Kassenpatient klingt nach Mehrbettzimmer und Medizin zweiter Klasse. Doch gesetzliche Krankenkassen sind besser als ihr Ruf und in vielen Fällen billiger und besser als private Versicherungen. Auch innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung gibts allerdings Unterschiede: Beim Preis summiert sich die Differenz zwischen billig und teuer auf bis zu 786,60 Euro im Jahr. Bei den Leistungen sind die Unterschiede nicht so groß: 95 Prozent sind gesetzlich festgelegt und bei allen Kassen gleich. Doch im Einzelfall können die restlichen fünf Prozent den entscheidenden Unterschied machen. Finanztest hat 165 Krankenkassen getestet und sagt, wo es den billigsten Schutz und die meisten Extras gibt.

Leistungen nach Maß

Grundsätzlich gilt: Die Krankenkasse zahlt, was medizinisch notwendig und wirtschaftlich vertretbar ist. Bei Arzt und Krankenhaus ist noch lange nicht Schluss. Auf Krankenschein gibts auch Psychotherapie und Krankengymnastik. Hinzu kommen je nach Kasse unterschiedliche Extras. Die wichtigsten Beispiele: Häusliche Krankenpflege und Haushaltshilfe. Mancherorts gibts diese Leistungen gar nicht, während andere Anbieter dafür im Notfall sogar ohne Befristung zahlen.

Extras ohne Aufpreis

Vollends unübersichtlich wirds für Versicherte bei Modellprojekten und Vertragsleistungen: Da sind bei zahlreichen Kassen noch Leistungen von der Akupunkturbehandlung über die Herzinfarkt-Prävention bis zur speziellen Schmerztherapie drin. Wer Bedarf hat, ist bei einer Kasse mit dem passenden Extra genau richtig. Alle Daten für die Suche nach der Kasse mit den besten Leistungen für Sie sind in Finanztest 3/2003 oder online komplett und interaktiv zu haben.

Einfach wechseln

Für Versicherte, die besondere Leistungen in Anspruch nehmen wollen, kann ein Wechsel der Krankenkasse unabhängig vom Beitragssatz lohnen. Das beste: Der Wechsel ist jederzeit möglich und ganz einfach. Selbst in eine bereits laufende Behandlung steigt die neue Kasse unter Umständen noch ein. Einzige Einschränkung: Wer die Kasse gewechselt hat, muss ihr 18 Monate treu bleiben. Bei Beitragserhöhungen allerdings ist die Bahn dann doch wieder frei für den nächsten Wechsel.

Bis zu 787 Euro Ersparnis

Hauptargument für Wechselkandidaten ist der Beitragssatz. Die Taunus BKK und die BKK Essanelle als bundesweit günstigste Kassen verlangen jeweils 11,9 Prozent vom Bruttolohn ihrer Mitglieder. Die BKK Berlin dagegen kassiert stolze 15,7 Prozent. Die Differenz summiert sich bei einem Angestellten mit einem Bruttoverdienst von 3.450 Euro monatlich auf 1.573,20 Euro pro Jahr. Da Arbeitnehmer und -geber jeweils die Hälfte des Beitrags zahlen, sind für jeden der Beteiligten 786,60 Euro Ersparnis drin.

Auf eigene Gefahr

Für manchen ist die private Krankenversicherung die bessere Alternative. Die Wahl haben Beamte, Selbstständige, Unternehmer und Arbeitnehmer, die brutto mehr als 3.825 Euro im Monat verdienen. Die Privatpolicen funktionieren ganz anders als der Kassenschutz: Der Beitrag hängt nicht vom Einkommen, sondern von Alter, Gesundheitszustand und den gewählten Leistungen ab. Möglich sind Extras wie Chefarztbehandlung und Einzelbettzimmer. Günstiger ist der private Schutz allerdings nur für jüngere Menschen, die gut verdienen. Doch Vorsicht: Wer zur Privatpolice wechselt, hat in der Regel keine Chance zur Rückkehr. Bei der Entscheidung, welche Art der Versicherung die Richtige ist, hilft das Infodokument Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat?.

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