Bonusprogramme und Spezialtarife

Krankenkassen belohnen gesundheitsbewusstes Verhalten. ­Freiwillig Versicherten bieten sie spezielle Tarife.

Über drei Viertel der 162 Kassen im Test belohnen ihre Versicherten, wenn sie regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, sich impfen lassen, Sport treiben oder Ernährungsberatungen besuchen. Sie bieten seit dem 1. Januar 2004 Bonusprogramme an.

Seitdem machen sie auch spezielle Angebote nur für freiwillig Versicherte. Diese können nun nachträglich eine Beitragsrückzahlung beantragen, wenn sie im Vorjahr keine Leistungen in Anspruch genommen haben oder einen Selbstbehalttarif wählen. Alle gesetzlich Versicherten haben darüber hinaus bei vielen Kassen die Möglichkeit, sich für das Kostenerstattungsverfahren zu entscheiden. Keines der neuen Angebote ist so attraktiv, dass es sinnvoll wäre, danach seine Kasse zu wählen. Einige können Versicherte sogar teuer zu stehen kommen.

Bonusprogramme: Für ihre Bonusprogramme werben die Kassen besonders stark. Wer sich beteiligt, kann bei einigen Krankenkassen Geld bekommen oder Sachprämien vom Wok bis zur Pulsuhr. Andere Kassen befreien die Versicherten teilweise von Zuzahlungen wie der ­Praxisgebühr oder bezuschussen privat ­finanzierte Vorsorgeuntersuchungen.

Die Teilnahme am Bonusprogramm bringt Vorteile, bedeutet jedoch auch Mühe: Selbst für Präsente wie ein Springseil oder eine Moorwärmflasche müssen Versicherte neben Vorsorgeuntersuchungen mehrere Leistungen von Sport bis Impfschutz oder Kurse für gesunde ­Ernährung nachweisen. Auch Menschen, die schon bisher aktiv sind, müssen einiges zusätzlich tun, um genügend Punkte für ein Laufband oder einen vierwöchigen privaten Fitnesskurs zu sammeln.

Dieser Aufwand schreckt offenbar viele ab. Bei den meisten Kassen haben bislang ­weniger als 10 Prozent der Mitglieder Unterlagen für Bonusprogramme angefordert.

Ein spezielles Bonusmodell bieten 15 der 17 Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) an. Die Versicherten erhalten nur dann Bonusleistungen, wenn sie sich für eine Selbstbeteiligung an den Arzneimittel- und Krankenhauskosten entscheiden. Wer gesund bleibt, kann Geld sparen. Doch wenn ­jemand regelmäßig auf Medikamente angewiesen ist, zahlt er unter Umständen sogar drauf. Denn die Eigenbeteiligung kann die Bonusleistungen übersteigen.

Kostenerstattungsverfahren: In diesem Verfahren kann der Kassenversicherte als Privatpatient auftreten: Er erhält vom Arzt eine Privatrechnung, die oft den von der Kasse erstatteten Satz übersteigt. Der Restbetrag und die Verwaltungskosten bleiben am Versicherten hängen. Deshalb ist das Verfahren für gesetzlich Versicherte nicht zu empfehlen. Bisher hat sich bei fast ­allen Kassen weniger als 1 Prozent für das Kostenerstattungsverfahren entschieden.

Beitragsrückzahlung: Die Kassen dürfen ihren freiwillig versicherten Mitgliedern einen Teil ihres Beitrags zurückzahlen, wenn sie und ihre erwachsenen Mitversicherten im Vorjahr abgesehen von Vorsorgeuntersuchungen keine medizinischen Leistungen in Anspruch genommen ­haben. Die Rückzahlung darf höchstens ein Zwölftel des Jahresbeitrags einschließlich Arbeitgeberanteil betragen.

Von den untersuchten Kassen bieten 40 Prozent ihren freiwillig Versicherten Beitragsrückgewähr an. Vorsicht ist geboten, wenn die Rückzahlung an das Kostener-stattungsverfahren gekoppelt ist.

Selbstbehalttarife: Die Hälfte der untersuchten Kassen bietet auch Selbstbehalttarife für freiwillig Versicherte an. Bis zu ­einem bestimmten Betrag im Jahr zahlt der Versicherte die Heilkosten selbst und erhält dafür Beitragsermäßigungen.

Doch selbst Gesunde, die selten zum Arzt gehen, sollten bei den Tarifen vorsichtig sein, da sie abgesehen von wenigen Ausnahmen an das Kostenerstattungsprinzip gekoppelt sind.

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