Geschäftsversicherung Test

Nicht nur der Gastwirt braucht die richtige Police. Auch Einzelhändler, Handwerker und Firmen müssen ihr Geschäft versichern.

Steht ein Unternehmen zum Beispiel durch einen Brand still, dann ist die richtige Versicherung überlebenswichtig. Der Preisvergleich macht Mühe, aber er lohnt sich.

Der Gastwirt braucht sie, der Bäcker auch, der freiberufliche Architekt, der Einzelhändler, der Schuhmacher, der Lampen-Fabrikant, der Installateur. Kurz: Kein Geschäft ohne Geschäftsversicherung.

Doch der Wirt braucht nicht den gleichen Schutz wie der Fabrikant. Der Architekt muss sich nicht genauso versichern wie der Einzelhändler. Die Versicherungswirtschaft bietet unter dem Oberbegriff Geschäftsversicherung eine ganze Palette von Policen für die Selbstständigen an.

Jedes Unternehmen kann sich seinen Versicherungsschutz individuell zusammenstellen. Eine Auswahl der wichtigen Geschäftsversicherungen zeigt die Tabelle „Wichtige Policen“.

Vor seiner Entscheidung muss sich jeder Kunde drei Fragen beantworten: 

  • Welcher Schutz ist zwingend notwendig? Ohne diese Police wäre im Schadensfall seine Existenz zerstört.
  • Welcher Schutz ist ratsam? Fehlt der Schutz, wäre im Schadensfall die Existenz des Kunden bedroht.
  • Welcher Schutz ist entbehrlich? Diese Versicherung deckt nur ein kleines Risiko ab oder der Kunde kann einen möglichen Schaden selbst tragen.

Finanztest hat Angebote für eine Geschäftsinhaltsversicherung, eine Betriebsunterbrechungsversicherung, eine Versicherung gegen Glasbruch sowie für eine gegen Elementarschäden untersucht. Als Beispiele haben wir je eine Gaststätte und ein Textilgeschäft in Erlangen und Magdeburg gewählt. Denn ein pauschaler Vergleich ist nicht möglich. Die Preise sind je nach Art, Branche und Ort zu unterschiedlich.

Mithilfe unserer Modelle bekommen Kunden eine Preisvorstellung. Dann sollten sie möglichst viele Angebote einholen, um die günstigste Police für ihren Betrieb zu finden.

Die Geschäftsinhaltsversicherung schützt die gesamte Betriebseinrichtung wie Maschinen, Möbel, Büro- und Werkstatteinrichtung, Werkzeuge, Personalcomputer einschließlich der Programme, Dekorationen, Waren und Verpackungsmaterial. Die Versicherung zahlt bei Schäden durch Feuer, Einbruchdiebstahl und Raub, Leitungswasser sowie Sturm.

Der Kunde kann den Schutz gegen alle genannten Risiken im Paket als Vierfachkombination kaufen oder die einzelnen Bausteine nach seinem individuellem Bedarf zusammenstellen.

Für die Vierfachkombination für unser Modell-Textilgeschäft in Erlangen macht der Anbieter Rheinland mit einem Jahresbeitrag von 727 Euro das günstigste Angebot im Test. Der teuerste Anbieter im Test, die Hamburg-Mannheimer, verlangt 1 375 Euro. Für die Modell-Gaststätte in Magdeburg ist das Angebot der Gesellschaft ÖSA mit 811 Euro Jahresbeitrag am günstigten. Der teuerste Anbieter im Test, die Hamburg-Mannheimer, will 2 841 Euro.

Einbruch in der Nacht

Ein Muss für jeden Betrieb ist die Feuerversicherung. Denn er kann durch einen Brand, eine Explosion oder einen Blitzschlag völlig zerstört werden.

Unerlässlich ist auch die Versicherung gegen Einbruchdiebstahl und Raub. Sie zahlt beispielsweise, wenn sich ein Dieb in den Geschäftsräumen versteckt hält und nach Ladenschluss einschließen lässt, um in der Nacht in aller Ruhe das Geschäft auszuräumen. Auch Vandalismus nach einem Einbruch ist versichert.

Nicht versichert sind Ladendiebstähle. Macht ein Kunde während der Ladenöffnungszeiten lange Finger, nützt dem Besitzer seine Versicherung nichts.

Bevor der Versicherer ein Angebot für ein Geschäft oder einen Betrieb macht, erkundigt er sich nach den Einbruch- und Diebstahlsicherungen. Alle angegebenen Sicherungen müssen wirklich vorhanden sein, sonst zahlt der Versicherer nach einem Einbruch nicht.

