Extras auf Probe

Die Krankenkassen können über ihre gesetzlichen Verpflichtungen hinaus verbesserte medizinische Leistungen für ihre Versicherten erproben oder Organisations- und Finanzierungsformen weiterentwickeln. Die Angebote sind freiwillige Zusatzleistungen der Krankenkassen, mit denen sie sich im Wettbewerb um Kunden profilieren können. Nur „Modellvorhaben“ sind in der Satzung der Krankenkasse festgeschrieben. Wird die Leistung in einem anderen rechtlichen Rahmen angeboten, haben wir sie in der Spalte „Vertragsleistungen“ aufgeführt. Für die Versicherten spielt dieser Unterschied aber meist keine Rolle.

Interessante Projekte gibt es vor allem für Menschen, die an einer weit verbreiteten chronischen Krankheit leiden. Manche Kassen bieten aber auch Modellprojekte und Vertragsleistungen zu speziellen Behandlungsverfahren wie Akupunktur oder ambulantes Operieren an.

Leistungen, zu denen die Kassen gesetzlich verpflichtet sind, dürfen sie nicht zum Modellprojekt erklären. Ebenso wenig können sie Behandlungsmethoden in ein Modellprojekt einbeziehen, die der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen ausdrücklich abgelehnt hat.

Modellvorhaben und Vertragsleistungen werden zeitlich befristet angeboten. Wer sich für ein solches Projekt interessiert, sollte deshalb klären, wie lange es noch angeboten wird.

1 Akupunkturbehandlung

Akupunkturbehandlung insbesondere bei chronischen Kopfschmerzen, chronischen Lendenwirbelsäulenschmerzen und chronischen Schmerzen bei Arthrose und anderen degenerativen Gelenkerkrankungen.

2 Ambulante Operationen

Niedergelassene Ärzte erhalten finanzielle Anreize, damit sie verstärkt ambulant operieren können und die Qualität des ambulanten Operierens erhöht wird. Damit soll gleichzeitig ein Rückgang der Operationen im Krankenhaus erreicht werden. Neben allgemeinen chirurgischen Eingriffen erstreckt sich das Spektrum auf augenärztliche, gynäkologische, HNO-ärztliche, neurochirurgische, orthopädische und urologische Eingriffe.

3 Ambulante Kinderchirurgie

Ambulante Operationen bei Kindern sollen gefördert werden. Durch Beratung und durch ein Verzeichnis ambulant operierender niedergelassener Ärzte sollen möglichst viele planbare Operationen bei Kindern in der Arztpraxis und nicht im Krankenhaus durchgeführt werden.

4 Asthmakranke Kinder

Schulungen für asthmakranke Kinder und Jugendliche. Dazu gehören: Aufklärung über das Krankheitsbild, vorbeugende Maßnahmen und Training für das Verhalten beim Asthmaanfall.

5 Atemwegserkrankungen

Erwachsene, Jugendliche und Kinder mit chronischen Gefäß verstopfenden Atemwegserkrankungen wie chronischer Bronchitis oder Asthma bronchiale werden intensiv betreut. Die Patienten können verschiedene Beratungs-, Behandlungs-, Schulungs- und Trainingsangebote miteinander kombinieren.

6 Balneo-Phototherapie

Erprobung der ambulanten synchronen Balneo-Phototherapie (kombinierte Bade- und Lichttherapie) bei chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis.

7 Dermatosen

Die medizinische Behandlung schwerer Formen der Schuppenflechte (Psoriasis) soll verbessert werden, zum Beispiel durch Klimatherapie und Patientenschulung.

8 Diabetes mellitus

Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser sollen bei der Versorgung von Diabetikern effizienter zusammenarbeiten. Ziel ist es, die viel zu häufig infolge des Diabetes auftretenden Komplikationen wie Erblindung, Amputationen und Dialysebehandlungen zu vermeiden.

9 Diabetischer Fuß

Der „diabetische Fuß“, eine Folgeerkrankung bei Diabetes, führt in Deutschland jedes Jahr zu etwa 28 000 Amputationen. Eine bessere Koordination soll eine optimale Behandlung gewährleisten. Von der Aufnahme bis hin zur Anschluss-Reha und Nachsorge liegt die therapeutische Gesamtverantwortung in einer Hand.

10 Diabetes bei Schwangeren

Durch einen Blutzuckertest für Schwangere sollen Risiken durch einen Gestationsdiabetes für Mutter und Kind vermieden werden.

11 Herzinfarkt-Prävention

Es sollen wirksame Maßnahmen entwickelt und erprobt werden, die geeignet sind, Herzinfarkt begünstigende Risikofaktoren positiv zu beeinflussen. Das sind vor allem hohe Blutfettwerte, Rauchen und Stress. Alle Familienmitglieder sind einbezogen.

12 Katarakt-Operationen

Augenärzte haben die Möglichkeit, ambulante Katarakt-Operationen (grauer Star) direkt über die Versichertenkarte abzurechnen. Das ist normalerweise nicht möglich. Bestimmte Operationen werden finanziell gefördert.

13 Qualitätsgesicherte Mamma-Diagnostik

Ziel ist eine verbesserte Brustkrebsdiagnose durch eine unabhängige Zweitmeinung. Besondere nachprüfbare Qualitätskriterien sollen gewährleisten, dass bösartige Tumore nicht übersehen werden. Eventuell werden zusätzlich Ultraschall-untersuchungen des Brustgewebes oder andere bildgebende Untersuchungen durchgeführt.

