Gesetzliche Krankenkassen Steigen die Beiträge 2023?

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Gesetzliche Krankenkassen - Steigen die Beiträge 2023?
Krankenkassen. Wie teuer der Beitrag einer Kasse ist, hängt von ihrem individuellen Zusatz­beitrag ab. © Adobe Stock / Setareh

Steigen die Zusatz­beiträge der Kassen wirk­lich im kommenden Jahr, wie es derzeit über­all heißt? Wir sagen, was auf Versicherte zukommen kann und was sie tun können.

Aktuelle Situation

Beitrags­steigerungen von mehr als 80 Euro im Jahr durch die Anhebung der Zusatz­beiträge um 0,3 Prozent­punkte – das können Versicherte derzeit in vielen Medien lesen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Wir erklären, was auf Versicherte zukommen kann.

Allgemeiner Beitrag und Zusatz­beitrag

Das gilt: Alle Krankenkassen verlangen einen allgemeinen Beitrags­satz von derzeit 14,6 Prozent. Dieser Wert soll weiter stabil bleiben. Dazu kommt ein Zusatz­beitrag, den jede Krankenkasse selbst fest­legt – je nach ihrer finanziellen Situation. Steht eine Krankenkasse gut da, muss sie ihren Zusatz­beitrag gering halten. Steigen die Ausgaben einer Krankenkasse stärker als ihre Einnahmen, ist sie verpflichtet, ihren individuellen Zusatz­beitrag anzu­heben. Für ihre Versicherten wird es dann teurer.

Wichtig für Versicherte: Die meisten Krankenkassen entscheiden traditionell zum Jahres­wechsel, ob sie ihren individuellen Zusatz­beitrag erhöhen oder senken müssen. Aktuelle Beitrags­sätze finden Sie in unserem monatlich aktualisierten Krankenkassenvergleich von derzeit 71 Krankenkassen. Die güns­tigste bundes­weit geöff­nete Kasse verlangt derzeit einen Zusatz­beitrag von 0,69 Prozent (Beitrags­satz insgesamt 15,29), bei den teuersten bundes­weit offenen Kassen beträgt der Zusatz­beitrag 1,6 Prozent (16,20 Beitrags­satz insgesamt).

Hinweis: Erhöht eine Krankenkasse ihren Zusatz­beitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungs­recht. Sie können dann zu einer güns­tigeren Kasse wechseln. Alles Wichtige zum Kassen­wechsel erfahren Sie in unserem Special Gesetzliche Krankenversicherung.

Durch­schnitt­licher Zusatz­beitrag

Der Zusatz­beitrag, von dem derzeit vieler­orts die Rede ist, ist der sogenannte durch­schnitt­liche Zusatz­beitrags­satz. Er beträgt in diesem Jahr 1,3 Prozent und ist zunächst vor allem eine Rechengröße. Im Gespräch ist eine Erhöhung um 0,3 Prozent­punkte auf dann 1,6 Prozent im kommenden Jahr.

Wichtig für Versicherte: Ob diese Erhöhung so umge­setzt wird, ist heute noch Spekulation denn:

Der durch­schnitt­liche Zusatz­beitrags­satz wird jedes Jahr neu fest­gelegt. Dazu schätzt ein Expertengremium jedes Jahr bis zum 15. Oktober die Höhe der voraus­sicht­lichen Ausgaben der Krankenkassen und die Einnahmen des Gesund­heits­fonds für das folgende Kalender­jahr. Auf dieser Grund­lage legt das Bundes­ministerium für Gesundheit den durch­schnitt­lichen Zusatz­beitrags­satz fest. Er wird jeweils bis zum 1. November bekannt gegeben und gilt für das komplette folgende Kalender­jahr. Relevant als Zusatz­beitrag ist er nur für bestimmte Personen­gruppen – etwa versicherungs­pflichtige Empfänger von Arbeits­losengeld II und Auszubildende, die monatlich nicht mehr als 325 Euro verdienen.

Hinweis: Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, bei einer Erhöhung des durch­schnitt­lichen Zusatz­beitrags­satzes ihren individuellen Zusatz­beitrag anzu­passen. Das müssen sie nur, wenn sich an ihrer finanziellen Situation etwas ändert.

Finanzlage der Kassen

Das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen betrug 2021 nach Angaben des Gesund­heits­ministeriums etwa 6,7 Milliarden Euro. Für das erste Quartal des laufenden Jahres sind die Einnahmen und Ausgaben nahezu ausgeglichen.

Der GKV-Spitzen­verband, das oberste Gremium aller Krankenkassen, geht für dieses Jahr von stabilen Kassen­finanzen aus – allerdings nur, weil es inzwischen zusätzliche Mittel gibt, die den Kassen 2022 zur Verfügung stehen. Das sind etwa ergänzende Bundes­mittel und die Zuführungen aus der Liquiditäts­reserve. Sollten diese zusätzlichen Mittel im kommenden Jahr wegfallen, rechnet der GKV-Spitzen­verband mit einem Defizit von 17 Milliarden Euro. Das Bundes­gesund­heits­ministerium will diesem Defizit mit mehreren Maßnahmen entgegen­wirken.

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