Ausgewählt, geprüft, bewertet

Im Test: Finanztest hat Service, Mehrleistungen und Wahltarife von 113 allgemein geöffneten ­gesetzlichen Krankenkassen untersucht.

In der Tabelle sind diese nach Kassenarten unterteilt und alphabetisch sortiert.

Regionale Zuständigkeit: Wer in einem der ­genannten Länder wohnt oder arbeitet, kann Mitglied der Kasse werden.

Telefonische Beratung:

Alle Kassen bieten an Werktagen eine Beratung zu Beitrags- und Leistungsfragen an. Einige sind darüber hinaus auch am gesamten Wochenende erreichbar.

Nein = Fünf Tage.

Eingeschränkt = Sechs Tage.

Ja = Sieben Tage.

Eine telefonische Beratung zu medizinischen Fragen, beispielsweise zu Krankheiten oder ­Medikamenten, bieten viele Kassen an. Häufig geben die Mitarbeiter auch Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Arzt oder Krankenhaus. Diverse Kassen stellen dies sogar ­täglich rund um die Uhr sicher.

Eingeschränkt = Weniger als 24 Stunden an sieben Tagen.

Ja = 24 Stunden an sieben Tagen.

Extraservice

Vereinbarung von Facharztterminen: Viele Kassen bieten ihren Versicherten einen Extraservice oft mit eigener Hotline oder speziellen Teams an. Die Kunden bekommen dort Hilfestellung bei der Vereinbarung von Arzt- oder Facharztterminen. Häufig geschieht dies aber nur im Rahmen spezieller Versorgungsmodelle. Im Einzelfall kann sich natürlich jeder Versicherte bei Schwierigkeiten an seine Kasse wenden.

Nein = Kein Extraservice.

Eingeschränkt = Kasse bietet den Extraservice im Rahmen spezieller Versorgungsmodelle, etwa dem Hausarztmodell, oder für bestimmte Krankheitsbilder.

Ja = Kasse bietet allen Versicherten einen Extraservice aktiv an.

Erinnerung an Vorsorgetermine für Kinder / für Erwachsene:

Nein = Kein Extraservice.

Eingeschränkt = Kasse erinnert nach vorheriger Anmeldung per E-Mail oder SMS.

Ja = Kasse schickt per Post eine Erinnerung, z. B. zur Krebsvorsorge.

Persönliche Beratung zuhause:

Nein = Kein Angebot.

Eingeschränkt = Kasse bietet Hausbesuche eingeschränkt an.

Ja = Kasse bietet Hausbesuche in ihrem gesamten Tätigkeitsgebiet an.

Online-Geschäftsstelle:

Nein = Kein individueller Mitgliederbereich. Auch ohne sich anzumelden bieten viele Kassen aber Anträge und Formulare zum Herunterladen an.

Ja = Passwortgeschützter Zugang zum Mitgliederbereich. Vielfach bieten Kassen in diesem ­Bereich weiteren Service, wie etwa Ernährungsschulungen oder Erinnerungsdienste. Bei einigen Kassen können die Versicherten auch sehen, welche Behandlungen auf ihre Krankenversichertenkarte abgerechnet wurden oder Angaben zum eigenen Versicherungsverlauf erhalten.

Mehrleistungen bei ...

Hospizzuschuss: Sterbenden, die in einem Hospiz betreut werden, steht dafür per Gesetz ein Zuschuss von 151,20 Euro pro Tag zu. Viele Kassen zahlen für Kinderhospize einen Zuschuss von 166,30 pro Tag.

Nein = 151,20 bis 166,30 Euro pro Tag

Eingeschränkt = 176,40 bis 201,60 Euro pro Tag

Ja = 226,80 bis 302,40 Euro pro Tag

Hauskrankenpflege: Versicherte aller Kassen erhalten häusliche Krankenpflege, wenn dadurch eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird. Bestandteil der Pflege kann die ­Behandlungspflege (z. B. Wundversorgung), die Grundpflege (z. B. Hilfe beim Essen) sowie eine hauswirtschaftliche Versorgung sein.
Behandlungspflege bezahlen alle Kassen auch, wenn der Arzt dies verordnet, ohne dass eine Krankenhausbehandlung geboten wäre. Als Mehrleistung übernehmen einige Kassen in diesem Fall zusätzlich die Kosten für Grund­pflege und hauswirtschaftliche Versorgung.

