Gesetzliche Krankenkassen Meldung

Die ersten gesetzlichen Krankenkassen planen in den kommenden Monaten von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag zu erheben, darunter die DAK, die Deutsche BKK, BKK Gesundheit und die KKH Allianz. Weitere Kassen könnten folgen. Versicherte müssen sich damit aber nicht abfinden: Erhebt ihre Kasse einen Zusatzbeitrag, haben sie ein Sonderkündigungsrecht. test.de informiert.

[Update 29.01.2010] Nun plant auch die BKK für Heilberufe einen Zusatzbeitrag. Die Krankenkasse will nach Unternehmensangaben rückwirkend zum 1. Januar 2010 einen Zusatzbeitrag in Höhe von einem Prozent des Bruttoeinkommens ihrer Versicherten erheben. Das ist der maximal mögliche Betrag, den eine Kasse verlangen darf.
Tipp: Weitere Informationen zu prozentualen Zusatzbeiträgen und was Versicherte dabei beachten sollten, finden Sie in der Meldung Kassen ohne Zusatzbeitrag.

Angespannte Finanzlage

Millionen Versicherte müssen sich auf Zusatzbeiträge einstellen. Das gaben Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen wie DAK, AOK Schleswig-Holstein, Deutsche BKK, KKH Allianz, BKK Gesundheit und BKK Westfalen Lippe heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt. Denn viele Kassen befinden sich in einer angespannten Finanzlage. Laut Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung fehlen den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr etwa vier Milliarden Euro. Die Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln (GBK) war die erste gesetzliche Kasse, die von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag in Höhe von 8 Euro pro Monat verlangte (siehe Meldung GBK: Erster Zusatzbeitrag).

Pauschal acht Euro mehr

Keine der anwesenden Kassenvertreter legte sich konkret auf einen genauen Termin fest. Die Verwaltungsräte der Kassen müssen noch über Höhe und Zeitpunkt abstimmen. test.de sagt, womit Versicherte folgender Kassen trotzdem rechnen können:

DAK. Mitglieder der DAK könnten schon ab Februar einen Zusatzbeitrag von 8 Euro monatlich zahlen. Herbert Rebscher, Vorsitzender der DAK-Unternehmen Leben will eine entsprechende Empfehlung auf der Verwaltungsratssitzung aussprechen.

Deutsche BKK. Am Wochenende findet die Verwaltungsratssitzung der Deutschen BKK statt. Vorstand Achim Kolanoski rechnet ebenfalls mit monatlich 8 Euro Zusatzbeitrag, ließ den Zeitpunkt aber offen.

KKH Allianz. Der Verwaltungsrat kommt Ende Februar zusammen. Vorstandsmitglied Rudolf Hauke rechnet mit einem Zusatzbeitrag in Höhe von 8 Euro pro Monat im 1. Halbjahr 2010.

BKK Gesundheit. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Bodemer rechnet damit, dass der Verwaltungsrat einen Zusatzbeitrag in Höhe von 8 Euro monatlich beschließt. Er könnte erstmals zum 1. Februar oder 1. März dieses Jahres erhoben werden.

ktpBKK. Die Betriebskrankenkasse plant eine Fusion mit der Novitas BKK. Die neue Kasse könnte nach Angaben von Reiner Geisler, Vorstandsvorsitzenden der ktpBKK zum 1. April einen Zusatzbeitrag von ebenfalls 8 Euro im Monat erheben.

BKK Westfalen-Lippe. Nach Angaben von Willi Tomberge plant die Kasse zum 1. Februar ebenfalls einen Zusatzbeitrag. Er soll sogar über monatlich 8 Euro liegen. Wichtig: Dann muss für jedes Mitglied eine Einkommensprüfung auf Antrag erfolgen.

