Werbung der Krankenkassen: Große Klappe, nichts dahinter

„Wettbewerbsstärkungsgesetz“ nannte sich die letzte Gesundheitsreform. Der Wettbewerb findet vor allem in Form von Reklameschlachten statt, die sich die Kassen liefern. Beim Selbstlob tragen einige richtig dick auf. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich so manche Werbebotschaft als leeres ­Versprechen.

„Barmer ist Deutschlands beste Krankenkasse!“ verkündet beispielsweise die Barmer Ersatzkasse. Doch vielfach lobt sie sich nur dafür, dass sie die gesetzlichen Standardleistungen erbringt. Unter „Zusatzleistungen bei Krankheit zuhause“ führt sie im Internet neben ihrer erweiterten Haushaltshilferegelung auch die häusliche Krankenpflege auf. Dabei bietet sie hier nur das vorgeschriebene Maß. Auch die gesetzliche Pflegeversicherung taucht originellerweise unter „Zusatzleistungen“ auf.

Auch mit Homöopathie und anderen ­alternativen Heilverfahren werben Kassen gern. So nennt die BKK Mobil Oil die Akupunkturbehandlung für chronische Schmerzen im Lendenwirbelbereich als alternativmedizinische Zusatzleistung. Das ist eine Regelleistung, die Versicherten aller Kassen zusteht.

Daneben gibt es finanzielle Verspre­chungen der Krankenkassen, die ähnlich misstrauisch machen sollten wie ein Billigflug für 19,90 Euro. So plakatierte beispielsweise die BKK VBU großflächig in Berlin „Erstklassiger Service und exzellente Leistungen sind nur zwei Gründe, jetzt zu uns zu wechseln. 250* weitere zahlen wir Ihnen direkt aus.“ Das Sternchen bedeutet: Die 250 Euro erhält nur eine mehrköpfige Familie, die nachweist, dass sie ein Jahr lang mit hohem Aufwand „gesundheitsbewusstes Verhalten“ betrieben hat.

Andere Kassen weisen werbewirksam auf Zusatzleistungen hin – und streichen sie kurz darauf. So geschehen im vergangenen Jahr: Einige Kassen bezahlten Schutzimpfungen für private Auslandsreisen. Noch während der ­Reisesaison 2008 verschwand jedoch dieses Impfangebot beispielsweise bei der DAK aus der Satzung.

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