Für die Umwelt. Neue Pulver und Tabs spülen umwelt­schonend − unter anderem mit Zitraten, den Salzen der Zitronensäure.

Jahre­lang galten phosphatfreie Pulver und Mono­tabs als unausgereift. Oft fehlte die Reinigungs­kraft. Das hat sich deutlich geändert.

Pack die Badehose ein und dann nichts wie raus zum Wannsee? Immer wieder gern. Doch manchmal ist der Badespaß getrübt. Winzige grünliche Algen beein­trächtigen den Durch­blick. An einigen Bade­stellen sinkt die Sicht­tiefe auf unter einen Meter. Ursache für starkes Algen­wachs­tum – im Berliner Wannsee wie in vielen anderen Gewässern – sind zu hohe Nähr­stoff­gehalte. Vor allem Phosphate lassen Algen blühen. Haupt­quelle für ein Zuviel an Phosphor in Gewässern ist Über­düngung durch intensive Land­wirt­schaft. Aber „Kleinvieh“ macht auch Mist: Pro Jahr gelangen viele Tausend Tonnen Phosphate aus Maschinen­geschirr­spül­mitteln in die Kanalisation. Vor allem kleine Klär­anlagen entfernen die Belastung oft nur unzu­reichend. Für die Qualität des Trink­wassers spielen Phosphate übrigens keine Rolle. Es sind andere problematische Stoffe, die das Grund- und Trink­wasser gefährden (siehe Trinkwasser im Test)

Neue umwelt­schonende Rezepturen

Ab kommenden Januar beschränkt eine EU-Verordnung den Phosphor­gehalt in Geschirr­spül­mitteln strikt. Pulver und Tabs müssen künftig ohne Phosphate auskommen – wie bereits seit Jahren alle Wasch­pulver. Viele Hersteller haben ihre Produkte bereits umge­stellt. Im aktuellen Test mussten die neuen Mittel zeigen, wie wirk­sam sie reinigen und Kalkbeläge verhindern.

Das über­raschende Ergebnis: Von zwölf Pulvern und Tabs, die keine oder nur sehr geringe Mengen an Phosphat enthalten, schneidet eines sehr gut ab, weitere sieben gut. Nur zwei spülen insgesamt schlechter als Somat Classic 1, das wir als etabliertes Produkt der bald verbotenen Art exemplarisch mitgeprüft haben

Beim Einkauf hatten wir gezielt nach phosphatfreien Pulvern und Tabs gesucht. Die wichtigen Marken Finish und Somat kamen zu spät mit neuen Rezepturen in den Handel, um es ins Test­feld zu schaffen. Finish ist zumindest mit zwei Mitteln im Test vertreten, in denen der Phosphat­gehalt auf weniger als fünf Prozent reduziert ist. Der zum Vergleich ausgewählte Mono­tab Somat Classic 1 enthält noch mehr als 30 Prozent Phosphate.

Klarspüler und Regeneriersalz extra

Bei den geprüften Produkten handelt es sich um vier Pulver und neun Tabs, genauer gesagt Mono­tabs. Bei ihnen müssen Klarspüler und Regeneriersalz immer separat in die Spül­maschine gegeben werden − im Unterschied zu Multi­funk­tions­tabs, die diese Zusatz­stoffe bereits enthalten.

Klarspüler lässt das Wasser am Ende des Spülgangs gleich­mäßig am Geschirr ablaufen, das verhindert häss­liche Schlieren und Flecken. Die Enthärtungs­anlage der Maschine benötigt Regeneriersalz, um im Leitungs­wasser gelöstes Magnesium und Kalzium zu binden, das sich sonst als Kalkbelag auf dem Geschirr absetzen könnte.

Auch Essens­reste enthalten Magnesium und Kalzium. Sie zu entfernen, war bisher eine der wichtigen Aufgaben von Phosphaten in Maschinen­geschirr­spül­mitteln. Nun setzen die Hersteller statt­dessen unter anderem Zitrate ein, die Salze der Zitronensäure. Sie allein genügen nicht, betont Projektleiter Konrad Giers­dorf: „Zitrate helfen Kalkbeläge zu verhindern, aber wirk­lich erfolg­reich sind sie nur im Zusammen­spiel mit anderen Enthärter­substanzen.“

Einer versagt bei Kalk

Verkalkt. Fit (links) verhindert Kalkbeläge sehr gut, Somat gut, Sodasan schlecht.
Belegt. Der mit Lidl W5-Tab gespülte Teller glänzt, der mit Sodasan nicht.
Verfärbt. Mit Fit, Finish-Pulver und Norma läuft das Silber­besteck an.

