Anleger mit geschlossenen Immobilienfonds schöpfen Hoffnung. Haben sie nach falscher Beratung Anteile auf Pump gekauft, dürfen sie raus aus dem Kredit. Die Sache hat nur einen Haken.

Für Anleger mit geschlossenen Immobilienfonds sind die Zeiten hart. Vermeintlich sichere Anlagen wie die LBB-Fonds, denen die Berliner Landesbank den Namen gab, werfen nicht die erwarteten Gewinne ab. Verantwortliche mancher Fonds landen sogar wegen des Verdachts auf Betrug vor dem Kadi – so auch Walter Fink, Initiator der Dreiländerfonds (siehe Geld für Fondsopfer?). Besonders hart trifft es Anleger, die einen Kredit aufgeschwatzt bekamen, mit dem sie die Fondsbeteiligung finanzierten. Denn auch wenn Fondsgewinne ausbleiben, müssen sie die Raten zahlen.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs macht ihnen nun Hoffnung (Az. II ZR 387/02). Ein Anleger, der über den Wert der Beteiligung getäuscht, nicht über sein Widerrufsrecht belehrt oder falsch beraten wurde, darf nicht nur aus dem Fondsgeschäft aussteigen. Er kann auch die Zahlungen an die Bank stoppen und gezahlte Raten zurückfordern.

Den Wert der Anteile, den ihm die Fondsgesellschaft schuldet, tritt er dann an die Bank ab.

All das geht aber nur, wenn derselbe Vermittler sowohl das Fonds- als auch das Kreditgeschäft anbahnte und bereits mit Kreditformularen zum Kunden gekommen ist.

Das geschah nicht selten. So sind viele Beteiligungen an den Dreiländerfonds vom Finanzdienstleister AWD gleich mit Krediten vom BHW oder der Berliner Bankgesellschaft vertrieben worden. Und oft fühlten sich die Anleger dabei falsch beraten, wie die große Zahl von Rechtsstreitigkeiten zeigt.

Hauptsache, die Anteile sind weg

Leider ist das Urteil für all diese Anleger nur die halbe Miete. Sie sind damit nicht auf einen Schlag alle Sorgen los.

Denn stellt sich heraus, dass der Wert ihrer Anteile im Keller ist und die Bank damit ihr Darlehen nicht komplett wieder reinholt, darf sie vom Kunden die Differenz kassieren. Der Kunde kann zwar den Kredit kündigen. Doch er muss dafür aufkommen, dass seine Fondsanteile an Wert verloren haben.

Trotzdem sehen Anlegervertreter wie der Bremer Anwalt Jan-Henning Ahrens eine Verbesserung der Lage des Kunden: „Betrogene Anleger können ihre Anteile so wenigstens loswerden. Einen Markt dafür gibt es in Deutschland nämlich nicht. Und auch wenn sie Verlust machen, dürfte das für viele immer noch besser sein, als auf den Anteilen ohne Ausschüttung zu versauern und weiter Raten zahlen zu müssen.“

Anleger, die den Kredit kündigen, haben wenigstens eine lange Galgenfrist, bis sie Ausgleichszahlungen leisten müssen. Die Bank muss warten, bis die Fondsgesellschaft berechnet hat, was die Anteile wert sind. Und das kann dauern. Mauert die Gesellschaft oder hat sie kein Geld, ist das ein Problem der Bank.

Anleger, die glauben, vom BGH-Urteil profitieren zu können, sollten mehrgleisig fahren und prüfen lassen, ob sie nicht auch Schadenersatz vom Vermittler fordern können.

Das Oberlandesgericht Celle etwa entschied, dass der AWD zahlen muss, da seine Vertreter beim Vertrieb des Dreiländerfonds 94/17 nicht auf dessen schlechte Presse hingewiesen haben und der AWD den Fonds nicht genug geprüft hatte (Az. 11 U 291/01 und 11 U 341/01, nicht rechtskräftig). Das Landgericht Hannover urteilte jetzt ähnlich (siehe Berater haften im Dreierpack). Das Oberlandesgericht Hamm (Az. 8 U 170/02) geht sogar schon von einer fehlerhaften Beratung aus, wenn der Berater nicht beweisen kann, dass er den Anlageprospekt übergeben hat (siehe Berater muss beweisen).

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