Nein = Keine Mehrleistung.

Ja = Die Kasse zahlt Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung auch ohne Zusammenhang mit einer Krankenhausbehandlung.

Haushaltshilfe: Alle Kassen müssen Familien mit mindestens einem Kind unter zwölf Jahren Kosten für eine Haushaltshilfe erstatten, wenn die haushaltsführende Person im Krankenhaus oder zur Kur ist oder häusliche Krankenpflege benötigt. Notwendig ist eine ärztliche Verordnung.

Nein = Kasse bietet keine Mehrleistung, wenn jemand krank zuhause ist. In Einzelfällen werden aber Leistungen nach ambulanten Operationen oder bei einer Risikoschwangerschaft übernommen. Nachfragen lohnt sich also.

Eingeschränkt = Kasse zahlt die Haushaltshilfe auch dann, wenn jemand nicht im Krankenhaus, sondern krank zuhause ist, keine häusliche Krankenpflege bekommt und ein Kind zu versorgen ist. Je nach Kasse werden Kinder bis zum 8. oder maximal bis zum 16. Geburtstag anerkannt.

Ja = Kasse zahlt auch ohne Kind immer, wenn jemand akut schwer erkrankt ist und laut ärztlichem Attest den Haushalt nicht führen kann.

Schutzimpfungen: Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für Impfungen, die in der Schutzimpfungsrichtlinie verbindlich geregelt sind.

Nein = Keine Mehrleistung.

Eingeschränkt = Kasse zahlt Impfungen, die über die Vorschriften der Schutzimpfungsrichtlinie hinausgehen, zum Beispiel Grippeschutzimpfung für ­alle, unabhängig von Alter und Gesundheitszu­stand, Gebärmutterhalskrebs-Impfung für Frauen über 17 Jahre oder Impfung gegen Rotaviren.

Ja = Die Kasse zahlt zusätzlich Schutzimpfungen für private Auslandsreisen.

Gesundheitskurse: Die Krankenkassen bieten ihren Versicherten Zuschüsse zu Kursen in den Bereichen Bewegung, Entspannung, Ernährung und Sucht (z. B. Nichtraucherkurse) an. In der Regel wird pro Jahr ein Kurs je Bereich gefördert. Meist bezuschussen Kassen nicht zwei Mal den gleichen Kurs in einem Jahr. Bieten Kassen selbst Kurse an, können Versicherte diese häufig kostenlos in Anspruch nehmen.

Gesundheitsbonus: Wenn Versicherte regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen oder einen gesundheitsbewussten Lebensstil pflegen, wird dies häufig mit einem Geldbonus belohnt. Wir haben dargestellt, welchen Bonus ein erwachsener Versicherter im ersten Jahr erhält, der mindestens drei Maßnahmen wie zum Beispiel eine Vorsorgeuntersuchung, einen Gesundheitskurs oder eine Impfung nachweisen kann. Sachprämien haben wir nicht berücksichtigt.

Besondere Versorgungsformen

Hausarztprogramm: Binden sich Versicherte für mindestens ein Jahr an einen Hausarzt und verzichten darauf, Fachärzte ohne Überweisung aufzusuchen, zahlen sie häufig weniger Praxisgebühr oder bekommen eine Prämie. Vielfach bieten teilnehmende Ärzte auch Abendsprechstunden und verkürzte Wartezeiten an. Ab Juli 2009 schreibt das Gesetz den Kassen vor, allen Versicherten Hausarztprogramme anzubieten. In der Tabelle ist der maximale finanzielle Vorteil dargestellt, den Versicherte durch eine Reduzierung von Praxisgebühr und Zuzahlungen oder durch eine Prämie erzielen können.

Integrierte Versorgung: Kassen bieten für bestimmte Patienten eine vernetzte Versorgung an, bei der zum Beispiel Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser oder Reha-Einrichtungen kooperieren. Häufig wird eine integrierte Versorgung bei Hüft- und Knieoperationen, bei Krebs, in der Psychiatrie, der Palliativmedizin oder in medizinischen Versorgungszentren angeboten. Die Verträge sind zeitlich und regional begrenzt und nur mit ausgewählten Ärzten und Kliniken vereinbart.