Die richtige Mischung zu finden, ist offen­bar keine Zauberei: Im Test halten fast alle Geschirr­spül­mittel Kalkbeläge sehr gut bis gut ab. Vor allem mit den beiden Fit-Produkten kommen die Gläser wie neu aus dem Geschirr­spüler. Nur Sodasan Pulver fiel negativ auf. Bei der Belag­prüfung zeigten sich weiß­lich stumpfe Kalk­ablagerungen auf Gläsern und Tellern sowie Edelstahl­besteck. Das ist mangelhaft.

Starke Enzyme gegen Schmutz

Für die Reinigungs­kraft der Mittel spielt Phosphat nicht die zentrale Rolle. Um sie zu testen, brannten unsere Prüfer im Labor zum Beispiel Milchhaut in der Mikrowelle in Gläser ein, ließen Hack­fleisch, Pasta oder Crème brulée auf Tellern trocknen. Projektleiter Konrad Giers­dorf ist von den Spül­ergeb­nissen beein­druckt: „Viele umwelt­schonende Mittel reinigen wirk­lich gut. Das ist neu.“ In unserer letzten großen Unter­suchung von phosphatfreien Mono­tabs (test 8/2010) gelang es nur einem von neun Produkten, den Schmutz gut zu entfernen. Fünf reinigten damals mangelhaft.

Die Effizienz der meisten heutigen Phosphatfreien führt Giers­dorf auch auf neue, leistungs­starke Enzyme zurück: „Sie gehören zu den wichtigsten Schmutz­knackern.“ Hinreichend zugesetzt, entfernen sie Speisereste von Pasta ebenso wie einge­brannte Milchhaut erfolg­reich.

Sauber schon für 4 Cent

Die stärkste Reinigungs­kraft in der neuen Generation von Geschirr­spül­mitteln bietet das Pulver Domol von Ross­mann – für gerade einmal 4 Cent pro Spülgang. Hack­fleisch, Eigelb und Crème brulée löst es mithilfe seiner kraft­vollen Enzyme als Einziges sehr gut. Eine gute Wahl für sauberes Geschirr sind sechs weitere phosphatfreie Mittel. Die Finish-Tabs und der kräftig mit Phosphaten versehene Klassiker von Somat entfernen Speisereste dagegen nur mittel­mäßig.

Öko pur über­zeugt nicht

Einige Anbieter wie Ecover, Alma Win und Sodasan verzichten nicht nur auf gewässerbelastende Phosphate, sondern verwenden auch bevor­zugt pflanzliche und mineralische Rohstoffe. Ihre Leistung über­zeugt allerdings nicht. Ecover spült von den Ökomitteln noch am besten. Wirk­lich sauber wird Geschirr aber nicht. Es reinigt ähnlich mittel­mäßig wie Somat.

Gespült mit Tabs von Alma Win oder Pulver von Sodasan kommt Geschirr mit hartnä­ckigen Speiseresten fast so schmutzig aus der Maschine, wie es unsere Prüfer hin- einge­stellt haben. Milchhaut, Hack­fleisch, Eigelb, Pasta – hier versagen vor allem die Enzyme von Alma Win. Bei Sodasan fehlen sie gleich ganz. Es reinigt noch schlechter.

Umwelt geschont, Gläser kaputt

Sodasan schont die Umwelt mehr als alle anderen Mittel im Test. Dafür setzt es dem Geschirr und der Maschine zu. Nach der Dauer­prüfung zeigen sich deutliche Mängel: Glas­oberflächen sind irreparabel milchig weiß getrübt oder mit Korrosions­linien bedeckt. Edelstahl­besteck und Maschineninnenraum schil­lern bläulich. Mit haus­halts­üblichen Mitteln sind diese Beläge kaum zu entfernen.

Insgesamt zieht Projektleiter Giers­dorf aber ein positives Fazit: „Die besten Phosphatfreien im Test liefern eine über­zeugende Vorstellung. Der Anblick von sauberem Geschirr und der Durch­blick in Badegewässern sind heut­zutage kein Wider­spruch mehr.“

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