Bisher waren klassische Tabs billiger und auch besser als 3in1-Tabs. Die haben nun aufgeholt. Drei spülen sogar gut und günstig. Gewinner ist aber das teure Somat.

Die Anbieter von Maschinenge­schirrspülmitteln – im Fachjargon MGSM abgekürzt – ringen um Marktanteile. Mal darf sich Henkel mit seinen Somat-Produkten über wachsende Umsätze freuen, mal hat Reckitt-Benckiser mit Calgonit die Nase vorn. Große Discounter wie Aldi, Schlecker, Plus und Lidl mischen kräftig mit, auch ihre Lieferanten. Immer wieder kommen neue Rezepturen auf den Markt. Der Kunde muss sich umorientieren, weil er sein gewohntes Mittel im Geschäft nicht mehr bekommt. Pulverreiniger und klassische Tabs findet er nur noch selten. Stattdes­sen viele 3in1-Tabs. Für diese „Alleskönner“ geben die Käufer schon am meisten aus, ersparen sich so das lästige Nachfüllen von Klarspüler und Enthärtersalz.

Vor zwei Jahren war es noch ein klarer Vorteil, zu den Tabs Klarspüler und Salz separat in die Geschirrspülmaschine zu geben (Baukastenmethode). Das Ergebnis war einfach besser und obendrein waren sie auch billiger als die Kombis. Ob das auch heute noch so ist, sollte dieser Test mit ­20 Geschirrreinigern zeigen.

Calgonit schlechter als Somat

Geschirrspül-Tabs Test

Für Geschirrspülmittel geben deutsche Verbraucher im Jahr rund 330 Mio. Euro aus.

In der neuen 3in1-Generation sind längst noch nicht alle „Kinderkrankheiten“ auskuriert, selbst bei einer so bedeutenden Marke wie Calgonit nicht. Seine Powerballs 3in1 sind insgesamt nur „befriedigend“. Das Silberbesteck sah nach dem Spülmarathon so aus, als wäre es gerade ausgegraben worden: tiefdunkel angelaufen. Nur durch kräftiges Reiben mit einem Silberputzmittel ließen sich die Beläge wieder auspolieren. Als Einziger im Test kassierte Calgonit dafür im Silberschutz ein „Ausreichend“. Deutlich sanfter gehen die anderen Kombitabs mit Omas Erbstücken um. Viele sind jetzt so schonend wie herkömmliche Reiniger (siehe Tabellen: Prüfpunkt „Materialschonung“). Davon profitieren auch Gläser. Nach 300 Spülgängen sahen wir kaum Glaskorrosion in Form von Streifen oder Trübungen – am wenigsten bei den Gläsern, die mit den drei Somat-Tabs und mit fit Speedy gespült wurden. Diesen Reinigern kommt ihr eingebauter Glasschutz zugute.

Vorsicht ist allerdings bei aufgedruckten Dekoren auf Tellern und Gläsern geboten. Die verblassen mit der Zeit. Bei manchen Reinigern waren sie am Testende sogar komplett verschwunden. Weniger aggressiv zeigten sich nur die Somat Solotabs und Somat 3in1. Wer zu Hause schon nach wenigen Spülgängen Veränderungen am Dekor bemerkt, sollte solche Teile besser mit der Hand spülen.

Insgesamt hat sich vieles zum Guten entwickelt. Fast die Hälfte der Geschirrspül-Tabs beendete den Spülmarathon mit „guten“ Qualitätsurteilen. Somat bietet überall Glanzleistungen: Bester Tab bei den 3in1 und bei den Solos. Also zwei zu null für Somat. Obendrein reinigt Somat 2in1 von allen geprüften Reinigern am besten. Ein Manko gibt es aber: Die Tabs von Henkel sind richtig teuer. Ein Spülgang mit ihnen kostet 12 bis 19 Cent.

„Mangelhaft“ für 3in1 von Wal-Mart

Geschirrspül-Tabs Test

Dunkle Beläge lassen Silber schnell alt aussehen.