Für die Teilnahme an einigen Programmen bieten Kassen finanzielle Anreize. Dargestellt ist auch hier der maximale finanzielle Vorteil, den Versicherte durch eine Teilnahme erreichen können.

Disease-Management-Programme: Chronisch Kranke können bei allen Kassen ein Versorgungsmodell wählen, das durch eine abgestimmte und kontinuierliche Betreuung die Behandlung verbessern soll. Es gibt diese Programme für Diabetes (Typ I und II), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und andere chronische Atemwegserkrankungen sowie Brustkrebs. Die Kassen bieten auch hier Prämien oder prozentuale Ermäßigungen von Zuzahlungen und Praxisgebühr an.

Mehrleistung für ambulante homöopathische Behandlung: Versicherte können zum Beispiel die ausführlichen Anamnesegespräche bei bestimmten homöopathischen Vertragsärzten auch mit ihrer Krankenversichertenkarte in Anspruch nehmen, oder sie bekommen die Kosten später erstattet. Voraussetzung ist teilweise, dass sie sich in ein Behandlungsmodell einschreiben.

Nein = Keine Mehrleistung.

Eingeschränkt = Angebot nicht in allen Regionen, oder die Kosten werden nur anteilig übernommen.

Ja = Angebot im gesamten Tätigkeitsgebiet der Kasse.

Wahltarife mit dreijähriger Bindung

Bei den Wahltarifen mit Selbstbehalt oder Beitragsrückzahlung erhält der Versicherte eine ­Prämie, wenn er keine oder möglichst wenige medizinische Leistungen benötigt. Die jährliche Prämie für einen Tarif darf laut Gesetz nicht höher sein als 20 Prozent dessen, was der Versicherte im Jahr selbst an Beiträgen zahlt. Versicherte sind für drei Jahre an den Wahltarif und an die Kasse gebunden.

Unser Modellkunde ist ein 35-jähriger Arbeitnehmer ohne mitversicherte Angehörige mit einem Jahresbruttoeinkommen von 36 000 Euro.

Selbstbehalttarif: Der Selbstbehalt und die Prämie sind bei den meisten Kassen nach Einkommen gestaffelt, viele erlauben jedoch die Wahl ­eines niedrigeren Selbstbehalts. Arztbesuche zur Vorsorge und Früherkennung sind ohne Prämienverlust erlaubt. Auch bei anderen Arztbesuchen verringert sich die Prämie in vielen Tarifen nicht, wenn der Arzt kein Rezept ausstellt.
In der Tabelle haben wir für den Modellkunden den Selbstbehalt und die maximal zu erzielende Prämie im ersten Jahr der Teilnahme aufgeführt.

Bei einkommensunabhängig wählbarem Selbstbehalt haben wir den maximal möglichen Betrag dargestellt.
Die dargestellte Maximalprämie enthält bei einigen Kassen einen Sonderbonus, den der Versi­cher­te nur erhält, wenn er im ganzen Jahr keine ärztlichen Leistungen mit Verordnung wahrnimmt. Bei anderen Kassen können Versicherte einen Sonderbonus erhalten, wenn sie bestimmte Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen.

Tarif mit Beitragsrückzahlung: Hier verpflichten Versicherte sich, außer Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen gar keine medizinische Leistung in Anspruch zu nehmen. Wenn sie das über ein ganzes Jahr durchhalten, erhalten sie pro Jahr bis zu einem Monatsbeitrag (1/12 des Jahresbeitrags) zurück.
In der Tabelle haben wir ausgewiesen, ob eine Kasse die Rückzahlung auf den gesamten Beitrag, auf den nur vom Arbeitnehmer gezahlten Beitrag oder auf einen Anteil davon beschränkt. Bei Selbstständigen wird immer mit dem Gesamtbeitrag gerechnet.

Finanztest hat für den Modellkunden die Rückzahlung im ersten Jahr errechnet (Januar bis ­Juni 2009: Beitragssatz 15,5 Prozent, Juli bis ­Dezember 2009: Beitragssatz 14,9 Prozent).

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