Zehn Programme, Sensorsteuerung, 3-in-1-Taste. Was Sie alles nicht brauchen, um glänzendes Geschirr zu bekommen.

Auch den Abwasch regiert heute ein Mikrochip. Eine Spülmaschine zu kaufen, ist deshalb fast so mühsam wie die Wahl einer Digitalkamera oder eines Handys. Immer mehr Funktionen, immer mehr Programme. Während das mechanische Programmschaltwerk früherer Generationen beim alten Eisen liegt, wacht der Mikrochip in der Tür der Maschine über Wohl und Wehe der Gläser und Teller, über Spül­dauer und Tempe­ratur. Das Neueste: Der Computer am Spül­be­cken entscheidet selbst, welches Programm das beste ist ­– glänzendes Geschirr in jeder Lebenslage. So dachten es sich die Entwicklungsinge­nieure. Und die Automatikprogramme waren geboren. Acht der neun Geschirrspüler im Test, die bis zu 650 Euro kosten, haben sie.

Weil die Automatik so eine gute Idee ist, haben wir sie erstmals in diesem Test auf Herz und Nieren geprüft. Ergebnis: In der Praxis bringen Standardprogramme mehr. Denn die sind mittlerweile so perfektioniert, dass schon Spül­maschi­nen ab 330 Euro „sehr gute“ Reinigungsleistung bei geringem Stromverbrauch bieten (siehe Testkommentare, Tabelle: Klick auf Produktname).

Alles nach Norm geprüft

Geschirrspüler Test

Die Grafik gibt an, welche Geschirrteile mit welcher normierten Verschmutzung bei der Prüfung jeweils zum Einsatz kommen.

In unserem Prüfstand ist nichts dem Zufall überlassen. Penibel steht das Normgeschirr (Marke Arzberg) in Reih und Glied im Geschirrkorb. Es wird speziell für die Spülmaschinentests angefertigt, Kostenpunkt: 770 Euro pro Satz. Die Raumtemperatur liegt bei 23 Grad, Wasserhärte und Zulauftemperatur sind stabil. Der Spülversuch beginnt. Jeder Temperaturanstieg in der Maschine wird gemessen, jeder einfließende Wassertropfen gezählt. Nach dem Versuch spuckt der Farbdrucker fein säuberlich die Fieberkurven moderner Geschirrspültechnik aus: Die roten, blauen und grünen Linien zeigen unseren Spezialisten, wie die Spülmaschine programmiert ist, ob hohe, energiefressende Temperaturen den Schmutz lösen, oder lange Programme den Enzymen der Reinigertabs Zeit geben, die Essensreste Schicht für Schicht abzunagen. Auch die Anschmutzung wird nach Norm zubereitet, ob angebrannte Milch, Hackfleischreste oder Spinat, die zwei Stunden bei 80 Grad eintrocknen. Nach dem Spülen wird jedes Glas, jeder Teller und jede Gabel einzeln abgemustert – allein für diesen Test 28 000 Teile. Schmutzreste werden akribisch vermerkt.

Der erste Testlauf widmet sich dem so genannten Vergleichsprogramm. Meist heißt es „Eco 50 °C“, manchmal auch anders (siehe Tabelle), doch immer ist es das wichtigste Programm. Nur für dieses gilt nämlich das Energylabel. Wer sich eine AAA-Maschine kauft, weiß: Bei geringem Energieverbrauch sind Reinigungsleistung und Trocknung spitze. In der Theorie zumindest. Beim Ariston LD 87 für 500 Euro bleiben trotz AAA-Kennzeichnung deutlich sichtbare Schmutzklümpchen aus dem Spülwasser auf dem Geschirr. Sogar vorher sauberes Besteck kommt verschmutzt aus der Maschine. Das ist glatt „mangelhaft“, unsere schlechteste Note. Alle anderen Maschinen dagegen reinigen „gut“ bis „sehr gut“ in diesem Programm – kein Etikettenschwindel, sondern Höchstleistung bei niedrigem Verbrauch. „Das Energylabel-Programm“, sagt unser Testleiter, „ist in fast allen Fällen die richtige Wahl. Das Geschirr wird richtig sauber, und der Stromverbrauch ist meist sehr niedrig“. Im Normalfall kaum mehr als eine Kilowattstunde – nur die Bauknecht GSFP 1987 (560 Euro) fällt aus dem Rahmen und schluckt sogar mehr als bei der Intensivreinigung.

Allerdings: Die Effizienz des Energylabel-Programms wird durch lange Laufzeiten von zwei bis zweieinhalb Stunden erkauft. Meist ist das aber kein Problem, denn alle Maschinen sind durch die Bank so leise, dass sie nur wenig stören. Die leisesten sind kaum noch zu hören.

Der Trick mit dem zweiten Tab

Geschirrspüler Test

Härtetest: Eingebranntes für die Tests im Intensiv-programm: Hackfleisch, Ei, Milch und Lasagne.