14 Naturheilverfahren

Mit Naturheilverfahren können manche akut und chronisch Erkrankten wirtschaftlicher und effizienter behandelt werden. Daneben werden Naturheilverfahren wie anthroposophische Medizin zur Schmerzbehandlung angewendet.

15 Neugeborenen-Screening

Innere Krankheiten und Stoffwechselkrankheiten bei Babys sollen durch Reihenuntersuchungen frühzeitig erkannt werden. Durch die Früherkennung soll ein besserer Behandlungserfolg erzielt werden.

16 Neurodermitis

Im Rahmen dieses Projekts erhalten Patienten zusätzlich zur hautärztlichen Behandlung eine psychologische Betreuung und Diätberatung nach Anleitung des behandelnden Arztes.

17 Operative Onkologie

Bei bestimmten Tumorerkrankungen sollen Zweit- und Drittoperationen vermieden sowie die Lebensqualität und Lebenserwartung der Krebspatienten gesteigert werden. Die Behandlungs- und Rehabilitationszeit soll möglichst verkürzt werden. Die Patienten erhalten vor und nach Operationen oder Chemotherapien psychosoziale Betreuung.

18 Prävention von Risikofaktoren

Versicherte können sich zu Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Rückenbeschwerden und Stoffwechselproblemen beraten lassen. Ziel ist es, ihren Gesundheitszustand langfristig zu stabilisieren oder zu verbessern.

19 Praxisnetze

Patienten werden während der gesamten Dauer der Behandlung begleitet, für bestimmte Erkrankungen soll die Versorgung verbessert werden. Dazu arbeiten Ärzte und Krankenhäuser enger zusammen. Von Einsparungen, zum Beispiel durch geringere Arzneimittelausgaben und weniger unnötige Doppeluntersuchungen profitieren nicht nur Kassen und Ärzte. Daran können auch Versicherte beteiligt werden.

20 Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall geht es darum, schwere Folgeschäden zu vermeiden und den Patienten durch eine gute Nachsorge zu helfen, möglichst viele Fähigkeiten wiederzuerlangen. Die bislang oft unzulängliche Versorgung dieser Patienten soll verbessert werden.

21 Schmerzklinik Kiel

Vor allem Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen, insbesondere Kopfschmerzen und Migräne, Nervenschmerzen bei Bandscheibenerkrankungen und mit Schmerzen bei Nervenverletzungen sowie Muskelerkrankungen werden in der Schmerzklinik Kiel behandelt.

22 Schmerztherapievereinbarung

Ziel ist es, chronisch schmerzkranken Patienten, die bisher lange erfolglos behandelt worden sind (ambulant und stationär), zu helfen. Sie werden frühzeitig an schmerztherapeutisch qualifizierte Ärzte verwiesen, um Krankenhausaufenthalte weitestgehend zu vermeiden.

23 Telemedizin in der Pneumologie

Bei Patienten mit chronischen Gefäß verstopfenden Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis werden wichtige Gesundheitsdaten regelmäßig, zum Beispiel per Telefon, gecheckt, um bei einer Verschlimmerung rascher reagieren zu können.

23a Telemedizin bei Herzkranken

Herzkranke erhalten ein mobiles EKG-Gerät, mit dem das EKG zu Hause nach Bedarf aufgezeichnet wird. Die Daten werden direkt an den behandelnden Arzt weitergeleitet, der – falls die Werte einen gefährlichen Bereich erreichen – sofort eingreifen kann.

24 Umweltmedizin

Immer häufiger leiden Menschen an Allergien und anderen durch Umwelteinflüsse verursachten Krankheiten. Daher sollen die Umweltmedizin wissenschaftlich abgesichert und Qualitätsstandards für Diagnostik, Prävention und Therapie und Messungen umweltbedingter Erkrankungen entwickelt werden.

25 Behandlung von Kindern im Zentrum für Verhaltensmedizin

Behandelt werden Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten wie Kopfschmerzen/Migräne, Asthma bronchiale, Epilepsie, Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität, Essstörungen, chronischen Angstzuständen, Diabetes mellitus, Neurodermitis. Die Besonderheit liegt in der umfassenden und integrativen Betreuung, Beratung und Behandlung der jungen Patienten und ihrer Eltern.

26 Vorbereitung auf den Ruhestand

Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, können bei instabiler Gesundheit an einem dreiwöchigen stationären Programm teilnehmen. Sie lernen dort, wie sie ihre Gesundheit selbst fördern und Krankheitsbeschwerden mildern können. Ihnen soll so dauerhaft zu mehr Lebensqualität verholfen werden.

27 Cochlear-Implantat für Kinder

Hörgeschädigte Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre, die ein Cochlear(Hörschnecke)-Implantat erhalten haben, sollen in diesem Projekt in der Nähe ihres Wohnorts weiterbetreut werden. Sie bekommen eine Nachbehandlung durch Sozialpädagogen, Logopäden, Audiologen, Techniker und Psychologen, damit die Hörhilfe optimal an die Bedürfnisse der Kinder angepasst wird.

28 Hüft- und Kniegelenk-OP mit Garantie

Mit verschiedenen Kliniken gibt es Verträge für die Versorgung mit Gelenkersatzstücken in Hüfte und Knie (Endoprothetik). Die Pauschale, die die Kasse bezahlt, gilt auch für die an die Operation anschließende Rehabilitation über den Zeitraum von zwei Jahren. Die Kliniken garantieren den Erfolg der Operation für fünf Jahre.

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