Grüne Fonds sind für Anleger eine Vabanque­spiel. Großen Risiken stehen vage Rendite­aussichten gegen­über.

Geschlossene Ökofonds Test

Der CFB-Fonds 180-Solar-Deutsch­land­portfolio V betreibt einen Solar­park in Templin. Er startet mit hohen Krediten – für Anleger ist das riskant.

Zu gerne würden sich viele umwelt­bewusste Anleger an der Energiewende beteiligen und 10, 20 oder 30 000 Euro ihres Spargeldes in Ökofonds investieren. Doch die Anbieter von Wind- und Solar­parks, Wasser­kraft- und Biogas­anlagen machen es ihnen schwer: Obwohl sie auf staatliche Einspeise­vergütungen bauen können, enthalten die Fonds für Anleger kaum kalkulier­bare Risiken.

Anleger des grünen Emissions­hauses EECH in Hamburg können ein Lied davon singen, wie ihre als „sichere und lukrative Investition“ beworbenen Wind­kraft- und Solarfonds den Bach hinunter­gingen. Anstelle von „sonnigen Zinsen zwischen 7 und 10 Prozent“ bescherte ihnen die Pleite des Unter­nehmens satte Verluste.

Ähnliches könnte bald auch Anleihegläubigern des schwäbischen Unter­nehmens Wind­reich drohen. Dem Wind­park­entwickler ging im September 2013 das Geld aus. Derzeit steht das Über­leben der Wind­parks an Nord- und Ostsee auf der Kippe.

Sichere Gewinne können auch die aktuell angebotenen Ökofonds nicht in Aussicht stellen. Keinen der geprüften Fonds können wir guten Gewissens empfehlen. 14 von 24 der zum Stichtag 2. September 2013 angebotenen Fonds fielen schon bei einer Vorprüfung durch, weil sie aufgrund ihrer Konstruktion für Anleger von vorn­herein zu riskant sind. Häufigster Kritik­punkt: Ein Teil der Investitions­objekte stehen beim Verkauf der Fonds­anteile noch nicht fest.

Von den zehn Fonds, die schließ­lich noch in die Detail­prüfung kamen, erreichten nur zwei Fonds ein Ausreichend. Das Urteil über die anderen acht Fonds lautet schlicht mangelhaft. Bei den Prognosen haben sie oft zu schöne Zahlen angesetzt. Sie haben die Erträge aus Wind und Sonne sehr hoch bewertet, Liquiditäts­rück­lagen und Instandhaltungs­kosten knapp kalkuliert und die Kosten für Anschluss­kredite eher tief angesetzt. Das Test­ergebnis ist ein Armuts­zeugnis für eine Branche, die mit der 2011 beschlossenen Energiewende gewissermaßen die Lizenz zum Geld­drucken erhielt.

Auf den ersten Blick attraktiv

Geschlossene Ökofonds Test

Nicht empfehlens­wert: Beteiligungen am Fonds „Lacuna-Wind­park-Trogen 2“ in Bayern.

Auf den ersten Blick sind Ökofonds für Anleger sehr attraktiv. Mit Summen ab 10  000 Euro aufwärts plus 5 Prozent Gebühr können sie die Energiewende unterstützen und damit auch noch Geld verdienen.

720 Millionen Euro flossen laut Feri Euro Rating Services 2012 in 91 am Markt angebotene geschlossene Ökofonds. Das ist ein Anteil am Gesamt­markt für geschlossene Fonds von etwa 19 Prozent. Solar- und Wind­energiefonds sind mit jeweils rund 40 Prozent die am häufigsten verkauften Beteiligungen. Mit den in Aussicht gestellten Renditen zwischen 5 und 10 Prozent scheinen die Fonds für Privat­anleger eine lukrative Anlage zu sein. Schief­gehen könne die Geld­anlage nicht, weil die staatlich garan­tierten Einspeise­vergütungen für den Strom aus den Anlagen die Geld­anlage absichere, suggerieren die Anbieter.

Doch schief­gehen kann bei Fonds­lauf­zeiten von 8 bis 20 Jahren ziemlich viel, wenn Anbieter Kosten und Erträge nicht vernünftig planen. Das zeigt unsere Unter­suchung. Bereits 14 Fonds gingen vorzeitig k.o., weil sie viel zu riskant für Anleger sind.

