Geschirrspültabs Test

Viele Multitabs der neuen Generation sind noch nicht ausgereift, wohl aber Somat 7. Total versagt hat hingegen Claro 7in1.

Zirka 25 Millionen Geschirrspüler sorgen in Deutschland für saubere Tassen im Schrank. Sie spülen jährlich schätzungsweise 6,9 Milliarden Mal und verbrauchen dabei rund 142 000 Tonnen Maschinengeschirrspülmittel. Ein einträgliches Geschäft für die Branche, die sich ständig mit Produkt­neu­heiten überbietet. Waren gestern noch 3in1-Tabs mit Reiniger, Klarspüler und Enthärter letzter Schrei, stehen heute Multitabs mit zusätzlichem Glasschutz und für mehr Edelstahlglanz in den Regalen. Premium-Produkte mit Bezeichnungen wie 7in1, Alles-in-1 oder Quantum wollen darüber hin­aus hartnäckigem Schmutz verstärkt an den Kragen gehen.

Was von solchen Versprechungen tatsächlich zu halten ist, sollte dieser Test zeigen. Dazu haben wir 18 Multifunktionstabs gegen fünf klassische Solotabs antreten lassen. Geschirrreiniger ohne extra Zusätze, bei denen die Maschine separat mit Klarspüler und Regeneriersalz versorgt wird, haben bei den Tabs immerhin noch einen Marktanteil von schätzungsweise 20 Prozent.

Bester Solist: Calgonit Classic

Und das ist auch gut so. Den Vergleich mit den Multitalenten brauchen die Solisten nämlich nicht zu scheuen. Bis auf Domol von Rossmann spülen alle „gut“. Calgonit Powerball Classic, bestes Produkt in dieser Gruppe, verhindert hässliche Kalkflecken auf Gläsern und Porzellan sogar als Einziges im Test „sehr gut“, noch besser als die vermeintlichen Alleskönner. Aber Calgonit Classic ist mit 14 Cent pro Tab und Spülgang fast dreimal so teuer wie die fast genauso „guten“ Handelsmarken dm / Denkmit und AS Ultra von Schlecker. Die gibt es schon für 5 Cent das Stück.

Bester Alleskönner: Somat 7

Bei den Multitabs liegt ebenfalls eine teure Marke vorn, aber eine andere. Allein die „guten“ Somat 7 und Somat 5 von Henkel schnitten besser ab als die besten billigeren Handelsprodukte von Kaufland und Plus. Hier hat Reckitt Benkiser mit seinen Powerballs das Nachsehen. Calgonit Powerball 5in1 musste sich gar mit „befriedigend“ begnügen, vor allem deshalb, weil es nicht ganz so sauber spült. Das teure Somat 7 (21 Cent pro Tab) zeigt dagegen, was ein ausgereiftes Produkt kann. Optimal zusammengesetzte Zutaten schaffen blitzsauberes, strahlendes Geschirr ohne Kalk- und Wasserflecken. So soll es sein – abgesehen vom hohen Preis.

