Minderheitsaktionäre sind nicht völlig schutzlos, wenn der Mehrheitsaktionär auf der Hauptversammlung die Auflösung einer Aktiengesellschaft beschließt. Zwar können sie die Liquidierung nicht verhindern. Sie haben jedoch ein Anrecht auf richterliche Überprüfung, ob sie für den Aktienbesitz auch ausreichend entschädigt werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht am Fall der Moto Meter AG klargestellt (Az. 1 BvR 68/95, 1 BvR 147/97).

Die Firma gehörte zu 99 Prozent der Bosch GmbH und sollte in den Bosch-Konzern überführt werden. Da die Kleinaktionäre ihre Anteile nicht freiwillig verkaufen wollten, wurde von der Hauptversammlung kurzerhand die Auflösung der Moto Meter AG mit anschließender Eingliederung in den Konzern beschlossen.

Die verärgerten Minderheitsaktionäre sollten nur jeweils 500 Mark Entschädigung pro Aktie erhalten. Damit waren die Kleinanleger allerdings überhaupt nicht einverstanden, denn sie schätzten den Wert ihrer Aktien auf 800 Mark. Die Aktionäre klagten gegen die vermeintliche Enteignung. Die angerufenen Gerichte in den unteren Instanzen wollten den Streit um die Höhe des Betrags aber nicht entscheiden.

Nun müssen sie das jedoch nachholen. Die Verfassungsrichter stellten klar, dass den Anlegern die gerichtliche Wertkontrolle nicht verweigert werden dürfe.

Dieser Artikel ist hilfreich. 223 Nutzer finden das hilfreich.