Geschirr­spültabs Test

Absaugen und abwarten. Schluck­weise saugt der Roboter Assam-Tee aus den Tassen. So entstehen exakt gleiche Ränder.

Es bedarf tausender Hand­griffe, bis das Test­ergebnis fest­steht. Knapp vorn liegen die Tabs von Lidl und Somat 10 . Tip von Real greift Gläser an und lässt Besteck violett schil­lern.

Geschirr­spültabs Test

Einpinseln. Genau 3 Gramm Hack­fleisch-Ei-Mischung streicht der Prüfer auf jeden Teller. Die Waage kontrolliert es.

Manchmal hilft der Zufall. Der Schüler einer Technikschule besucht das Prüf­labor. Er staunt über die vielen Hand­griffe der Prüfer, zum Beispiel beim Test von Geschirr­spül­mitteln. Laboranten ziehen mit der Pipette Tee aus Tassen – wieder und wieder, jedesmal exakt 20 Milliliter, damit die angetrock­neten Ränder stets gleich aussehen. Nur dann sind sie repro­duzier­bar und für die Prüfung geeignet. Das müsste doch einfacher gehen, denkt sich der Schüler: auto­matisch. Aus der Idee wird ein Projekt. Mit Mitschülern und dem Laborleiter entwickelt er die Teemaschine, seine Abschluss­arbeit.

Heute saugt der Roboter auf Knopf­druck schluck­weise Tee aus der Tasse – zeitsparend, exakt, immer gleich. Team­obile heißt die über­all einsatz­fähige, sieben Jahre alte Maschine. Auch mit Saugroboter bleibt für die Tester viel zu tun.

Allein 80 000 Hand­griffe braucht es, um zu beur­teilen, wie gut die 17 Multi­funk­tions­tabs 4 000 Teller, Tassen, Gläser und Besteck säubern. Die Prüfer verrühren Hack­fleisch und Eigelb, bestreichen Teller damit, ebenso mit Haferflocken und einem Mix aus Reis, Kartoffeln, Mais und Weizen.

Sie lassen blaugefärbte Milch in der Mikrowelle eintrocknen, geben Eigelb auf Bleche, räumen Geschirr in den Spüler ein und aus, beäugen Schmutzreste und Glasschäden, zählen Wasser­tropfen und mustern Besteck ab.

Somat 7 und Finish Quantum hinten

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Milch einfärben und trocknen. Durch die Farbe erkennen die Prüfer auf einen Blick, wo Reste der Milchhaut zurück­bleiben.

Nach rund vier Monaten Prüf­zeit und etwa 5 000 Spül­stunden steht das Ergebnis fest. Ausgerechnet die bekannten, beliebten und teuren Marken­produkte Somat 7 Multi (für 21 Cent pro Tab) und Finish Powerball Quantum (für 26 Cent je Tab) bekommen das Geschirr nicht richtig trocken. Auf Gläsern, Kunst­stoff­teilen, Besteck und Porzellan bleiben die meisten Wasser­tropfen zurück. Auch anderswo sehen die Tester bei den Markt­führern deutliche Schwächen. Das test-Qualitäts­urteil für Somat 7 und Finish Quantum lautet nur ausreichend.

Tip ist kein Tipp

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Noch schlechter präsentieren sich die Tip-Spül­maschinentabs Alles-in-1 von Real. Sie versagen nahezu komplett. Klarspülen und Trocknen mangelhaft, Materialschonung ebenfalls. Gläser zeigen nach dem Spülen groß­flächige Trübungen, die nicht mehr verschwinden. Edelstahl­besteck irisiert und schil­lert violett. Selbst der Innenraum des Spülers leuchtet wie eine Seifenblase. Dagegen hilft nur noch ein spezieller, aggressiver Maschinen­reiniger aus dem Handel. Doch eine Wäsche reicht nicht. Das violette Schil­lern verschwindet erst nach mehreren Spülgängen. Scheinbarer Licht­blick: Die Tip-Tabs sind am nettesten zur Umwelt. Kein Wunder. Steckt wenig drin, belastet eben auch wenig. Doch Tabs, die das Geschirr schädigen, braucht niemand.

Somat 10 spült super

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Abmustern und notieren. Die Tester sehen genau hin. Alles, was die Tabs nicht sauber spülen, protokollieren sie.