Totalausfall: Claro 7in1

Das krasse Gegenteil bieten die Claro-Tabs aus österreichischer Produktion. „Etwas derart Schlechtes haben wir lange nicht mehr gesehen“, stellten die Prüfer schockiert fest, als sie die damit gespülten Teller und Tassen abmusterten. Statt Sauberkeit in Premium-Qualität sahen sie mehr Tee-, Ei- und Hackfleischreste als bei allen anderen Produkten. Am schlimm­sten waren aber die vielen Kalkflecken, die Gläser, Edelstahlbesteck und dunkles Porzellan verunzierten. Die eingebauten Salz­ersatzstoffe (Phosphate und Polymere) versagten. Sie schafften es nicht, die Kalzium- und Magnesiumionen aus dem Wasser so zu binden, dass diese zusammen mit dem abgelösten Schmutz ausgespült werden. Statt dessen setzen sie sich als hässliche weiße Schicht auf dem Geschirr ab. Alle anderen Multitabs haben das Kalkproblem besser im Griff. Viele enthärten das Wasser sogar besser als die Regenerieranlage der Spülmaschine. Claro hat aber noch weitere „mangelhafte“ Überraschungen auf Lager. Deponiert man die Tabs mit der wasserlöslichen Folie zum Beispiel in einem heißen, feuchten Sommer im sonnenbestrahlten Unterschrank des Spülbeckens, verlieren sie schnell die Form. Nach einiger Zeit findet man möglicherweise nur noch eine undefinierbare bröselige Masse vor. Das geschah jedenfalls im Labor, als wir die Lagerfähigkeit überprüften. Spülen lässt sich damit kaum noch. Hinzu kommt, dass die Größe der Verpackung viel mehr Inhalt vortäuscht, als tatsächlich drinsteckt – also eine „Mogelpackung“ in vielerlei Hinsicht.

Klarspülen: Oft überfordert

Die Salzfunktion erfüllen die meisten Multitabs „gut“, nicht aber das Klarspülen. Bis auf Somat 7 und Plus / Azor 6in1 kann kein Produkt mit der Baukastenmethode aus Solotab plus separatem Klarspüler und Salz mithalten. Das war bei den 3in1-Reinigern (test 8/05) auch schon so. Gerade preisgünstige Handelsprodukte hinterlassen auf Gläsern und Besteck häufig Schlieren und kleine runde Wasserflecken, auch Spots genannt. Der Grund: Im Klarspülgang werden zu wenig Tenside beziehungsweise deren Ersatzstoffe wirksam. Tenside entspannen das Spülwasser, sodass es am Geschirr wie ein leichter Film ablaufen kann, ohne lästige Wasserflecken zu hinterlassen. Verwendet man Solotabs, kommen die Tenside des separaten Klarspülers genau zur rechten Zeit zum Einsatz. Bei den Multitabs muss der eingebaute Klarspüler bis zum Schluss mitgeschleppt werden. Das klappt bei manchen Produkten offenbar besser als bei anderen und ist die größte Schwäche vieler billiger Tabs.

Glas- und Edelstahlschutz: Sehr gut

In der Materialschonung haben die Anbieter der Multifunktionstabs viele ihrer Hausaufgaben gemacht. Zusätzlicher Glasschutz schützt neue Teile tatsächlich länger vor Glaskorrosion in Form von bleibenden Streifen und Trübungen. Und Edelstahlbesteck kommt rostfrei aus der Maschine. Auch Silberteile liefen im Test seltener an als beim Spülen mit den Solotabs. Es gibt sogar Multitalente, die weniger aggressiv zu aufgedruckten Dekoren auf Tellern und Gläsern sind (Kaufland / K Classic Nevos 5in1, Somat 7, Edeka / gut & günstig 5in1, Rossmann / Domol 5in1). Trotzdem: Wer schon nach wenigen Spülgängen feststellt, dass Muster verblassen, sollte die Teile besser per Hand spülen.

Solo oder Multi?

Ein klare Antwort auf die Frage „Solo- oder Multitab?“ fällt schwer. Vor- und Nach­teile haben beide. Für Solotabs sprechen vor allem die etwas besseren Umwelteigenschaften und der günstigere Preis. Außerdem ist ihre Klarspülwirkung zusammen mit dem separaten Klarspüler besser. Die Multitabs hingegen sind bequemer und häufig schonender zum Geschirr. Beim Enthärten und Reinigen nehmen sich beide Arten nicht viel. Aber fast alle Multis haben Probleme mit Schmutz, der entfärbt werden muss wie Teerän­der. Hier kann nur Somat 7 konkurrieren. Eines aber ist klar: Testsieger in beiden Gruppen sind teure Markenprodukte.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2695 Nutzer finden das hilfreich.