Ein Ausschluss­kriterium ist für uns, wenn ein Fonds schon Geld von Anlegern einsammelt, obwohl mehr als 10 Prozent der Investitionen noch gar nicht fest­stehen. Solche als „Blindpool“ bezeichneten Investitionen sind gefähr­lich, da Anleger nicht voll­ständig wissen, wo ihr Geld angelegt wird.

Da Anleger bei geschlossenen Fonds immer auch mit dem Risiko eines Total­verlustes leben müssen, gingen bei uns alle Fonds k.o., die Ratens­park­onzepte für Klein­anleger anbieten. Auch die Aufnahme von Krediten in fremder Währung ist zu riskant.

Fonds, bei denen die Prospekt­ver­antwortung bei der Fonds­gesell­schaft liegt, flogen ebenfalls raus. Sind Fehler im Prospekt für die Schieflage eines Fonds verantwort­lich, müsste der Anleger seine eigene Fonds­gesell­schaft auf Schaden­ersatz verklagen, in der er selbst Mitunternehmer ist.

Detail­prüfung für zehn Fonds

Zehn Fonds haben wir in unsere Detail­prüfung aufgenommen. Neun von ihnen halten die 60-Prozent-Grenze für die Aufnahme von Fremd­krediten nicht ein, die das neue Kapital­anlagegesetz­buch seit dem 22. Juli 2013 vorschreibt. Die neue Regelung soll Anleger besser schützen. Denn Anbieter, die ihre Investitionen nur zu etwa 20 bis 30 Prozent mit Kapital von Anlegern finanzieren, leihen sich 70 bis 80 Prozent des Kapitals bei der Bank. Das ist für Anleger riskant, weil die Kredite auch dann mit Geld aus den Fonds zurück­gezahlt werden müssen, wenn die Geschäfte schlecht laufen.

Da alle Fonds vor dem 22. Juli aufgelegt wurden, als das Gesetz noch nicht galt, haben wir sie trotzdem getestet. Jüngere Fonds, die bereits nach den neuen Regeln funk­tionieren, gibt es noch nicht.

Im Gruppen­urteil „Prognoserisiko“, unter das auch die Bewertung der Fremd­kapital­aufnahme fällt, haben wir alle Fonds mit mehr als 60 Prozent Fremd­krediten als mangelhaft bewertet.

Besser fielen die Noten beim wichtigsten Prüf­punkt „Erträge und Kosten“ aus. Doch auch hier schnitt kein Fonds sehr gut oder gut ab.

Die hohen Kredit­aufnahmen der Ökofonds sind nur möglich, weil die Betreiber 20 Jahre lang nach dem Erneuer­bare-Energien-Gesetz einen garan­tierten Abnahme­preis erhalten. Auch tilgen Ökofonds ihre Kredite weit­aus schneller als zum Beispiel geschlossene Immobilienfonds. Da die Kredite zum Fondsende getilgt sein müssen, wird teil­weise mit 4 und mehr Prozent getilgt, sodass bei den zehn getesteten Fonds bis 2022 laut Prognose im Schnitt bereits 54,3 Prozent des anfäng­lichen Fremd­kapitals getilgt sind. Zum Ende der Fonds­lauf­zeit ist er dann voll­ständig getilgt.

Ausgeschlossen ist es deshalb nicht, dass ein Fonds wie der CFB-Fonds 180-Solar Deutsch­land­portfolio V, der bei „Erträge und Kosten“ mit der Note 3,1 und im Punkt „Kontrolle und Vertrag“ sogar mit 2,5 getestet wurde, Anlegern am Ende die prognostizierte Rendite von 6,3 Prozent beschert.

Der Fonds hat sich rund 79 Prozent der anfäng­lichen Investitions­kosten geliehen, ist aber sonst solide geplant. Es gibt Service-, Wartungs- und Instandhaltungs­verträge für den Solar­park, der auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens im brandenburgischen Templin steht.

Mit 15,95 Cent pro Kilowatt­stunde sind die Einspeise­vergütungen für den Solar­park, der seit September 2012 am Netz ist, bis 2032 gesichert. Das erleichtert den für 2022 geplanten Weiterverkauf des Parks. Nur die Sicher­heits­abschläge bei den Ertrags­gut­achten für Jahre, in denen die Sonne weniger scheint, sind etwas nied­rig ausgefallen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 36 Nutzer finden das hilfreich.