Gesetzliche Krankenkassen Meldung

Gute Nach­richten für gesetzlich Versicherte: Der Schätzer­kreis der gesetzlichen Krankenkassen prognostiziert konstante Beiträge für das Jahr 2017. Doch die Kassen müssen sich nicht daran halten – sie könnten die Beiträge im Einzel­fall trotzdem erhöhen. Dann lohnt es sich für Versicherte, über einen Wechsel nach­zudenken. Auch Extra­leistungen der Kassen können dafür ein guter Grund sein.

Finanz­spritze aus dem Gesund­heits­fonds

Gesetzlich Versicherte können zunächst aufatmen. Der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherungen hat soeben seine alljähr­lich Prognose abge­geben: Obwohl die Ausgaben steigen, bleibt der durch­schnitt­liche Zusatz­beitrag 2017 mit 1,1 Prozent stabil. Diesen müssen die Versicherten allein bezahlen. Weiterhin gilt für alle Kassen der gesetzlich vorgeschriebene allgemeine Beitrags­satz von 14,6 Prozent des Brutto­einkommens. Hier beteiligt sich der Arbeitnehmer zur Hälfte, bei Rentnern die Renten­versicherung. Im August hatte die Bundes­regierung beschlossen, die Reserven des Gesund­heits­fonds anzu­zapfen. Damals hieß es, die Extrazahlung von 1,5 Milliarden Euro solle die Mehr­ausgaben durch die Versorgung von Flücht­lingen ausgleichen und „einmalige Investitionen“ in den Ausbau der Telemedizin finanzieren.

Tipp: Unser Produktfinder Krankenkassen zeigt die Beitrags­sätze für 77 Kassen – und damit für mehr als 97 Prozent der gesetzlich Versicherten.

Versicherte selbst sorgen für Stabilität der Beiträge

In den Gesund­heits­fonds fließen jedes Jahr der Bundes­zuschuss und die Kassenbeiträge der Versicherten. Der Zuschuss vom Bund wird aus Steuer­mitteln pauschal für sogenannte versicherungs­fremde Leistungen gezahlt. Dazu gehören zum Beispiel Leistungen für Schwangerschaft. Zur Zeit liegen die Reserven bei rund 10 Milliarden Euro. Doris Pfeiffer, Vorstands­vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes schreibt dies maßgeblich den Versicherten zu: „Den entscheidenden Stabilitäts­beitrag leisten die Beitrags­zahler selbst, denn die zusätzlichen 1,5 Milliarden Euro, die im nächsten Jahr aus dem Gesund­heits­fonds an die Krankenkassen ausgeschüttet werden sollen, wurden vorher aus Beitrags­geldern einge­zahlt.“ Außerdem spiele die gute Konjunktur mit. Aktuelle Prognosen sagen im kommenden Jahr auch eine Zunahme der Anzahl an sozial­versicherungs­pflichtigen Beschäftigten in Deutsch­land voraus.

Aufschub zum Wahl­jahr

Es gab aber auch Kritik zur Finanz­spritze aus dem Gesund­heits­fonds. So gibt IG-Metall-Vorstands­mitglied Hans-Jürgen Urban zu bedenken, dass die Beiträge nach der Wahl 2017 wieder steigen dürften. Er sieht die stabilen Beiträge nur als Schon­frist an. Die steigenden Ausgaben für Arznei­mittel und andere Leistungen, der medizi­nische Fort­schritt und eine immer älter werdende Bevölkerung dürften auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Beiträge weiter steigen.

Einzelne Kassen könnten Beiträge trotzdem erhöhen

Doch manche Versicherte müssen eventuell schon 2017 tiefer in die Tasche greifen. Denn die Prognose des Schätzer­kreises dient den Kassen nur zur Orientierung. Einzelne Kassen können davon abweichen und den Zusatz­beitrag dennoch erhöhen. Schon heute nehmen die Kassen sehr unterschiedliche Beiträge ein: zwischen 0 und 1,9 Prozent. Wer von einer teuren Kasse zu einer güns­tigen wechselt, kann so bis zu 200 Euro im Jahr sparen.

Extra­leistungen können ein guter Grund für den Wechsel sein

Nicht nur auf die Höhe des Beitrags kommt es an – auch Leistung und Service einer Kasse sind wichtig. Neben den gesetzlich vorgeschrieben Leistungen bieten viele Kassen noch Extras an. Leistungen wie professionelle Zahn­reinigung, Kinder­wunsch­behand­lung, Osteo­pathie oder Reiseimpfungen können je nach individueller Situation viel wert sein, sind aber nicht bei allen Kassen im Angebot.

So klappt der Wechsel

Nimmt eine Kasse erst­mals einen Zusatz­beitrag oder erhöht diesen, dürfen Versicherte umge­hend kündigen. Die Kündigungs­frist beträgt zwei Monate zum Monats­ende. Wer wegen einer Beitrags­erhöhung kündigt, muss in dem Zeitraum zwischen Kündigung und Beginn der Mitgliedschaft in der neuen Kasse aber noch den erhöhten Beitrag zahlen. Auch Versicherte, die mindestens 18 Monate lang Mitglied einer Kasse waren, können problemlos wechseln. Außerdem darf keine Kasse einen Versicherten ablehnen.

So finden Sie die richtige Kasse

Unser Produktfinder Krankenkassen hilft bei der Auswahl der richtigen Kasse. Laufend arbeiten wir Änderungen bei Leistungen und Beiträgen ein. Das gilt natürlich auch für den Service der Kassen, etwa die Anzahl der Geschäfts­stellen, die persönliche Beratung durch Kassen­mit­arbeiter zu Hause und die Vermitt­lung von Terminen beim Facharzt.

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