Bargeld und Wertsachen, die beispielsweise in einem verschlossenen Schreibtisch aufbewahrt werden, ersetzt der Versicherer nur bis zu einer bestimmten Grenze. Im besten Fall sind es 3 000 Euro (Allianz). Für Geld, das in einem Geldschrank aufbewahrt wird, zahlen die Versicherungsgesellschaften bestenfalls 30 000 Euro.

Auch bei Raub, also Diebstahl unter Ausübung oder Androhung von Gewalt, erstatten viele Versicherer den Schaden nicht bis zur vollen Versicherungssumme. Meist sind es nur bis zu 25 000 Euro. Von den bundesweit tätigen Anbietern im Test zahlt nur die Axa nach einem Raub bis zur vollen Versicherungssumme.

Erstattungsgrenzen gibt es bei den meisten Anbietern auch für Schäden an Vitrinen, den Waren im Schaufenster oder an Sachen, deren Wert nur schwer zu ermitteln ist. Dies gilt beispielsweise für Kosten für die Wiederherstellung von Plänen oder Geschäftsbüchern. Die Versicherer zahlen dann pauschal bis zu einer bestimmten im Vertrag festgelegten Höhe (Pauschaldeklaration).

Die Versicherung gegen Einbruchdiebstahl und Raub ist am teuersten. Rund 70 Prozent beträgt ihr Anteil am Gesamtbeitrag für die Vierfachkombination.

An zweiter Stelle folgt die Feuerversicherung mit einem Anteil von 20 Prozent. Sturm- und Leitungswasserversicherung haben einen Anteil von zusammen 10 Prozent. Wer darauf verzichtet, spart also zusammen einen ge-ringen Teil des Beitrags, der für die gesamte Vierfachkombination fällig wäre.

Ersatz für entgangene Gewinne

Doch allein mit der Entschädigung für zerstörte oder beschädigte Sachen ist es nicht getan. Denn nach einem großen Schaden steht der Betrieb eine Zeit lang ganz oder teilweise still. Die meisten Fixkosten laufen jedoch weiter. Und der Ausfall von Umsatzerlösen ist oft größer als der Sachschaden.

Hier springt bei Ladengeschäften, kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben die Kleinbetriebsunterbrechungsversicherung ein. Sie zahlt für ­fixe Kosten und entgangene Gewinne, maximal ein Jahr lang. Sie kann nur zusammen mit einer Geschäftsinhaltsversicherung abgeschlossen werden, entweder mit der Vierfachkombination oder nur in Verbindung mit der Feuerversicherung.

Der Versicherer zahlt bei einer Betriebsunterbrechung aufgrund eines Schadens aber nur dann, wenn auch die Ursache des Schadens versichert war. Steht der Betrieb nach einem starken Sturm still, ersetzt die Kleinbetriebsunterbrechungsversicherung Fixkosten und entgangene Gewinne also nur, wenn der Kunde mit seiner Geschäftsinhaltsversicherung auch das Risiko Sturm abgedeckt hat.

Die Beiträge für eine Geschäftsinhaltsversicherung sind je nach Branche sowie Art, Ort und Größe des Betriebs extrem unterschiedlich. Fleischer und Schuhmacher zahlen rund 40 Prozent weniger als den durchschnittlich für eine Geschäftsinhaltsversicherung fälligen Beitrag. Maler, Schneider oder Installateure zahlen für den Versicherungsschutz ihres Betriebs rund 20 Prozent weniger als der Durchschnitt.

Bei Gaststätten tragen die Versicherer dagegen ein höheres Risiko. Deshalb ist der Beitrag rund 20 Prozent teurer. Ebenfalls rund 20 Prozent mehr als der Durchschnitt zahlen beispielsweise Parfümerien und Fotogeschäfte.

60 Prozent mehr als der durchschnitt­liche Jahresbeitrag kostet der Beitrag für ein Lederwarengeschäft oder ­eine Weinstube. Sogar 80 Prozent mehr als der Durchschnittsbeitrag kostet der Schutz für ein Textilgeschäft. Die höchsten Beiträge sind für Saunen und Solarien sowie Fitnesscenter und Kampfsportschulen fällig. Hier kostet der Schutz rund das 2,5fache des durchschnittlichen Jahresbeitrags.

Sehr wichtig für die Höhe des Beitrags ist auch der Ort. Die Versicherer haben Deutschland nach der Einbruchstatistik in Risikozonen aufgeteilt. So ist für eine Gaststätte, die in einer Zone mit dem größten Risiko liegt wie Magdeburg, der Beitrag doppelt so hoch wie für eine in einer Zone mit dem niedrigsten Risiko, zum Beispiel in Erlangen.

Auch die Größe des Geschäfts ist wichtig: Freiberufler, die nur ein Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung haben, brauchen keine Geschäftsversicherung. Für sie reicht eine Hausratversicherung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2940 Nutzer finden das hilfreich.