Gesetzliche Krankenkassen: Kasse für alle

Fast 90 Prozent der Bundesbürger sind in einer der 323 gesetzlichen Krankenkassen versichert.

Die meisten Kassenkunden haben keine andere Wahl: Sie sind Pflichtmitglieder. Doch in welcher Krankenkasse sie sich versichern, können sie sich aussuchen.

Insgesamt gibt es 323 gesetzliche Kassen. Sie unterscheiden sich vor allem im Preis, aber auch in einigen Zusatzleistungen. Die Betriebs- und Innungskrankenkassen (BKK, IKK) wa­ren früher nur Arbeitnehmern aus bestimmten Betrieben und ihren Angehörigen zugänglich. Mittlerweile haben sich aber 160 der insgesamt etwa 250 BKK geöffnet und sind damit allen Interessenten zugänglich. Die Landwirtschaftlichen Krankenkassen, die Bundesknappschaft und die See-Krankenkasse stehen nur der jeweiligen Berufsgruppe offen.

Versicherungspflichtig sind alle Arbeiter und Angestellten, wenn ihr regelmäßiges Arbeitsentgelt nicht mehr als zurzeit 45 900 Euro im Jahr beträgt. Das ist die Versicherungspflichtgrenze. Die Summe entspricht einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3 825 Euro.

Pflichtversichert sind zudem Landwirte, Künstler und Publizisten, Studenten, Empfänger von Arbeitslosengeld oder -hilfe. Rentner sind ebenfalls pflichtversichert, wenn sie 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens gesetzlich versichert waren, ob als Pflicht- oder als freiwillig Versicherte.

Wer als Angestellter dauerhaft mehr verdient als 3 825 Euro im Monat, ist von der Versicherungspflicht befreit. Er hat die Wahl, sich freiwillig gesetzlich zu versichern oder eine private Krankenversicherung abzuschließen.

Ist jemand privat versichert und wird durch Anhebung der Einkommensgrenze wieder versicherungspflichtig, kann er sich von dieser Pflicht befreien lassen. Dann ist der Rückweg in die ge­setz­liche Kasse – von wenigen Ausnahmen abgesehen – für immer versperrt.

Selbstständige und Beamte können sich unabhängig von ihrem Einkommen freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Das ist aber nur möglich, wenn sie entweder in den zurückliegenden fünf Jahren insgesamt mindestens für 24 Monate oder unmittelbar vorher mindestens zwölf Monate am Stück gesetzlich versichert waren.

Der Wechsel ist einfach

Die Kassen dürfen keinen Kunden ablehnen, der die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllt. Alter, Geschlecht, Gesundheit und Einkommen sind egal.

Alle gesetzlich Versicherten, auch die Rentner, können ohne Einschränkungen zwischen den für ihren Wohn- oder Arbeitsort geöffneten Krankenkassen wählen. Auch chronisch Kranke, bei denen langwierige Behand­lun­­gen laufen, können wechseln.

Der Wechsel ist einfach: Mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende können Versicherte ihre Kasse verlassen. Geht die schriftliche Kündigung am 24. Februar bei der Kasse ein, endet die Mitgliedschaft mit dem 30. April.

Die Kasse ist verpflichtet, dem Wechselwilligen innerhalb von zwei Wochen eine schriftliche Kündigungsbestätigung auszustellen. Die muss er bei der neuen Kasse vorweisen, wenn er dort die Mitgliedschaft beantragt. Die neue Kasse erstellt eine Mitgliedsbescheinigung, und ab 1. Mai ist der Kunde dann in der neuen Kasse versichert.

Hat jemand nach dem 1. Januar 2002 gewechselt, ist er an seine Wahl für 18 Monate gebunden. Es sei denn, die Kasse erhöht ihren Beitragssatz. Dann besteht ein Sonderkündigungsrecht mit derselben Frist.

Seit alle Versicherten das Recht haben, sich ihre Krankenkasse auszusuchen, sind viele Kunden zu beitragsgünstigeren Kassen abgewandert. So haben die Betriebskrankenkassen ihren Marktanteil seit dem Beginn der freien Kassenwahl 1995 nahezu verdoppelt.

Ausgleich zwischen den Kassen

Das Problem dabei ist, dass überwiegend die Besserverdienenden, die Jüngeren und Gesünderen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und in beitragsgünstige Kassen wechseln. In den teureren Kassen bleiben im Verhältnis mehr Ältere, Kranke und Schlechterverdienende zurück. Ihre Gesundheitsversorgung ist teurer, gleichzeitig zahlen sie wegen ihres geringen Einkommens weniger ein.

Theoretisch müssten also die Kassen mit dem höheren Anteil an „teuren“ Kunden ihre Beitragssätze noch mehr erhöhen, um die Krankenbehandlung ihrer Versicherten bezahlen zu können. Damit diese Spirale sich nicht immer weiterdreht, gibt es den Risiko­struk­turausgleich (RSA). Das ist ein Finanzausgleich zwischen den Kassen, der für gleiche Bedingungen im Wettbewerb sorgen soll.

Krankenkassen mit vielen gering verdienenden, alten und kinderreichen Versicherten erhalten Geld aus diesem Ausgleichstopf, Kassen mit vielen einkommensstarken, jungen und ledigen Versicherten müssen einzahlen. Gerade hat das Bundessozialgericht mehrere Klagen von Zahler-Kassen abgewiesen, die sich gegen die Höhe der Zahlungen wehren (Az. B 12 KR 19/01 R, B 12 KR 16/01 R , B 12 KR 17/01 R und andere).

In Zukunft sollen die Krankenkassen darüber hinaus RSA-Geld für jeden chronisch kranken Versicherten bekommen, der an einem von der Kasse organisierten strukturierten Behandlungsprogramm für seine Krankheit teilnimmt. Solche so genannten Disease-Management-Programme starten in diesem Jahr für Brustkrebs und Diabetes mellitus Typ 2. Weitere Programme für Diabetes mellitus Typ 1, chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma sowie koronare Herzerkrankungen sollen folgen.

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