Einfach Geld zu schenken, ist langweilig. Origineller sieht eine Aktie aus. Doch dieses Geschenk hat seine Tücken.

Die Zeit drängt. Nur noch eine Woche ist es bis Weihnachten, und für die liebe Nichte muss unbedingt noch ein Geschenk herbeigezaubert werden: Originell soll es sein, nicht allzu teuer, und irgendwie soll es etwas hermachen. Wie wäre es also mit einer Aktie?

Leichter gesagt als getan. Die erste Hürde sind die Banker hinterm Tresen. "Nicht so sinnvoll", bewertet einer meine Geschenkidee; "aus pädagogischer Sicht bedenklich", mäkelt eine andere. So recht begeistert klingt niemand, egal, ob ich bei der Allgemeinen Deutschen Direktbank oder der Citibank, bei der Deutschen Bank 24 oder der Hamburger Sparkasse nachfrage.

Die zweite Hürde sind die Kosten: Das Drumherum kommt nämlich teurer als das eigentliche Präsent. Nahezu alle Kreditinstitute und selbst Direkt- und Internetbanken verlangen für den Kauf eine Mindestgebühr zwischen meist 20 und 50 Mark. Beim späteren Verkauf würde die Gebühr noch mal anfallen. Erst bei größeren Anlagebeträgen von mehreren Tausend Mark greifen günstigere Provisionsregeln.

Obendrauf kommen noch Spesen bis zu 10 Mark und eventuell ein Obolus für die Erteilung eines Kurslimits. "Insgesamt müssen Sie mit etwa 50 Mark an Gebühren rechnen", bedauert Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Ein Fünfziger für den Kauf einer Aktie, deren Kurswert ­ wie bei BASF oder Commerzbank ­ rund 40 Mark beträgt? Das sprengt den Rahmen kaufmännischer Vernunft.

Ein Trost, zeitlich bin ich noch im Rahmen. Die Order wird rechtzeitig zum Weihnachtsfest klappen ­ wenn ich mich mit einem Computerausdruck begnüge, dessen kühles Aussehen an die Mietabrechnung meines Hauswirts erinnert. "Den Ausdruck können Sie ja nett verpacken", wird mir als Tipp mit auf den Heimweg gegeben, um auch diese dritte Hürde zu überwinden.

Auf die nahe liegende Idee eines ansprechenden Geschenkgutscheins scheint hierzulande im finanziellen Einzelhandel noch kein Unternehmen verfallen zu sein.

Für den Erwerb bleibt schließlich eine letzte Hürde zu überspringen: Meiner Nichte muss ein Depot eingerichtet werden. Dazu ist ­ bei Minderjährigen ­ die Einwilligung der Eltern notwendig. Sie müssen dafür in die Filiale kommen. Aber selbst für eine volljährige Nichte könnte ich kein Depot einrichten: "Aus steuerlichen Gründen", wird dunkel gemunkelt. So müsste meine Nichte persönlich vorbeischauen, mit ihrem Personalausweis, um ein Depot zu eröffnen, in das ich mein Aktiengeschenk packen könnte. Zwei Tage sollen zwischen Kauf und Lieferung ins Depot liegen. Die Depotgebühr, 15 bis 25 Mark pro Jahr, kann ich leider nicht vorab bezahlen. Sie werde rückwirkend erhoben, heißt es.

Will ich Schöneres als einen blassen Computerausdruck verschenken, bleibt mir nur die Bestellung einer "körperlichen" Aktie. Das macht Mühe und kostet pro Stück ­ je nach Bank und Wertpapier ­ bis zu 45 Mark, sagt ein Sprecher der Deutschen Börse. Die Order scheidet für Weihnachten allerdings aus. Es dauert einfach zu lange ­ zwischen drei und vier Wochen.

Trotz meiner Hartnäckigkeit bremsen mich immer wieder die befragten Institute. Alle befragten Banker verweisen auf die bessere Möglichkeit, einen Investmentfondsanteil zu verschenken. Die Nebenkosten seien geringer, und auch wegen der besseren Risikostreuung sei ein Fondsanteil für die Nichte die angemessene Geldanlage. Selbst das Deutsche Aktieninstitut, der Lobbyist schlechthin für die Aktie, riet vom Einzelkauf ab.

Eine andere Möglichkeit gäbe es nur noch, so DAI-Sprecher Dr. Franz-Josef Leven ­ für richtig reiche Onkel: Wenn dieser acht bis zehn verschiedene Aktien aus unterschiedlichen Branchen verschenkt, jeweils für 3.000 bis 5.000 Mark, stimmt die Risikostreuung. Auch die Gebühren bleiben dann im Rahmen. Aber wer hat schon einen reichen Onkel, der Aktien verschenkt?

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