Gesundheitsfonds seit 2009

Durch den Gesundheitsfonds, der seit Anfang 2009 gilt, zahlen gesetzlich Krankenversicherte zunächst bei jeder Kasse denselben Beitrag. Er beträgt derzeit 14,9 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Entgelts. Arbeitnehmer zahlen davon einen Anteil von 7,9 Prozent, Arbeitgeber 7 Prozent. Die Einnahmen fließen in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten daraus einen festen Betrag für jeden ihrer Versicherten und zum Teil krankheitsabhängige Zuschläge. Kassen, denen die Zuweisung nicht reicht, um ihre Versicherten zu versorgen, müssen einen Zusatzbeitrag erheben. Diesen zahlen Versicherte allein, Arbeitgeber beteiligen sich daran nicht. Der Zusatzbeitrag darf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht überschreiten. Ein Zusatzbeitrag bis 8 Euro im Monat ist jedoch einkommensunabhängig. Das ist vor allem für Versicherte mit geringem Einkommen nachteilig: Wer weniger als 800 Euro im Monat verdient, muss dann mehr als 1 Prozent bezahlen.

Sonderkündigungsrecht

Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihre Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt. Sie können bis zu dem Zeitpunkt kündigen, zu dem der Zusatzbeitrag erstmals fällig wird. Wichtig: Die Kasse muss ihre Versicherten spätestens einen Monat zuvor auf Ihr Kündigungsrecht hinweisen, andernfalls verlängert sich die Kündigungsfrist entsprechend. Das Sonderkündigungsrecht gilt auch, wenn die Krankenkassen zuvor gezahlte Prämien streichen oder kürzen. Der Zusatzbeitrag wird nicht über den Lohn verrechnet. Versicherte müssen ihn direkt an die Kasse zahlen - per Überweisung, Einzugsermächtigung oder Rechnung. Die Abrechnung muss nicht monatlich erfolgen. Der Zusatzbeitrag kann je nach Kasse auch quartalsweise oder einmal jährlich beglichen werden.
Hinweis: Wenn Sie sich für einen Wahltarif entschieden haben, sind Sie im Allgemeinen drei Jahre an Ihre Krankenkasse gebunden. Das Sonderkündigungsrecht entfällt dann.

Auswahl einer geeigneten Kasse

Versicherte müssen sich mit dem Zusatzbeitrag aber nicht abfinden. Wenn sie keinen Zusatzbeitrag zahlen wollen oder mit den Leistungen der bisherigen Kasse unzufrieden sind, können sie kündigen und sich eine neue Krankenkasse suchen. Dabei hilft der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen von test.de. Er informiert detailliert zu Leistungen und Serviceangeboten von derzeit 95 gesetzlichen Krankenkassen. Versicherte finden aber auch Informationen darüber, ob die aufgeführten Kassen Zusatzbeiträge erheben oder sogar Prämien an ihre Mitglieder ausschütten. Besonders praktisch: der Kassenvergleich. So erkennen Versicherte auf einen Blick, ob die ausgewählten Kassen bestimmte Zusatzleistungen anbieten, die ihnen wichtig sind. Denn bei einem Wechsel sollten Versicherte nicht nur darauf achten, dass die Kasse ohne Zusatzbeitrag auskommt. Ebenso wichtig ist es, dass die neue Kasse Zusatzleistungen und Service bietet, den Versicherte wünschen. Wer etwa Wert auf homöopathische Behandlungen beim Arzt legt, Bonusprogramme, spezielle Programme für Chroniker oder die hausarztzentrierte Versorgung nutzt, muss sich informieren, ob die neue Kasse dies auch bietet. Infos dazu finden Versicherte im Produktfinder.
... zum Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen

Kassen ohne Zusatzbeitrag

Noch haben Versicherte die Auswahl: Nicht alle Kassen planen in diesem Jahr einen Zusatzbeitrag. Mittlerweile gibt es sogar erste Kassen, die dies ausschließen. Derzeit haben das etwa 40 Kassen gegenüber test.de bestätigt. Dazu gehören zum Beispiel die AOKs Berlin-Brandenburg, Bremen/Bremerhaven, Niedersachsen, Saarland und Westfalen-Lippe, Betriebskrankenkassen wie die Audi BKK, Bahn BKK, BKK SBK und die Siemens BKK und Innungskrankenkassen wie BIG, IKK Brandenburg und Berlin, IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest.

Hinweis: Versicherte erfahren im Produktfinder, welche Kasse einen Zusatzbeitrag plant und wie hoch der Zusatzbeitrag ausfällt. Der Produktfinder zeigt aber auch, welche Kassen auf die Erhebung verzichten wollen. Besonders praktisch: Versicherte können direkt nach dem Zusatzbeitrag suchen und sich nur die Kassen in ihrem Bundesland anzeigen lassen, die auf die Erhebung verzichten.

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