Gesetzliche Kranken­versicherung

Krankenkasse wechseln

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Auswahl. Gesetzlich Versicherte sind nicht dauer­haft gebunden. Sie können sich ihre Krankenkasse aussuchen. © Stiftung Warentest

Bei Unzufriedenheit lohnt ein Kassen­wechsel. Das geht recht einfach. Wichtig: Die neue Kasse darf niemanden ablehnen, auch nicht aufgrund von Alter oder Krankheit.

Inhalt

Freiwil­liger Kassen­wechsel

Reguläre Kündigung der Krankenkasse

Wer mindestens 12 Monate Mitglied ist, kann ohne Weiteres in eine andere Kasse wechseln. Der Kündigungs­zeitraum beträgt zwei Monate zum Monats­ende. Ein Beispiel: Wer bis Ende Januar bei seiner alten Krankenkasse kündigt, kann ab dem 1. April bei der neuen Krankenkasse versichert werden.

Ein Versicherter kann immer nur zu einer Krankenkasse wechseln, die in dem Bundes­land geöffnet ist, in dem er wohnt oder arbeitet. Wer zum Beispiel in Hamburg lebt, kann nicht zu einer Krankenkasse wechseln, die nur in Berlin, Brandenburg und Meck­lenburg-Vorpommern geöffnet ist. Viele Krankenkassen sind bundes­weit geöffnet, haben aber nur eine Geschäfts­stelle in einem bestimmten Bundes­land. Zu solch einer Krankenkasse ist der Wechsel problemlos möglich. Der Kontakt zur neuen Kranken­versicherung läuft dann aber meist nur per Telefon, E-Mail und Post.

Wichtig: Egal ob Sie krank sind oder schon älter: Möchten Sie zu einer anderen Krankenkasse wechseln, darf diese Sie nicht ablehnen.

Sonderkündigungs­recht

Erhebt die Krankenkasse einen Zusatz­beitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungs­recht, auch wenn sie noch keine 12 Monate Mitglied sind. Bei einer Beitrags­erhöhung können Versicherte bis zum Ende des Monats kündigen, in dem Ihre Krankenkasse erst­mals den höheren Beitrag verlangt. Es gilt der reguläre Kündigungs­zeitraum von zwei Monaten. So lange müssen sie den Zusatz­beitrag zahlen. Wichtig: Die Kranken­versicherung muss ihre Mitglieder spätestens einen Monat vor der Fälligkeit auf das Kündigungs­recht hinweisen, anderenfalls verlängert sich die Frist entsprechend. Das Sonderkündigungs­recht gilt auch für Wahl­tarife. Ausnahme: Gesetzlich versicherte Selbst­ständige, die sich für einen Wahl­tarif Krankengeld entschieden haben, sind drei Jahre an ihren Wahl­tarif gebunden.

Schritt für Schritt zur neuen Kranken­versicherung

Der Kassen­wechsel ist einfach. Damit trotzdem nichts schief geht, sollten Sie auf folgende Punkte achten:

1. Kündigung. Sie müssen nur der neuen Krankenkasse mitteilen, dass Sie bei ihr Mitglied werden möchten. Eine schriftliche Kündigung bei Ihrer alten Kranken­versicherung ist nicht nötig. Praktisch: Meist haben die Kassen Online­anträge auf ihrer Website.

2. Bestätigung. Die neue Krankenkasse prüft, ob alle Voraus­setzungen für einen Wechsel erfüllt sind und setzt sich mit Ihrer bisherigen Kasse in Verbindung. Ist ein Wechsel möglich, teil die neue Kasse Ihnen dies mit. Eventuell nennt Sie einen anderen Beginn – etwa, wenn die gesetzliche Bindungs­frist an die alte Krankenkasse erst später endet als von Ihnen vermutet.

3. Arbeit­geber. Danach müssen Sie nur noch Ihrem Arbeit­geber formlos mitteilen, dass Sie eine andere Krankenkasse gewählt haben. Der Arbeit­geber meldet Sie dann auf elektronischem Weg bei der neuen Kasse an. Diese bestätigt ihrem Chef ebenfalls elektronisch die Mitgliedschaft.

