Zahn­arzt

Gesetzliche Kranken­versicherung Special

Die Kasse zahlt nur pauschale Fest­zuschüsse für Zahn­ersatz. Die restlichen Kosten muss der Patient tragen. Das kann teuer werden – vor allem, wenn der Patient höher­wertigen Zahn­ersatz wünscht. Die wichtigsten Regeln kurz erklärt.

Feste Zuschüsse für Zahn­ersatz

Zunächst: Die Behand­lung beim Zahn­arzt funk­tioniert für gesetzlich Versicherte genauso wie bei jedem anderen Arzt: Der Versicherte legt seine Chipkarte vor, und der Zahn­arzt behandelt. Muss allerdings Zahn­ersatz her, kann es für Versicherte schnell teuer werden. Denn die Krankenkasse zahlt für Zahn­ersatz einen Fest­zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Kosten, die Kassen und Zahn­ärzteschaft für eine einfache Regel­versorgung fest­gelegt haben – etwa für eine Brücke aus einer Metall­legierung ohne Gold­anteil. Die restlichen Kosten muss der Versicherte selbst tragen. Waren Versicherte fünf Jahre in Folge zur Vorsorge beim Zahn­arzt und können sie dies durch Stempel im Bonus­heft nach­weisen, erhöht sich der Fest­zuschuss ab dem sechsten Jahr auf 60 Prozent. Bei Versicherten, die zehn Jahre lang Stempel in ihrem Bonus­heft lückenlos nach­weisen können, beträgt der Zuschuss ab dem elften Jahr 65 Prozent. Die Kosten­über­nahme liegt damit um 20 beziehungs­weise 30 Prozent höher als ohne Bonus­heft. Bei Versicherten, die im Monat nicht mehr als 1 106 Euro brutto einnehmen oder Sozial­leistungen wie Hartz IV oder Bafög beziehen, erstatten die Krankenkassen die Regel­versorgung komplett.
Tipp: Versäumen Sie den jähr­lichen Kontroll­besuch beim Zahn­arzt auch nur ein Mal, verlieren Sie den Bonus komplett und müssen wieder bei null anfangen. Haben Sie nur vergessen, Ihr Bonus­heft zu einem Termin mitzubringen, können Sie den fehlenden Stempel aber nach­tragen lassen. Welche Unterschiede es beim Zahn­ersatz hinsicht­lich Preis, Qualität und Service gibt, hat die Stiftung Warentest kürzlich getestet Zahnersatz: Was wirklich zählt.

Mehr­kosten aus eigener Tasche

Neben der Regel­versorgung haben Patienten auch die Möglich­keit, hoch­wertigere Materialien für den Zahn­ersatz zu wählen. Sie können sich auch für eine komplett andere Versorgung, etwa ein Implantat anstelle einer Brücke entscheiden. Der Kassen­zuschuss bleibt aber gleich, auch wenn der Zahn­ersatz durch die höher­wertige Behand­lung viel teurer wird.

Tipp: Für den Eigen­anteil kommt eventuell eine Zahn­zusatz­versicherung auf. Die Stiftung Warentest hat aktuell 189 Zahnzusatzversicherungen getestet – viele davon sind sehr gut.

Zahn­arzt darf höhere Rechnung stellen

Die Mehr­kosten muss der Patient privat bezahlen. Durch die Anfang 2012 einge­führte neue privatzahn­ärzt­liche Gebühren­ordnung (GOZ) mussten sich Patienten meist auf noch höhere Kosten einstellen, insbesondere für hoch­wertigen Zahn­ersatz wie Inlays oder Implantate oder auch für die professionelle Zahn­reinigung. Die Zahn­ärzte dürfen für Zusatz­leistungen höhere Honorare kassieren. Im Unterschied zur Regel­versorgung ist dem Zahn­arzt nämlich von der Kasse nicht vorgeschrieben, was er für die besondere Versorgung verlangen darf. Die Abrechnung erfolgt nach der GOZ. Dort ist jeder zahnmedizi­nischen Leistung eine Punkt­zahl zuge­ordnet. Ein einzelner Punkt hat einen Wert – aktuell sind das 5,62421 Cent. Aus Multiplikation von Punkt­zahl und -wert ergibt sich der einfache Gebühren­satz. Je nach Schwierig­keit der Behand­lung rechnen Zahn­ärzte höhere Sätze ab. Der 2,3-fache Gebühren­satz entspricht dem durch­schnitt­lichen Schwierig­keits­grad. Zahn­ärzte können leicht bis zum 3,5-fachen gehen – nach schriftlicher Vereinbarung mit dem Patienten sogar darüber hinaus.

