Geschlossene Immobilienfonds Klagewelle gegen Dreiländerfonds

01.06.2013
Geschlossene Immobilienfonds - Klagewelle gegen Dreiländerfonds

Die Rechts­anwalts­kanzlei Müller Boon Dersch aus Jena hat Ende Mai über 1 751 Schaden­ersatz­klagen gegen den Gründungs­gesell­schafter der Dreiländerfonds, Walter Fink aus Stutt­gart, einge­reicht. Die massenhafte Einreichung der Klagen wurde nötig, um die Verjährung der Fälle zu verhindern.

Tausende Anleger erlitten mit Dreiländerfonds Verluste

Mit einem Trans­porter brachte die Kanzlei Müller Boon Dersch Ende Mai die insgesamt 1 751 Klagen von Anlegern der verlustreichen Dreiländerfonds zum Land­gericht Stutt­gart. Nachdem Ende 2012 sämtliche Güte­verhand­lungen gescheitert waren, mussten die Anleger binnen sechs Monaten klagen, um die Verjährung zu hemmen.

Anleger wollen Schaden­ersatz

Die Anleger wollen den Gründungs­gesell­schafter der Fonds, Walter Fink, persönlich für die mit den Fonds erlittenen Verluste haft­bar machen. Sie werfen Fink Prospekt­fehler und -mängel vor. Zudem wollen sie ihn für eine fehler­hafte Schulung des Vertriebs haft­bar machen. Videos von Schu­lungen von Vermitt­lern des ehemaligen Finanz­vertriebs AWD aus Hannover zeigen, dass dort bewusst falsch über die 17 seit 1987 aufgelegten Dreiländerfonds Fonds informiert wurde, erklärt Rechts­anwalt Daniel Müller. Der prominenteste Fonds war der 94/17. Er wurde Anlegern als "Mercedes unter den Anlagen" verkauft. Wie berichtet, sollen Vermittler in DLF-Seminaren neben psycho­logischen Verkaufs­tipps auch erklärt bekommen haben, dass die Anleger den DLF 94/17 ab dem siebten Jahr mit einer 100-prozentigen Rück­erstattung ihrer Einlage verkaufen könnten. Eine Falsch­information, wie viele Anleger später erfahren mussten.

Fonds investierten in Immobilien

Bei den lang­jährigen Beteiligungen handelt es sich um geschlossene Immobilienfonds mit Investitionen in Immobilien in Deutsch­land und den USA. In den ersten Jahren investierten die Fonds zudem in ein Wert­papierdepot in der Schweiz. Das Wert­papierdepot wurde im Jahr 2003 aufgelöst, weil es nicht die erhofften Erträge brachte. Anleger konnten sich an den Fonds als Kommanditisten mittel­bar über eine Treuhänderin beteiligen. Sie haben dort bis zu sechs­stel­lige Summen investiert.

Erhebliche Belastung des Gerichts

Mit einer schnellen Entscheidung über die Klagen können Anleger nicht unbe­dingt rechnen. Bei etwa 10 000 Klagen insgesamt pro Jahr stellt die gleich­zeitige Erhebung von 1 751 Klagen eine enorme Heraus­forderung für Richter und Unterstüt­zungs­kräfte dar, teilte das Land­gericht Stutt­gart mit.

01.06.2013
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