Danach gehts ans Angebrannte: Töpfe und Pfannen, Intensivreinigung. Hier zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zwischen den Gerätekonzepten der Anbieter. Bei der AEG/Electrolux-Gruppe, die auch die Quelle-Maschine produziert, werden nach der Devise „viel hilft viel“ zwei Kilowattstunden Strom und 25 Liter Wasser eingesetzt, zumindest bei der Elec­trolux ESF 6249 (510 Euro) auch mit „sehr gutem“ Erfolg. Bei der Bosch/Siemens-Gruppe, die auch das Otto-Gerät im Test herstellt, ist das Intensivprogramm dagegen mit rund anderthalb Kilowattstunden immer noch sparsam, Gleiches gilt für den Wasserverbrauch von 20 Litern. Trotzdem zeigen die Bosch SGS 47M22 (610 Euro) und die baugleiche Siemens SE 24M 274 (600 Euro) die beste Reinigungsleistung bei Töpfen und Pfannen. Der Trick dabei: Nach Gebrauchsanleitung wird hier ebenso wie bei der Bauknecht GSFP 1987 im Intensivprogramm einfach ein zweiter Tab vor dem Schließen auf die Innentür gelegt. So kann er schon beim Vorspülen wirken. Alle drei Maschinen reinigen deshalb im Intensivprogramm „sehr gut“.

Die Automatik schläft

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Zwei Stunden in den Trockenofen – dann nach Anleitung eingeräumt (im Bild der obere Korb).

Den höchsten Aufwand treiben wir beim Automatikprogramm: zwölf Testläufe, von viel Schmutz bis kein Schmutz. Wie reagiert die Automatik? Dreimal tragen wir 50 Prozent mehr Essensreste auf das Geschirr auf als die Normmenge. Spezielle Trübungssensoren in der Maschine müssten dem Mikrochip nun melden: mehr Trübung im Wasser, das heißt mehr Schmutz auf dem Geschirr. Also Wasser marsch, Heizung auf Höchstleistung. Danach läuft das Automatikprogramm dreimal mit Normschmutz, dreimal mit nur 50 Prozent. Jetzt könnte die Maschine Ener­gie und Wasser sparen.

Enttäuschendes Ergebnis bei den Bosch/­­Siemens-Geräten: Die Automatik schläft. Zwar immer sauberes Geschirr. Doch auch der Energie- und Wasserverbrauch ist immer gleich und deutlich höher als beim Energylabel-Programm. Erst als wir im letzten Durchlauf dreimal ganz sauberes Geschirr spülen, wacht die Automatik auf und regelt den Strom- und Wasserverbrauch herab. Immerhin.

Anders dagegen die AEG/Electrolux-Maschinen: Hier erkennt der Sensor Unterschiede und regelt die Reinigungsintensität entsprechend herunter. Allerdings liegt der Stromverbrauch auch bei nur halber Schmutzmenge deutlich über dem Energylabel-Programm. Da geht der Anbieter auf Nummer Sicher, doch der Komfort ist teuer erkauft. Ganz besonders gilt das beim letzten Spülgang mit sauberem Geschirr. Die Elektronik denkt: Wenig Trübung im Wasser heißt angetrockneter Schmutz – und stellt auf Intensivreinigung um. Auch das überzeugt nicht.

Nicht standfest genug

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3-in-1-Tabs haben den Markt erobert. Erstaunlich, denn sie sind teurer und wirken schlechter als normale Tabs (siehe test 2/03). 3-in-1-Tabs sollen Klarspüler und Salz überflüssig machen. Doch das klappt bestenfalls, wenn das Programm darauf abgestimmt und das Wasser nicht zu hart ist. Sonst drohen nasse Teller und fleckige Gläser. Eine 3-in-1-Taste an der Maschine ändert da nur wenig. Wer Bestleistung will, bleibt bei Pulver oder normalem Tab plus Salz und Klarspüler.

Verbesserungsbedarf gibt es auch bei der Standfestigkeit der Geschirrspülmaschinen. Alle Modelle im Test sind Standgeräte, die freistehend ohne Sicherung verwendet werden können. Überra­schen­des Er­gebnis unseres Tests: Werden beide vollbeladenen Geschirrkörbe gleichzeitig aus der Maschine herausgezogen, reicht schon eine zusätzliche Belastung von wenigen Kilogramm aus, zum Beispiel ein Kinderfuß auf der Tür, um die Maschine aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das bringt eine Menge Scherben und in unserem Test für sieben der neun Geschirrspülmaschinen nur eine „ausreichende“ Note bei der Sicherheit.

Weil die Maschinen aber vielfach nicht freistehend, sondern standsicher unter einer Arbeitsplatte verwendet werden, haben wir das nur „ausreichende“ Urteil für die Sicherheit nicht zum Anlass genommen, das ganze Gerät im test-Qualitätsurteil abzuwerten. Davon profitieren vor allem zwei Geschirrspülmaschinen mit „guter“ Gesamtnote: die Otto Han­seatic, die weitgeh­end baugleich mit den Testsiegern der Marken Bosch und Siemens ist, aber einen Hunderter weniger kostet (500 Euro). Und die Beko GS 5543, ein Newcomer auf dem deutschen Markt, der durch ein erstaunlich gutes Preis-Leistungs- Verhältnis besticht (330 Euro).

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