Besonderheit Arbeit­geber­wechsel. Wechseln Sie ihren Job oder kommen Sie als Rentner neu in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR), können Sie bis maximal 14 Tage nach Beschäftigungs- oder Renten­beginn eine neue Krankenkasse wählen. Die Bindungs­frist von 12 Monaten gilt hier nicht. Sie entfällt auch, wenn sich Ihr Versicherungs­status hin zu einer freiwil­ligen Versicherung ändert, etwa weil Sie mehr verdienen als die Versicherungs­pflicht­grenze (64 350 Euro im Jahr). Dann haben Sie sogar drei Monate Zeit, sich eine neue Kasse zu suchen. Wichtig: Sie müssen Ihren Arbeit­geber über die neue Kasse informieren. Nur dann hat der Wechsel geklappt und die Bindungs­frist beginnt erneut. Wer bei seiner Kasse bleiben möchte, informiert auch darüber den neuen Arbeit­geber. Die Bindungs­frist beginnt in diesem Fall nicht von vorn.

Medizi­nische Versorgung

Gesetzlich geregelte Leistungen. Die meisten Leistungen sind gesetzlich geregelt und werden von allen Kassen gleichermaßen über­nommen. Bei manchen haben die Kassen einen Auslegungs­spielraum. Klären Sie vor dem Wechsel mit der neuen Kasse, ob sie alle Leistungen über­nimmt, die Sie benötigen. Lassen Sie sich die Zusicherung schriftlich geben.

Bei folgenden Leistungen sind Änderungen nach dem Wechsel möglich:

Leistungen mit Genehmigung. Die neue Kasse über­nimmt genehmigte Leistungen nicht auto­matisch. Wenn Sie eine genehmigte Behand­lung begonnen haben, etwa eine Psycho­therapie oder Reha­sport, muss die neue Kasse dies erfahren, wird aber grund­sätzlich nicht ablehnen. Für Behand­lungen, die noch nicht begonnen wurden, müssen Sie bei der neuen Kasse wieder einen Antrag stellen.

Hilfs­mittel oder Medikamente. Haben Sie von Ihrer alten Krankenkasse zum Beispiel einen Roll­stuhl leih­weise bekommen, müssen Sie das Hilfs­mittel eventuell zurück­geben und erhalten von der neuen Kasse einen gleich­wertigen Ersatz. Auch bei Medikamenten sind andere, aber gleich­wertige Produkte nach dem Wechsel möglich.

Extra­leistungen. Nach einem Wechsel können Sie die Extra­leistungen Ihrer neuen Kasse nutzen, die über das gesetzlich fest­gelegte Angebot hinaus­gehen. Mit dem Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest können Sie sich über die Extra­leistungen und Beitrags­sätze der einzelnen Krankenkassen informieren und diese bequem vergleichen.

Zusam­menschluss von Kassen

Das läuft auto­matisch

Für die meisten Versicherten dürfte eine Kassenfusion reibungs­los und ohne großen eigenen Aufwand verlaufen. So behalten etwa die Versichertenkarte der alten Kasse zunächst weiterhin ihre Gültig­keit. Die neue Kasse schickt später auto­matisch eine neue Versichertenkarte zu. Auch Arbeit­geber, Rentenversicherung oder das Arbeits­amt werden auto­matisch von der neuen Kasse über den Zusam­menschluss informiert. Versicherte müssen sich zudem keine Sorgen machen, dass sie durch den Zusammenschluss keinen ausreichenden Versicherungs­schutz mehr haben: Denn mehr als 95 Prozent des Angebots einer Kasse ist gesetzlich vorgeschrieben und über­all gleich.

Das kann sich ändern

Mögliche Änderungen betreffen vor allem Extra­leistungen und Service­angebote, die über das gesetzlich fest­gelegte Maß hinaus­gehen und bei jeder Kasse anders sind. Dazu gehören zum Beispiel Zuschüsse zu Gesund­heits­kursen, Reiseimpfungen oder teuren Osteo­pathiebe­hand­lungen und Wahl­tarife – etwa für Krankengeld. Oft wird einfach der Leistungs­katalog des größeren und stärkeren Fusions­part­ners über­nommen. Dabei können einige Zusatz­leistungen auf der Strecke bleiben – gerade wenn die kleinere der beiden Fusions­kassen bessere oder umfang­reichere Extras bot.

Kasse wechseln

Wer besonderen Wert auf bestimmte Extras legt, die nach einer Fusion wegfallen, hat nur eine Wahl. Er muss sich eine andere Krankenkasse suchen, die mehr bietet. Das sollten Versicherte tun, wenn sie mit dem Service der neu entstandenen Kasse unzufrieden sind oder die Kasse durch einen höheren Zusatz­beitrag zu teuer geworden ist. Infos dazu bietet unser Krankenkassenvergleich von derzeit 70 Krankenkassen.

Kein Sonderkündigungs­recht

Sind Versicherte mit der fusionierten Kasse unzufrieden, können sie wechseln, wenn sie mindestens 12 Monate Mitglied in ihrer alten Kasse waren. Ein Sonderkündigungs­recht allein aufgrund der Fusion haben sie aber nicht. Das Sonderkündigungs­recht gilt nur, wenn die Kasse den Zusatz­beitrag erhöht.