Billiger, wenn auch nicht ganz so blendend gespült wird mit Markant/Minel 3in1, Penny/Reinny 3in1 und dem gleichen Rewe/ja! – für 8 Cent pro Ladung. So viel kosten auch die 3in1-Tabs von Wal- Mart, Smart Price genannt. Doch diese Tabs sind alles andere als smart. Sie blähten sich schon nach vierwöchiger Lagerung bei 40 Grad in der Folie auf, waren nicht mehr zu gebrauchen: „mangelhaft“.

Das Kalkproblem haben die Anbieter inzwischen im Griff. Alle 3in1-Tabs enthärten das Spülwasser mindestens genau so wie die Regenerieranlage der Spülma­schine, die meisten besser. Somat 3in1 ersetzt das Salz sogar perfekt. Und das auch bei hartem Wasser. Da trübt kein Kalkschleier das Auge des Betrachters, weder auf dunklem Geschirr noch auf Gläsern. Henkel ist es geglückt, die Enthärter (Phosphate und Polymere) so geschickt einzusetzen, dass die Kalzium­- und Magnesiumionen aus dem Wasser in der Lauge gebunden bleiben, statt sich als hässliche weiße Schicht niederzuschlagen. Die Enthärter in den normalen Tabs, die die Geschirrspülmaschine nur unterstützen sollen, schaffen das nicht so effektiv.

Klarspül-Ersatz noch nicht ausgereift

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Strahlender Glanz kommt nur, wenn Klarspüler und Enthärter richtig funktionieren. Wenn nicht, verunzieren flächige Beläge oder Wasserflecken das Geschirr.

Schwächen zeigten Kombitabs im Klarspülgang. Hier können die meisten mit der Baukastenmethode nicht mithalten. Besonders viele kleine runde Wasserflecken, Spots genannt, zieren die Gläser, wenn sie mit den alio-Tabs von Aldi (Süd), dm/denk mit und Edeka/Blütenweiss gespült werden. Auch hier macht Henkel wieder vor, wie es geht. Die Prüfer waren verblüfft, als sie das mit Somat 2in1 und 3in1 gespülte Geschirr in Augenschein nahmen. Es glänzte mit den Teilen, die mit Solotabs und separatem Klarspüler konfrontiert wurden, um die Wette.

Die Klarspülwirkung funktioniert so: Tenside vermindern die Oberflächenspannung des Spülwassers so stark, dass es an Gläsern und am Geschirr wie ein Film ablaufen kann, ohne Flecken zu hinterlassen. Bei der Baukastenmethode kommen die Tenside erst im Klarspülgang zum Zuge. Mit den 2in1- und 3in1-Tabs werden sie aber schon im Reinigungsgang eingespült, wenn der Tab sich im Spülwasser auflöst. Die Folge: Das meiste fließt zusammen mit dem Schmutzwasser in den Orkus. Damit fürs Klarspülen überhaupt noch genügend Tenside wirken können, müssen die Kombitabs erstens viel mehr Tenside enthalten und zweitens müssen die so eingebunden sein, dass sie bis zum Schluss „verschleppt“ werden. Die Lieferanten der 3in1-Tabs für Aldi Süd (Propack) sowie Edeka und dm (Chemolux) haben die optimale Formel dafür wohl bislang noch nicht gefunden.

Phosphate belasten Gewässer

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Wie Dekore verblassen: Neu und 300 Mal gespült mit Somat 3in1, Calgonit 3in1 und Edeka/Blütenweiss 3in1 (von links nach rechts).

Geschirrspültabs enthalten im Gegensatz zu Waschmitteln Phosphate. Das belastet die Gewässer und die Umwelt. Denn noch längst nicht alle Kommunen leiten ihr Schmutzwasser in der Kläranlage über eine Phosphatstufe, bevor es in Flüsse und Seen entlassen wird. Phosphate zum Geschirrspülen werden vom Umweltbundesamt aber notgedrungen geduldet, weil sie effektiver enthärten als Ersatzstoffe wie Zitrate (Salz der Zitronensäure) oder Polykarboxylate (Enthärter auf Erdölbasis). Dafür gibt es bei uns keine phosphathaltigen Waschmittel mehr – ein viel größerer Brocken. Das ist der Kompromiss.

