Geschlossene Umweltfonds Test

Mit ein paar Tausend Euro werden Privatleute Mitunternehmer in der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und profitieren von staatlicher Förderung. Doch nicht alle Anbieter planen solide.

Viele Hausbesitzer bauen Fotovoltaikanlagen auf ihre Dächer, um Sonnenlicht in Strom zu verwandeln. Schon nach 11 bis 14 Jahren haben sie ihre Investitionskosten wieder heraus, ihre Rendite vor Steuern liegt bei stolzen 7 bis 9 Prozent.

Nicht jeder hat ein eigenes Dach. Doch jeder, der für etliche Jahre 10 000 Euro fest investieren will, kann Mitunternehmer an einer Anlage zur Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien werden.

Viele große Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Sonne, Biogas oder Erdwärme werden über geschlossene Fonds finanziert. Die Anbieter der Fonds sammeln so lange Anlegergeld ein, bis sie genug Geld für den Bau und Betrieb der Anlage haben. Dann wird der Fonds geschlossen und nimmt keine Anleger mehr auf.

Finanztest hat zwölf aktuelle Fonds unter die Lupe genommen. Besonders attraktiv sind Solar- und Fotovoltaikfonds, wenn ihre Anlagen noch in diesem Jahr fertig werden und Anleger ihre Beteiligung noch 2008 zeichnen.

Für den Sonnenstrom, den die in diesem Jahr fertiggestellten deutschen Anlagen ins öffentliche Netz einspeisen, gibt es eine hohe Vergütung von 46,75 Cent pro Kilowattstunde (siehe „Checkliste“). Der örtliche Netzbetreiber ist zur Abnahme des Stroms verpflichtet. Die Vergütung ist in Deutschland für zwanzig Jahre garantiert.

Das bedeutet sichere Einnahmen für den Fonds und eine hohe Wahrscheinlichkeit für Anleger, dass sie ihr Geld nach und nach zurückbekommen und obendrauf eine solide Verzinsung. Und zwar trotz der in vielen Fällen unverschämt hohen Kosten, die die Initiatoren Anlegern für ihre Beteiligung abnehmen. Mit der Investition legen Anleger ihr Geld meist für zehn und mehr Jahre fest.

Fotovoltaikfonds

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Sonnenstrom ist zurzeit für Anleger von Beteiligungsfonds besonders interessant. Die hohe Einspeisevergütung sorgt für solide Renditechancen.

Die RGE Energy bietet die Beteiligung an einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach eines landwirtschaftlichen Betriebs im baden-württembergischen Riedlingen an. Für die Einzahlungen in den Fonds Kogep Solar 111 fallen eine einmalige Gebühr von 5 Prozent der Beteiligungssumme und jährliche Kosten von 3 Prozent an.

Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung in Riedlingen erwartet RGE Energy eine jährliche Leistung von 1 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter Dachfläche. Der Anbieter stellt eine Rendite von 8 Prozent vor Steuern in Aussicht.

Noch etwas höhere Renditeerwartungen weckt RGE Energy für den Fonds Kogep drei Wandersleben. Beide Anlagen sind bereits an das Stromnetz angeschlossen und können bis zum Ende ihrer Laufzeit 2027 mit sicheren Einnahmen aus den Einspeisevergütungen rechnen. Das Risiko für Anleger ist überschaubar. Die Chancen auf die erwarteten Renditen stehen gut.

Der erfahrene Initiator Hannover Leasing bietet den Fonds Decurio Solarfonds an. Die Firma betreibt bereits Fotovoltaikanlagen an sieben Standorten in Deutschland. Negativ fallen hier die hohen einmaligen Kosten auf. Rund 23 Prozent des Anlegergelds gehen dafür drauf. Das drückt die erwartete Rendite unter 7 Prozent vor Steuern.

Die Erfahrung des Herstellers sowie die Garantie eines finanzstarken Investors mindern das Risiko für Anleger. Der Investor springt ein, wenn nicht genug Geld für den Bau der Anlage zusammenkommt. Bis Ende Juni 2008 will Hannover Leasing das nötige Beteiligungskapital von 15 Millionen Euro zusammenhaben.