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79 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.03.2022 um 14:18 Uhr
Krankengeldbezugsdauer

@KerstinDB: Wenn es wirklich dieselbe Krankheit war, ist § 48 SGB V leider ziemlich eindeutig. Wir fürchten, die Kasse hat Recht.
Wie es nach dem Ende des Krankengeldes weitergeht, können Sie in einem aktuellen Artikel nachlesen: https://www.test.de/Nach-dem-Krankengeld-Wenn-die-Kasse-nicht-mehr-zahlt-5805170-0/
Vor allem die Möglichkeit, trotz fortbestehenden Arbeitsvertrags ALG 1 Leistungen zu erhalten, ist vielen nicht bekannt. Und die Ämter gehen mit dieser Information auch nicht gerade hausieren…

KerstinDB am 02.03.2022 um 14:31 Uhr
Krankengeldbezugsdauer

Bin seit 09.03.21 im Krankengeld. Habe jedoch eine Voranrechnung dazu. Und zwar war ich 24.09.20 bis 09.11.20 wegen der gleichen Krankheit krankgeschrieben und bin erst zu dieser Arbeitsunfähigkeit in einen Krankengeldanspruch gelangt. Nun hat mir die KK geschrieben, dass ich nur noch bis 25.04.22 Krankengeld bekomme. Sie berufen sich auf den §48 SGB V, hier die Dreijahresfrist. Und sind in ihrer Berechnung rückwärts gegangen und haben alle die Arbeitsunfähigkeiten mit der selben Krankheit dazu gerechnet. Ist das rechtens, vergangene Krankheiten dazu zu rechnen, obwohl da noch kein Anspruch auf Krankengeld vorhanden war? Ich lese es so, dass die Dreijahresfrist beginnt mit der Erkrankung wo ein Anspruch auf Krankengeld besteht. Also der Tag der als Wartetag bezeichnet wird, ist der Beginn der Blockzeit.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.11.2021 um 11:24 Uhr
Rückerstattung Beiträge Krankenversicherung

@PortSaid: Dies ist nicht der Ort für eine individuelle Versicherungsberatung. Wir kennen nicht alle notwendigen Details, um Ihre Frage zu klären. Bitte wenden Sie sich zuerst direkt an Ihre Krankenkasse, um zu klären, welche Informationen zur An-und Abmeldung dort vorliegen. Die Krankenkasse prüft, ob während des Beschäftigungsverhältnisses eine Krankenversicherungspflicht vorlag.
Benötigen Sie Unterstützung bei der Kommunikation mit der Krankenkasse, können Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale oder an die unabhängige Patientenberatung wenden:
www.patientenberatung.de
www.verbraucherzentrale.de

PortSaid am 13.11.2021 um 16:05 Uhr
Mir wurden meine Beiträge zurückerstattet!!

Guten Tag,
ich habe bei meinem vorherigen Arbeitgeber nur 4 Monate gearbeitet und zum 31.10. gekündigt. Davor habe ich nicht in 2021 gearbeitet und war kein Mitglied einer Krankenkasse.
Mit dem Oktobergehalt hat er mir meine Beiträge zur Krankenkasse zurückgezahlt (und mich gleichzeitig bei der Krankenkasse abgemeldet, aber das ist normal).
Seit dem 01.11. bin ich für einen anderen Arbeitgeber tätig.
Was soll ich jetzt machen?
Wird mich die Krankenkasse danach fragen?
Würde die Krankenkasse mich auffordern, das Geld zurückzuzahlen?
Vielen Dank

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.06.2021 um 12:10 Uhr
private Krankenversicherung / Familienversicherung

@FrauOPunkt: Wir haben zu den Beschränkungen der Mitversicherung der Kinder in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung berichtet, und zwar hier:
www.test.de/Familienversicherung-der-gesetzlichen-Kassen-Nicht-fuer-Besserverdienende-4258578-0
www.test.de/Frage-und-Antwort-Krankenversicherung-fuers-Kind-Unverheiratete-Eltern-im-Vorteil-1686009-0
Die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich, wenn der privat versicherte Elternteil weniger verdient als der gesetzlich versicherter Elternteil (und Ehepartner). Und wenn das monatliche Einkommen des privat Versicherten unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt.
Wichtig: Die Familienversicherung für die Kinder entfällt schon ab einem Euro regelmäßigen Mehrverdienstes des privat versicherten Ehepartners. (maa)