Teuer muss nicht besser sein. Auch günstige Krankenkassen bieten das vorgeschriebene Leistungspaket und oft attraktive Extras. Finanztest hilft, die passende Kasse zu finden.

Gesetzlich Krankenversicherte mussten in den vergangenen Monaten heftige Beitragssteigerungen hinnehmen. Der durchschnittliche Beitragssatz aller Kassen klettert in diesem Jahr wohl von 14,0 auf etwa 14,4 Prozent.

Grund für die teilweise massiven Erhöhungen sind die steigenden Gesundheitskosten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen von 1992 bis 2001 um etwa 39 Prozent auf rund 138 Milliarden Euro gestiegen. Die Einnahmen der Kassen, die von den Arbeitseinkommen der Versicherten abhängen, blieben weit hinter den Ausgaben zurück.

Die bundesweit teuerste Kasse ist jetzt die BKK Berlin mit einem Beitragssatz von 15,7 Prozent. Ein Versicherter dieser Kasse mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3 450 Euro kann durch einen Wechsel zur günstigsten Kasse kräftig sparen. Für Berlin sind die Betriebskrankenkassen BKK Essanelle und Taunus BKK mit 11,9 Prozent Beitragssatz am günstigsten. Statt 541,65 Euro wäre sein Monatsbeitrag dann 410,55 Euro.

Vom Beitrag zahlen er und sein Arbeitgeber jeweils die Hälfte. Deshalb teilen sie sich auch die monatliche Einsparung von 131,10 Euro. Die mögliche Ersparnis für verschiedene Einkommen zeigt die Beispielrechnung in der Tabelle „So viel sparen Sie“.

Schlechte Kassen gibt es nicht

Welche der über 200 allgemein geöffneten Kassen bietet die beste Gesundheitsversorgung für ihre Versicherten? Einen Missgriff können Kunden der gesetzlichen Krankenkassen nicht tun. Denn zu 95 Prozent sind die Leistungen der Kassen vom Gesetzgeber vorgeschrieben und damit bei allen Kassen gleich.

Alle medizinischen Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten. Die Versicherten können bundesweit zu allen Ärzten, Psychotherapeuten oder Krankengymnasten gehen, die eine Kassenzulassung haben. Und sie können sich im nächstgelegenen für ihre Krankheit geeigneten Krankenhaus behandeln lassen, das einen Vertrag mit den Kassen hat.

Für welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die Kassen bezahlen dürfen und für welche nicht, legt der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in seinen Richtlinien fest. Der Bundesausschuss ist ein 21-köpfiges Gremium aus jeweils neun Spitzenfunktionären der Kassen und der Ärzteschaft und zwei so genannten unabhängigen Vorsitzenden.

Die gewissen Extras

Über das gesetzlich festgelegte Leistungspaket hinaus dürfen die Kassen ihren Kunden aber Zusatzangebote machen. In ihren Satzungen legen sie zum Beispiel fest, ob und für wie lange sie eine Haushaltshilfe bezahlen, wenn eine Mutter ins Krankenhaus muss und sie in dieser Zeit die Kinder nicht selbst versorgen kann.

Spielraum haben die Kassen auch bei der Entscheidung, ob und für wie lange sie zusätzlich zur häuslichen Krankenpflege die Grundpflege bezahlen. Dann bekommt der Patient Hilfe beim Essen oder Anziehen und hauswirtschaftliche Unterstützung. Häusliche Krankenpflege – beispielsweise die Versorgung von Wunden – müssen die Kassen bezahlen, wenn ein Arzt sie verschreibt, um das Ziel seiner Behandlung zu sichern.

Lieber ein paar Euro mehr Beitrag zahlen, dafür aber umfangreichere Leistungen bekommen – diese Rechnung geht nicht auf. Manchmal haben günstige Kassen sogar bessere Leistungen als Konkurrenten mit hohem Beitragssatz.

So bezahlt beispielsweise die BKK Gildemeister/Seidensticker, mit 12,3 Prozent Beitragssatz eine der günstigsten Kassen, bis zu 26 Wochen je Krankheitsfall eine Haushaltshilfe. Sie zahlt außerdem Grundpflege und hauswirtschaftliche Hilfe ohne zeitliche Befristung, solange der Patient auch Behandlungspflege verschrieben bekommt.

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) dagegen, mit einem Beitragssatz von 14,8 Prozent eher eine teure Kasse, zahlt in diesen Fällen nur das gesetzlich vorgeschriebene Minimum.

Modellvorhaben sind ein weiteres Feld, auf dem die Krankenkassen sich mit ­zusätzlichen Leistungen im Wettbewerb profilieren können. Mit diesen zeitlich befristeten Projekten können die Kassen neue Behandlungsformen ausprobieren, die nicht zu ihrem Pflichtkatalog gehören. So bieten manche Kassen besondere Therapien für Patienten mit chronischen Hautkrankheiten wie Neurodermitis an, andere veranstalten Schulungen für asthmakranke Kinder.

Werden solche Leistungen als Modellprojekt angeboten, dann ist in der Satzung der Kasse festgehalten, wie lange das Projekt dauert und welche Versicherten unter welchen Bedingungen daran teilnehmen können.

Viele Kassen legen sich in ihren Satzungen aber nicht fest, sondern bieten diese Leistungen in einer anderen rechtlichen Form an, die mit weniger strengen Auflagen verbunden ist als die ­Modellvorhaben. Für die Versicherten macht das meist keinen Unterschied. Manchmal aber schließen die Kassen nur mit einzelnen Arztpraxen oder Kran­kenhäusern Verträge, sodass die vereinbarten Extras nur Versicherten in der entsprechenden Region zugute kommen. Wer einen Kassenwechsel plant und Wert auf bestimmte Sonderleistungen legt, sollte diesen Punkt unbedingt abklären. Unsere Tabelle zeigt, welche Kassen was anbieten.

Kontakt mit der Kasse

Versicherte, die das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern ihrer Krankenkasse suchen, müssen sich darauf einrichten, mehr Beitrag zu bezahlen. Denn die günstigsten Kassen haben meist nur eine Geschäftsstelle. Das dichteste Netz haben die Barmer mit 1 123 und die DAK mit 834 Geschäftsstellen. Alle AOKs zusammen haben rund 2 500 Niederlassungen.

Doch eigentlich besteht kein Grund, eine Geschäftsstelle der Kasse aufzusuchen. Die Kommunikation mit der Kasse klappt normalerweise problemlos per Telefon, Brief, Fax oder E-Mail. Welche Kassen auch am Wochenende für medizinische und andere Fragen ihrer Kunden erreichbar sind, steht in unserer Tabelle. Diesen Service haben die Kassen in den letzten Jahren stark ausgebaut. Mehr als die Hälfte der untersuchten Kassen bietet zumindest einen Telefondienst.

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