Voigt & Collegen finanziert mit dem Fonds Soles 20 Fotovoltaikanlagen in Andalusien und Sizilien. Dort gelten ähnlich hohe Einspeisevergütungen wie in Deutschland. Für die weitaus größere Investition im sonnenreichen Sizilien besteht zurzeit aber nur die Option auf den Erwerb eines geeigneten Grundstücks, um die „Rendite aus der Sonne“ – so die Werbebotschaft – zu erzielen. Bisher ist also nicht sicher, ob die Anlage gebaut wird.

Die Anlagen sollen nach zehn Jahren verkauft oder maximal 25 Jahre genutzt werden. Der Anbieter selbst hat Interesse an einem Kauf nach zehn Jahren bekundet.

Darauf kann sich der Anleger jedoch nicht verlassen. Er sollte mit der längeren Laufzeit rechnen, in der er nicht an sein Geld herankommt. Bei 25 Jahren sollen knapp 8 Prozent Rendite drin sein.

Biogasfonds

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Energie aus Biomasse einschließlich Bio-, Deponie- und Klärgas wird im Unterschied zum Sonnenstrom nur mit bis zu 11,5 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Meist wird Biogas aus Gülle und Rohstoffen wie Mais, Roggen, Weizen, Sonnenblumen und Gras produziert. Die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen hängt auch von den künftigen Preisen dafür ab.

Der Fonds Biogasanlage Rogäsen ist der vierte Fonds von Coninvest. Ein Viertel der Beteiligungssumme geht sofort für Provisionen und andere Kosten drauf.

Die Anlage in der Nähe der Stadt Brandenburg soll den Anlegern in 20 Jahren laut Prospekt durchschnittliche Ausschüttungen von 14 Prozent pro Jahr einbringen. Diese Angabe ist grob irreführend, da die gesamte Ausschüttung einschließlich der Rückzahlung des angelegten Kapitals durch 20 Jahre geteilt wird. Ohne Kapitalrückzahlung kommt man auf eine Ausschüttung von 9 Prozent.

Durchschnittswerte sind aber ohnehin wenig aussagekräftig, da Ausschüttungen oft von Jahr zu Jahr schwanken. Wenn eine Anlage zu Beginn noch gar nicht gebaut ist, erhalten Anleger den Löwenanteil sogar erst zum Schluss. Finanzmathematisch hat Finanztest für die Biogasanlage Rogäsen eine Renditeprognose von knapp 8,5 Prozent errechnet. Empfehlen können wir den Fonds trotzdem nicht.

Der Greengas Fonds I des neuen Anbieters Invest Green macht einen soliden Eindruck.Der Fondsinvestiert in 13 Biogasanlagen an elf Standorten in der Bundesrepublik. Die Streuung über viele Standorte mindert das Risiko für Anleger.

Die IGB Alternative Investments investiert das Anlegergeld in den Fonds Nawaro Bioenergie. Der Anbieter errichtet in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern die weltweit größte Biogasanlage mit knapp 50 Millionen Euro Anlegergeld. Für die vorgesehene Laufzeit bis Ende 2027 prognostiziert der Anbieter eine Rendite von 8,6 Prozent vor Steuern und 6,2 Prozent nach Steuern bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Das Vorläuferobjekt in Penkun in Mecklenburg-Vorpommern läuft bisher nach Plan.

Bei weitem nicht alle Biogasfonds wirtschaften erfolgreich. Reicht das Anlegergeld gar nicht erst für den Bau der Anlagen, muss der Fonds eventuell mit Verlust rückabgewickelt werden.

Der bereits im Jahr 2005 aufgelegte Fonds Deutsche Biomassekraftwerk I hatzum Beispiel immer noch nicht genügend Anlegergeld eingenommen, um die geplante Anlage zu bauen.

Solarfonds

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Der Fonds Wattner Sunasset1 der Wattner Kapital will in Solarkraftwerke investieren, deren Standorte in Deutschland noch nicht bekannt sind. „Blindpool“ oder „Projektentwicklungsfonds“ heißt so ein Fonds unter Experten. Der Anleger weiß heute nicht, wo die Anlagen stehen werden und wann sie fertiggestellt sind.

Schon nach fünf Jahren sollen die Solarkraftwerke mit einem hohen Gewinnaufschlag verkauft werden. Die prognostizierte Rendite ist mit über 16 Prozent unrealistisch. Sie stützt sich fast ausschließlich auf den hoch angesetzten Verkaufserlös.