Zahnbe­hand­lung

Für andere Behand­lungen müssen Kassenpatienten nicht extra zahlen. Das gilt etwa für das Entfernen von Karies und das Füllen der dadurch entstandenen Löcher, Wurzelkanalbe­hand­lungen oder das Ziehen von Zähnen. Auch Parodontosebe­hand­lungen oder die Entfernung von Zahn­stein einmal im Jahr sind Kassen­leistungen. Versicherte haben allerdings nur Anspruch auf Füllungen aus dem jeweils preis­wertesten Material. Die Kasse zahlt also etwa für Kunststoff-Füllungen nur im sicht­baren Bereich. Wer sich bei größeren Löchern für ein Inlay entscheidet, muss ebenfalls einen Teil der Kosten selbst über­nehmen. Die Kasse zahlt dann nur den Betrag, den sie für die preisgüns­tigste Füllung in der gleichen Größe zahlen würde.

Tipps: So verringern Sie Ihre Zahn­arzt­kosten

  • Bonus. Gehen Sie mindestens einmal im Jahr zur Kontrolle zum Zahn­arzt, auch wenn nichts wehtut. Achten Sie darauf, dass die Unter­suchungen in Ihr Bonus­heft einge­tragen werden. Nur so sichern Sie den maximalen Zuschuss von der Kasse, falls Sie einmal Zahn­ersatz benötigen.
  • Kostenplan. Zahn­ärzte müssen für Zahn­ersatz einen Heil- und Kostenplan erstellen. Lassen Sie sich diesen von Ihrem Zahn­arzt genau erklären und fragen Sie ihn nach Behand­lungs- und Kosten­alternativen. Haben Sie Zweifel, ob Ihnen Ihr Zahn­arzt den optimalen Zahn­ersatz vorschlägt, können Sie bei einem weiteren Zahn­arzt einen Heil- und Kostenplan erstellen lassen. Zahn­ärzte dürfen von Kassenpatienten kein Geld dafür verlangen.
  • Preis­vergleich. Die zahn­tech­nischen Labor- und Material­kosten machen mehr als die Hälfte jeder Zahn­ersatz­rechnung aus. Sie können Geld sparen, indem Sie Ihrem Zahn­arzt vorschlagen, ein güns­tiges Labor zu beauftragen. Die Krankenkassen dürfen ihre Versicherten auf preis­werte Anbieter hinweisen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse.
  • Krankenkasse. Manchmal haben die Kassen auch Verträge mit Dienst­leistern wie „dent-net“ oder „Ihren Zähnen zuliebe“ geschlossen. Dadurch können Sie zumindest die Regel­versorgung ohne eigene Zuzahlung bekommen. Und auch der Anteil an teurerem Zahn­ersatz verringert sich dadurch zumindest teil­weise. Eventuell gewährt die Kasse auch einen Zuschuss zum Zahn­ersatz oder beteiligt sich an den Kosten für die professionelle Zahn­reinigung. Informationen zu den Leistungen von 84 Kassen finden Sie im Produktfinder gesetzliche Krankenkassen.
  • Zusatz­versicherung. Private Zahn­zusatz­versicherungen beteiligen sich an den Kosten, die Krankenkassen nicht über­nehmen. Weil es Ober­grenzen gibt, bekommen Sie aber von Kasse und Zusatz­versicherung zusammen meist nicht mehr als 80 bis 90 Prozent der Kosten. Die Versicherer haben sich zudem davor geschützt, dass Patienten kurz vor ihrer Zahnsanierung noch eine Police abschließen. Ist ein Zahn­problem bei Vertrags­schluss bekannt oder steht eine Behand­lung an, über­nimmt die Versicherung die Kosten nicht. Die ersten Leistungen aus seiner Zahn­police erhält der Versicherte frühestens acht Monate nach Vertrags­schluss. Sogar in den ersten Vertrags­jahren schränken viele Versicherer die Leistungen ein. Die Stiftung Warentest hat aktuell 189 Zahnzusatzversicherungen getestet – viele davon sind sehr gut.
  • Special Zähne. Viele Tipps rund um die Zahn­pflege, woran Sie einen guten Zahn­arzt erkennen und wie Sie Ihre Kosten verringern können, zeigt Ihnen das kostenlose Special Zähne.

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