Geschlossene Immobilienfonds Meldung

Anleger der Dreiländer-Fonds fühlen sich getäuscht. Sie wollen Anbieter und Vertrieb verklagen.

Walter Fink, Geschäftsführer der KC GmbH in Stuttgart und Carsten Maschmeyer, Vorstand der AWD-Holding AG in Hannover, müssen sich auf einiges gefasst machen. Ihnen drohen Klagen in Millionenhöhe wegen unvollständiger und irreführender Prospektangaben und Verletzung der Beratungspflicht beim Verkauf der Dreiländer- Fonds (DLF). Zehntausende Anleger haben sich mit durchschnittlich etwa 65.000 Mark langfristig an den Fonds beteiligt, die in Immobilien und ein Wertpapierdepot investieren.

Fink, einer der größten Anbieter von geschlossenen Immobilienfonds im Land, hat die DLFs initiiert. Maschmeyers Allfinanzvertrieb AWD hat 14 Fonds gegen satte Provisionen an 34.000 Kunden vermittelt. Seit mehrere der an Anleger als sicher und jederzeit verkäuflich vermittelten Fonds wirtschaftliche Probleme haben, stecken viele Kleinanleger in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.

Ausschüttungen sinken weiter

Viele Anleger haben ihre Verträge für die Fonds DLF 93/14, 94/17 und 97/22, bei denen der Generalmieter Stella Pleite ging, auf Kredit finanziert. Die Kreditkosten, so versprachen die Vermittler, könnten problemlos mit den Ausschüttungen aus den Fonds bezahlt werden. Doch das klappt nicht mehr, seit die Ausschüttungen kräftig gesunken sind. Und es kommt noch härter: Nach einer Beschlussvorlage der KC sollen Anleger der DLFs 93/14 und 94/17 für das Jahr 2000 überhaupt keine Ausschüttung erhalten. Auch die Ausschüttungen anderer Fonds sollen weiter reduziert werden.

Wohl um die Fonds zu stützen, bietet die KC Anlegern jetzt ein "Kapitalwahlrecht" an. Wer sich seine Ausschüttungen nicht auszahlen lässt und wieder anlegt, soll später ­ vorausgesetzt, die Fonds erholen sich ­ attraktive Erträge erhalten. Wer die "Ausschüttungen" unbedingt benötigt, um seine Kreditkosten zu decken, könne weiterhin Ausschüttungen erhalten, so die KC. Erwirtschafteten die Fonds weniger, so soll die Ausschüttung aber ganz oder teilweise von der eingezahlten Beteiligungssumme abgezogen werden.

Etwa 300 Anleger haben sich Anwälte genommen. Sie wollen ihr Geld zurück haben. Die Anwälte prüfen Ansprüche gegen die Dreiländer-Fonds Walter Fink KG, die KC-Gesellschaften sowie gegen die Treuhänderin der Fonds, die ATC Allgemeine Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft mbH. Außerdem wollen sie den AWD wegen Verletzung vertraglicher Beratungspflichten gegenüber Kunden haftbar machen, erklärt der Bremer Rechtsanwalt Klaus Wewerka. Klagen seien in Vorbereitung.

AWD-Vermittler geben denn auch an, in von Walter Fink initiierten Verkaufsschulungen falsche Informationen erhalten zu haben. In DLF-Seminarunterlagen stünde neben psychologischen Verkaufstipps auch, dass zum Beispiel der DLF 94/17 der einzige Fonds sei, den Anleger ab dem 7. Jahr mit einer 100-prozentigen Rückerstattung ihrer Einlage verkaufen könnten. Doch das geht nicht, wie KC-Sprecher Tobias Aichele einräumt.

Als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete Aichele auch Werbesprüche, die der von Fink engagierte Motivationstrainer Axel J. Bertling damals den Beratern einhämmerte. So sollte etwa der DLF 94/17 als "Mercedes unter den Anlagen" verkauft werden. Fink und AWD beteuern jedoch, dass neben den Chancen auch die Risiken der Fonds dargestellt wurden. Dennoch schließt Walter Fink einen weiteren Vertrieb seiner Fonds durch den AWD für die Zukunft aus. Er will künftig nur noch einen kleinen, speziell geschulten Beraterstab einsetzen.

Seltsame Kundenbesuche des AWD

AWD-Chef Maschmeyer schickte seinen Direktor Uwe Baumann unangemeldet zu DLF-Anlegern, denen die Anlage von inzwischen ausgeschiedenen AWDlern vermittelt wurde. Baumann erläuterte den Kunden, dass es keinen Sinn habe, gegen den AWD zu klagen, da dem AWD ohnehin keine Fehler nachgewiesen werden könnten.

Laut AWD waren die Besuche nötig, weil Ex-AWDler versucht hätten, Kunden zu Schadensersatzklagen wegen Falschberatung gegenüber dem AWD zu animieren. Die Kunden berichteten dagegen, dass sie bereits anwaltlich vertreten würden. Da wird Maschmeyers im Januar gegründetes "Team von Bestandsbetreuern", die die Probleme mit diesen Kunden aus der Welt schaffen sollen, wohl umsonst ausschwärmen.

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