Über 3 000 Geschirr- und Besteckteile

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Im grellen Kunstlicht der Blackbox lassen sich Spülschäden am besten erkennen.

Wie gut die geballte Chemie hartnäckigem Schmutz zu Leibe rückt, prüften wir mit einem riesigen Berg dreckigem Geschirr. Mehr als 3 000 Teller, Tassen, Gläser und Besteck wurden mit all dem angeschmutzt, was zu Hause für alltäglichen Ärger sorgt: verkrustetes Hackfleisch, festgeklebte Reisstärke, eingetrocknetes Eigelb, Ränder von schwarzem Tee, Haferflocken und angebrannte Milch. Im Großen und Ganzen werden alle Reiniger mit den Essensresten fertig – die Solisten genauso wie die im Duo oder Trio. In der Reinigungswirkung erreichen die Tabs nur „gute“ und „befriedigende“ Urteile. Der Unterschied hat mit der Qualität der einzelnen Rohstoffe zu tun.

Wenn die Enzyme versagen

Am besten reinigt Somat 2in1, am schlechtesten Wal-Mart/Smart Price 3in1. Beim 3in1-Tab von dm fielen besonders Stärkereste auf, zu viel Eigelb klebte noch am Geschirr bei Wal-Mart/Smart Price 3in1 und den Solotabs von Penny/Reinny und den gleichen Rewe/ja!. In diesen Fällen haben die Enzyme versagt. Das sind kompliziert aufgebaute Eiweißkörper, die stärke- und eiweißhaltige Speisereste angreifen. Sie spalten die großen wasserunlöslichen Moleküle in kleinere, wasserlösliche. Dann kann der Sprühstrahl der Geschirrspülmaschine sie wegputzen.

Wenn das nicht so recht klappt, sind die Enzyme entweder von Hause aus mies, nicht hoch genug dosiert oder veraltet. Lagern die Tabs zu lange, verlieren sie einen Teil ihrer Reinigungskraft. Deshalb lohnt es sich, in Geschäften mit schnellem Warenumschlag zu kaufen. Das mindert das Risiko, Überlagertes nach Hause zu tragen. Auf große Vorräte sollte man auch lieber verzichten.

Teetrinker aufgepasst

Nicht nur Enzyme altern. Auch Bleichmittel wie Perkarbonate zersetzen sich mit der Zeit. Sie können dann Farbiges wie Tee oder Lippenstift nicht mehr so gut ablösen. Dass das ansonsten vorbildliche Somat 3in1 viel mehr Teeränder in den Porzellantassen zurücklässt als die anderen Tabs, hat aber einen anderen Grund: Sein eingebauter Glasschutz setzt der Bleiche zu. Was gut ist für die Gläser von Genießern kalter Getränke, ist schlecht für Teeliebhaber, das heißt für ihre Tassen. Das zeigt, wie kompliziert das Zusammenspiel der verschiedenen Wirkstoffe ist. Reinigertabs enthalten chemische Substanzen, die sich nicht wirklich vertragen. Die Kunst besteht darin, sie so zusammenzubringen, dass sie möglichst wenig „wandern“, nicht mit anderen Komponenten reagieren. Im Fall von Somat kann das Kaffeetrinkern egal sein. Ihre Becher werden sauber. Teegenießer müssen ihre Tassen entweder nachspülen, den dunklen Belag als Patina begreifen oder zu einem anderen Tab greifen.

Die Kosten

Halten wir fest: Beim Enthärten, in der Reinigungsleistung und im Materialschutz können viele 3in1-Tabs mit Solotabs mithalten, in der Klarspülwirkung nur die Spitzentabs von Somat. Bleibt die Frage nach den Kosten. Der billigste „gute“ Solotab von Schlecker kostet 6 Cent. Hinzu kommen etwa 3 Cent für den separaten Klarspüler und den Enthärter. Macht zusammen 9 Cent. Das ist ein Cent teurer als ein Spülgang mit einem billigen „guten“ 3in1-Tab. Anders sieht die Rechnung für Somat aus: Mit dem Solotab ist Spülen günstiger als mit Somat 3in1.

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