Was das neue Gesetz Anlegern bringt

Publity Nr. 7 ist der erste nach dem neuen Kapital­anlagegesetz (KAGB) zugelassene geschlossene Fonds für Privat­anleger. An seinem Beispiel lässt sich gut erkennen, auf welche neuen Begriffe und Informations­quellen sich Anleger einstellen müssen.

Der Name ist jetzt Programm

Schon der Name verrät, dass es sich beim Publity Nr. 7 um einen Fonds nach dem neuen Gesetz handelt. „publity Performance Fonds Nr. 7 GmbH & Co. geschlossene Investment KG“ heißt er in voller Länge. „Geschlossene Investment KG“ ist der offizielle Name für geschlossene Fonds, die nach KAGB aufgelegt werden. Die Kapital­verwaltungs­gesell­schaft eines solchen Fonds braucht eine Erlaubnis der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht. Diese hat die Publity Performance GmbH, die diese Aufgabe über­nehmen soll, noch nicht. Der Antrag soll aber im März gestellt werden. Sollte die Erlaubnis nicht erteilt werden und sich auch keine andere Kapital­verwaltungs­gesell­schaft finden, die das über­nimmt, müsste der Fonds rück­abgewickelt werden. Eine solche Erfordernis für eine Zulassung gab es nach altem Recht nicht.

Fonds nach alten und neuen Regeln

Es wird in Zukunft aber sowohl geschlossene Fonds nach bisheriger als auch solche nach neuer Regulierung geben. Leider unterliegen sie unterschiedlichen Vorschriften zur Frage, welche Informationen und in welcher Form Anleger sie bekommen müssen. Das macht den Vergleich verschiedener Fonds­angebote noch schwieriger als bisher. So verweisen Christoph Blacha und Frederik Mehlitz, die Geschäfts­führer der Publity Performance GmbH, darauf hin, dass die im Verkaufs­prospekt des neuen Fonds abge­druckte Prognoserechnung aufgrund der Vergaben des Gesetz­gebers und der Aufsichts­behörde „nicht mit den Prognoserechnungen der ’alten’ Fonds­welt zu vergleichen“ sei.

Abkür­zungen sind gewöhnungs­bedürftig

Geschlossene Fonds Schnelltest

Quelle: Wesentliche Anlager­informationen Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Quelle: Wesentliche Anlager­informationen Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Anbieter vieler Anla­geangebote müssen zentrale Informationen auf wenigen Seiten zusammen­zufassen. Diese Dokumente heißen bei den neuen KAGB-Fonds „Wesentliche Anleger­informationen“. Die Kurz­informationen für geschlossene Fonds nach bisheriger Regulierung werden als „Vermögens­anlagen-Informations­blatt“ bezeichnet. Eigentlich sollen die Kurz­informations­blätter den Interes­senten ermöglichen, alles Wesentliche über ein Anla­geangebot zu erfassen – schnell und ohne Rück­griff auf weitere Unterlagen. Doch in der neuen KAGB-Welt müssen sich die Anleger erst einmal mit neuen Begriffen und Abkür­zungen vertraut machen, damit sie die „Wesentlichen Anleger­informationen“ verstehen. So ist der Publity Nr. 7 zum Beispiel als „Geschlossener Publikums-AIF“ beschrieben. AIF ist die Abkür­zung für „Alternativer Investmentfonds“. Auch weitere Fach­begriffe wie „Verwahr­stelle“ oder „Nettoinventar­wert“ spielen ohne nähere Erklärung eine wichtige Rolle. Sie dürften vielen Anlegern geschlossener Fonds aber über­haupt nicht geläufig sein.

Neue Anla­gebedingungen bieten Über­blick

Geschlossene Fonds Schnelltest

Quelle: Anla­gebedingungen Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Quelle: Anl­age­be­dingungen Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Völlig neu für die Welt der geschlossenen Fonds sind besondere Dokumente, in denen auf wenigen Seiten steht, in was investiert werden darf. Diese Anla­gebedingungen listen zum Beispiel auf, in welche Vermögens­gegen­stände der Fonds investieren darf, welche Grenzen dafür gelten, ob Kredite aufgenommen werden dürfen und was für Kosten zu erwarten sind. Das ist deutlich über­sicht­licher als die viel ausführ­licheren Darstel­lungen in den dicken Verkaufs­prospekten.

Gesetzes­formalismus mit kuriosen Folgen

Geschlossene Fonds Schnelltest

Quelle: Verkaufs­prospekt Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Quelle: Verkaufs­prospekt Publity Nr. 7. Eigene Markierungen.

Sind Anleger angesichts der Menge an Vorschriften und Regeln nun viel besser geschützt und informiert? Zumindest eine bessere Information ist fraglich. Der hohe Grad an Formalismus, den das neue Gesetz und seine Auslegung erfordern, hat kuriose Folgen: So kann es zum Beispiel völlig richtig korrekt sein, wenn Fehler im Prospekt stehen. Ein Beispiel: Auf Seite 71 des Verkaufs­prospekts ist bei Publity Nr. 7 eine Tabelle mit der Entwick­lung deutscher Gewerbeimmobilien-Kenn­zahlen über zehn Jahre abge­druckt. Laut Quellen­angabe sind die Zahlen auf das Jahr 1993 indexiert. Das ist aber offensicht­lich falsch. Tatsäch­lich wurde das Jahr 2003 als Basis heran­gezogen. Das falsche Jahr habe so veröffent­licht werden müssen, weil die Angabe in der Originalquelle falsch gewesen sei, teilt Publity auf Nach­frage mit. Und die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht bestätigt dies. Es sei korrekt, auch Fehler einer Originalquelle zu über­nehmen. In einem harmlosen und offensicht­lichen Fall wie diesem ist das sicher kein Problem. Es ist aber auch denk­bar, dass auf diese Weise unrichtige Angaben in die Prospekte geraten können, die nicht leicht zu entdecken sind. In der akademischen Welt ist es üblich, in einem solchen Fall einen Vermerk zu machen. Das wäre dann auch bei den Verkaufs­prospekten wünschens­wert.

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