Viel Kraft steckt dagegen in Somat 10. „Das Geschirr strotzt nur so vor Sauber­keit“, kommentiert der Prüf­leiter. Selbst hartnä­ckigen Schmutz wie angetrock­netes Eigelb und Teer­änder putzt das teure Somat 10 anstands­los weg. Es hat Somat 9 abge­löst, den Testsieger vor drei Jahren (test 03/2010). Zum alleinigen Favoriten reicht es diesmal nicht. Lidl W5 All in 1 zieht gleich­auf. In fast allen Prüfungen kann es sich mit Somat 10 messen. Dem gehen wegen der schlechteren Verpackung Punkte verloren. Die Tabs sind viel zu aufwendig verpackt. Weniger Folie, kleinerer Karton oder mehr Tabs in der Packung wären kunden- und umwelt­freundlicher. Auch Finish Powerball Quantum könnte eine abge­speckte Verpackung vertragen. Jeder Powerball sieht aus wie eine drei­farbige üppige Praline und ist einge­wickelt in eine selbst­auflösende Folie. So weit, so gut. 20 Stück liegen in der Packung, zwölf oben, acht darunter. Es würden locker vier Tabs mehr hinein­passen. Das merkt der Kunde aber erst, wenn er die vorderen „Pralinen“ zuhause heraus­nimmt.

Lidl- und Aldi-Tabs beste Alternative

Was kundenfreundlicher ist, machen die Discounter vor, allen voran Lidl und Aldi. Sie packen 40 Tabs in einen vergleichs­weise kleinen Karton und verlangen dafür nur 2,85 Euro. Das macht güns­tige 7 Cent pro Tab und Spülgang. An der Leistung mangelt es nicht. Lidl W5 All in 1, Akuta Komplett von Aldi (Nord) und das gleiche Alio Complete von Aldi Süd reinigen zwar etwas schlechter als Somat 10, sind aber gute Alternativen zum teuren Marken­produkt. Teller, Tassen, Gläser und Besteck kommen ohne Trock­nungs­spuren und ohne Kalkbeläge aus der Maschine. Nur Kunststoff trocknet mit den Aldi-Tabs mittel­mäßig. Die Schwäche teilen sie mit vielen anderen.

Was für gute Multitabs spricht

Die meisten Kunden greifen im Geschäft zu Tabs für den Geschirr­spüler. Die sind bequem und fix. Ein Tab in die Dosierkammer, Klappe zu und fertig. Solo­tabs enthalten genau wie Pulver nur das Reinigungs­mittel. Wer sie benutzt, muss Klarspüler und Enthärtersalz separat in den Spüler füllen. Das macht Mühe, ist selten billiger als mit einem güns­tigen Multitab und auch nicht sauberer. Immerhin beweisen acht billige Multitabs im Test eine gute Qualität. Die Multis verfügen über Klarspüler, Enthärter­stoffe als Salz­ersatz gegen häss­liche Kalkbeläge, Trocken­additive für tropfenfreies Geschirr sowie diverse Zusätze zur Materialschonung.

Wer Gläser schlecht aussehen lässt

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Ob die Multis mit Messer und Becher schonend umgehen, prüfen die Tester nach 50, 100, 150 und jetzt auch nach 300 Spülgängen. Porzellan, Kristall- und Kalk­natron­gläser, verschiedene Kunst­stoff­teile, Silber- und Edelstahl­besteck passieren ein Stan­dard­programm bei 65 Grad Celsius. Die Prüfer nehmen jedes Teil einzeln zur Hand, beäugen jeden Kratzer und jede Verfärbung. Die stärksten Veränderungen, etwa Glaskorrosion als streifenförmige Linien oder milchige Trübungen, bemerken sie zwischen Zyklus 150 und 300. Finish Powerball Alles in 1 Turbo, Norma Saubermax, Ross­mann Domol und Tip Alles-in-1 von Real lassen Gläser besonders schlecht aussehen. Schlimm, wenn das Spül­mittel sie so ruiniert, dass sie nicht mehr zu gebrauchen sind, wie bei den Tip-Tabs.

Dekore auf der Glasur leiden

Tier- und Blumenzeichnungen, Gold­rand und Blüten verblassen mit Multitabs mit der Zeit. Durchweg alle haben Schwierig­keiten mit Motiven, die auf die Glasur gebrannt sind. Gläser und Porzellan mit Aufglasurdekoren sind an leichten Erhebungen beim Darüber­streichen zu erkennen. Die Dekore zu bewahren, ist Sache des Spül­beckens. Alle Schätze, die sensibel auf die Chemie im Tab reagieren, brauchen sanfte Spül­lauge und behut­same Hände.

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