punkten müssen sie allein tragen. Alles was Sie zur gesetzlichen Pflege­versicherung wissen müssen, lesen Sie im kostenlosen Special Pflegeversicherung. Wir haben auch private Pflege­versicherungen getestet: Vergleich private Pflegetagegeldversicherungen.

84

Mehr zum Thema

  • Krankenkassen­vergleich 2022 Die beste Krankenkasse für Sie

    - Beiträge und Extras von Osteo­pathie bis Zahn­reinigung: Mit unserem Vergleich von 71 Krankenkassen finden Sie passende Zusatz­leistungen und können viel Geld sparen.

  • Gesetzliche Krankenkassen Steigen die Beiträge 2023?

    - Steigen die Zusatz­beiträge der Kassen wirk­lich im kommenden Jahr, wie es derzeit über­all heißt? Wir sagen, was auf Versicherte zukommen kann und was sie tun können.

  • Haus­halts­hilfe So bekommen Sie Hilfe bei der täglichen Arbeit

    - Plötzlich schwer erkrankt, ein Unfall oder Pflegebedürftig­keit – wer seinen Haushalt nicht mehr führen kann, bekommt oft Hilfe von der Krankenkasse. Wir sagen was gilt.

84 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.09.2022 um 09:50 Uhr
Aufenthalt im Nicht-EU-Ausland

@cdorfner: Der vorübergehende Aufenthalt im Ausland führt nicht dazu, dass die Versicherungspflicht in der Krankenversicherung für Rentner entfällt.

cdorfner am 17.09.2022 um 18:37 Uhr
Beitragspflicht b. Aufenthalt im nicht-EU-Ausland?

Wie ist das, wenn man sich einige Zeit (also länger als einen Monat) im nicht-EU-Ausland aufhält? Normalerweise gilt ja: Wenn eine Versicherung nicht leistet, dann sollte auch keine Prämie fällig sein. Muß man dennoch (z.B. als Rentner, oder als vorübergehend freiwillig Versicherter) Beiträge bezahlen?

Profilbild Stiftung_Warentest am 31.08.2022 um 14:56 Uhr
Wahltarif Kostenerstattung

@wwreg50: Es geht darum, dass man auch im Tarif Kostenerstattung nur Leistungen anteilig erstattet bekommt, die im Katalog der GKV enthalten sind. Für bestimmte Leistungen, deren Kosten die PKV zwar übernehmen würde, die GKV aber nicht, müssen GKV-Versicherte die Kosten komplett aus der eigenen Tasche bezahlen.
Es kann aber auch vorkommen, dass Versicherte nur zu Ärzten gehen dürfen, die auch eine Kassenzulassung haben und nicht zu reinen Privatärzten. Ob das der Fall ist, regelt meist der Tarif.
Und manchmal sind die Leistungen in der Kostenerstattung auch auf einzelne Leistungsbereiche wie Zähne/Zahnbehandlungen oder Krankenhaus oder ambulante Behandlungen beschränkt.

wwreg50 am 29.08.2022 um 19:36 Uhr
Wahltarif Kostenerstattung

Sie Schreiben zum Wahltarif Kostenerstattung: "Sie haben aber dennoch keinen Anspruch auf Leistungen, wie sie Privatversicherte erhalten." Können Sie dies bitte genauer erläutern? Bisher ging ich davon aus, dass mit der Wahl der Kostenerstattung in der gesetzlichen Kasse, ich gegenüber dem Arzt wie ein Privatpatient auftrete und folglich auch alle Leistungen wie Privatpatienten erhalte (diese dann aber am Ende überwiegend selbst trage, weil der Krankenkasse ja nur einen kleinen Teil bezahlt).

tg2002 am 04.08.2022 um 12:50 Uhr
Nicht nur auf den Cent achten...

...sagen Test und Finanztest immer wieder. Meine Erfahrung: stimmt!
Ich bin Mitglied bei der BKK Dürkopp-Adler, einer günstigen, aber nicht billigsten KK. Einige Info und Erfahrung möchte ich teilen. Diese BKK hat genau eine Geschäftsstelle und einen prima Telefonservice. Kurze Wartezeiten, feste Ansprechpartner*innen, flotte kompetente Beratung & Problemlösung. Und freundlich sowie humorvoll - all dies schätze ich sehr. Spart Zeit und Verwaltungskosten.
Ich bin keine Nummer und werde an der Stimme erkannt (!). Meist kann ich nahtlos an das letzte Gespräch anknüpfen, quasi im Thema bleiben. Fazit: Gedächtnis bewundernswert. Anschreiben, ob was vergessen, das zur Leistung führen würde? Zweitmeinungs-Tag in einer Spezialklinik? Hilfe beim Reha-Antrag ("füllen wir gemeinsam am Telefon aus")? ALG1? Und und und, die Liste ist zu lang für hier.
Ich bin lediglich zahlendes Mitglied dieser KK und bekomme keine Gegenleistung für diesen Kommentar. Danke fürs Lesen.