Erdwärmefonds

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Völlig neu auf dem Markt sind Geothermiefonds, die auf Strom aus Erdwärme setzen, wie der Green Energy Geotherm Opportunity von Green Energy und der Verano Energy Geotherm Fonds von Dr. Schlender Fondspartner.

Beide Fonds sind für Anleger sehr riskant. Es sind Blindpools, die Investitionsobjekte stehen noch nicht fest. Klar ist nur, dass der gewünschte Standort für die Geothermiekraftwerke in beiden Fällen im süddeutschen Molassebecken liegt. Der Anbieter des Verano Energy Geotherm Fonds ist zudem neu im Markt und hat sich noch nicht bewährt.

Für die Renditeprognosen der Anbieter ist die Einspeisevergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde nicht entscheidend. Sie gehen vielmehr bei beiden Fonds davon aus, dass die Kraftwerke nach Fertigstellung und Probebetrieb mit Gewinnaufschlägen von 70 bis 73 Prozent verkauft werden können.

Diese Prognosen über den Verkaufserlös sind noch weit unsicherer als beim Solarfonds von Wattner Kapital, da teure Probebohrungen erfolglos bleiben können.

Sätze wie „Geld verdienen. Klima schützen. Heiße Rendite 12,5 Prozent“ aus der Werbung für den Verano Energy Geotherm Fonds klingen da sehr verwegen.

Die vom Vertrieb angegebene Rendite von 12,5 Prozent ist außerdem falsch berechnet. In den mehr als hundert Seiten des Emissionsprospekts taucht sie überhaupt nicht auf. Dass man in Deutschland „mit unerschöpflicher Energie Geld verdienen“ kann, bezieht sich wohl eher auf die unerschöpfliche Energie der Vermittler und Anbieter als auf die Anleger des Fonds. Glaubhafte Berichte über erfolgreiche Bohrungen, Grundstückskäufe und den Bau von Geothermiekraftwerken wären hilfreicher gewesen.

Wir setzen den Geothermie Opportunityundden Verano Energy Geotherm Fonds auf unsere Warnliste.

Windkraftfonds

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Windkraft hat oft nicht für eine gute Rendite gereicht. Inzwischen ist auch noch die garantierte Vergütung für den Strom drastisch gesunken.

Der Trend, in geschlossene Windkraftfonds zu investieren, ist in Deutschland vorbei. Die Einspeisevergütungen sind rapide bis auf 5,5 Cent pro Kilowattstunde für neuerrichtete Anlagen im Jahr 2008 gefallen. Hinzu kommt, dass viele Anlagen die Erwartungen an die Stromausbeute aus Windkraft nicht erfüllt haben.

Der derzeitig einzige Windkraftfonds Indiavest Windpower I der PIA Provesta investiert in 24 Windkraftanlagen in Indien und beteiligt sich zur Hälfte an einem Gemeinschaftsprojekt in Neu-Delhi. Zwar gibt es auch in Indien Einspeisevergütungen. Sie sind aber noch niedriger als in Deutschland.

Besondere Risiken ergeben sich aus zwischengeschalteten Betreibergesellschaften in Indien. Sie verteuern das Ganze für Anleger, die zudem das Währungsrisiko der indischen Rupie tragen müssen. Für sicherheitsorientierte Anleger ist dieser Fonds auf keinen Fall geeignet.

Multi-Neue-Energien-Fonds

Soll es nun Solarstrom, Biogas, Erdwärme oder Windkraft sein? Diese Frage stellt sich der Doric Green Power von Doric Asset Finance nicht. Er investiert weltweit in alle Arten von erneuerbaren Energien. Die Investitionsobjekte stehen noch nicht fest. Der mit Abstand größte Neue-Energien- Fonds will 100 Millionen Euro von Anlegern erhalten und mit Krediten insgesamt 209 Millionen stemmen.

Der Prospekt liest sich in weiten Teilen wie eine wissenschaftliche Abhandlung über die Chancen der erneuerbaren Energien. Der Anleger erfährt aber wenig Konkretes über die Investitionen der Projektgesellschaften.

Über mögliche Erlöse beim Verkauf der Anlagen am Ende der Laufzeit im Jahr 2019 schweigt der Prospekt. Das Ziel ist neben dem Erhalt des investierten Betrages ein laufender Rückfluss von mindestens 7 Prozent pro Jahr. Vertrauen sollten Anleger darauf besser nicht.

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