Geschäftskonten Test

Bernd Friedrich, selbstständiger Haushand­werker, hat sein privates Girokonto und das Geschäftskonto bei der Berliner Volksbank. Er hat seine Finanzen im Griff. Dennoch bemüht er sich seit über 18 Monaten vergeblich um ­einen Kontokorrentkredit von 500 Euro.

Ein Geschäftskonto kostet pro Monat zwischen 2,00 Euro und 19,90 Euro. Das ist aber nicht alles. Für viele Kontobewegungen zahlt der Kunde noch einmal extra.

Bernd Friedrich mag es ordentlich. Als er sich vor zweieinhalb Jahren als Haushandwerker selbstständig machte, richtete er bei der Berliner Volksbank neben seinem privaten Girokonto auch ein Geschäftskonto ein. Das ist gut so. Eine gesetzliche Pflicht, die Selbstständigen ein separates Geschäftskonto vorschreibt, gibt es zwar nicht. „Die ­saubere Aufteilung der jeweiligen Zahlungs­vorgänge ist gerade für Jungunternehmer sinnvoll“, sagt Gründungsberater Robert Chromow vom Weiterbildungsanbieter akademie.de. „Ihnen fällt es ­erfahrungsgemäß noch schwer, die betrieblichen und privaten Vorgänge klar zu trennen. Für eine einwandfreie Gewinnermittlung ist das jedoch unverzichtbar.“

Die Kontoeröffnung verlief bei Bernd Friedrich problemlos. Er musste sich mit dem Personalausweis legitimieren und die Gewerbeanmeldung vorlegen. Je nach Rechtsform des Betriebs kann die Bank aber auch einen Registerauszug oder die Steuernummer verlangen.

Für das Geschäftsgirokonto muss Bernd Friedrich 9 Euro im Monat bezahlen und je Buchung zusätzlich ­zwischen 10 Cent und 1 Euro, je nachdem, ob es sich um eine beleglose oder beleghafte Buchung handelt. Die Maestro-Karte ist kostenlos, 10 Euro muss er für das Kreditkartendoppel bezahlen.

Der Allroundhandwerker hat damit ein eher teures Geschäftskonto erwischt, wie eine Finanztest-Befragung von 61 Kreditinstituten ergab. Wir wollten wissen, zu welchen Konditionen und unter welchen Bedingungen ein frei­beruflich arbeitender Journalist und ein selbstständiger Architekt mit zwei Angestellten ein Konto eröffnen können.

Kleiner Vorteil für Freiberufler

Geschäftskonten Test

Detlev Davids, freiberuflicher Bildredakteur, hat mit seiner Frau Gabi ein Gemeinschaftskonto bei der Postbank. Da seine Frau ein festes ­monatliches Gehalt bezieht, war die Eröffnung problemlos. Der Dispokredit ist akzeptabel.

Gut 40 Prozent der befragten Banken eröffnen grundsätzlich nur Konten für Kunden mit regelmäßigem Einkommen. Ein Freiberufler hat trotzdem ein wenig mehr Auswahl als andere Selbstständige. Trotz fehlendem regelmäßigen monatlichen Geldeingang kann er bei einigen Banken ein normales Privatgirokonto eröffnen, obwohl sie kein Geschäftskonto anbieten. Das sind Citibank, comdirect bank, ING-Diba, Sparda-Bank Hamburg, Sparda-Bank West und Volksbank Main-Taunus. Diese Banken räumen unter Umständen dem Frei­berufler auch einen Dispokredit ein. Die 1822 direkt und die Sparda-Bank Hannover eröffnen zwar ein Konto, geben aber keinen Dispo.

Ein Privatgirokonto kostet eine monatliche Grundgebühr zwischen 2,50 Euro und 7,50 Euro. Mit der Grundgebühr sind meist alle Buchungen abgegolten.

Eine kostenlose Kontoführung ist ­selten möglich. Bei der Citibank etwa kostet das Konto nichts, wenn der Frei­berufler ein Guthaben von mindestens 2 500 Euro bei der Bank hat.

Geschäftskonten sind teuer

Bei rund der Hälfte (29) der befragten Banken kann unser selbstständiger ­Architekt ein Geschäftskonto eröffnen (siehe Tabelle).

Die Preisspanne ist groß. Sie reicht von monatlich 2,00 Euro (Geschäftskonto der Landesbank Baden-Württemberg) bis monatlich 19,90 Euro (Business Komfortkonto der Deutschen Bank, inklusive Zusatzleistungen). Die meisten Geschäftskonten kosten um 5 Euro im Monat.

Mit dem monatlichen Grundpreis sind aber keine Buchungsposten abgegolten. Meist kostet jede Buchung auf dem Konto extra, egal ob Ein- oder ­Auszahlung, Überweisung, Dauerauftrag oder Lastschrift. Nach Angaben der Banken zwischen 2 Cent und 2,50 Euro. Bei vielen Buchungen im Monat kann der Preis dafür die monatlichen Grundkosten sogar übersteigen.

Onlinebuchungen führen einige Banken kostenlos aus, oder sie sind billiger als Buchungen, die per Beleg in Auftrag gegeben werden.

Die Maestro-Karte kostet bei der Hälfte der befragten Banken extra (5 Euro). Wer eine Kreditkarte zum Konto haben will, muss um 20 Euro pro Jahr bezahlen.

Anders als andere Banken hat die Deutsche Bank die Konditionen für ­Geschäftskonten klar in vier Kontomodelle gegliedert. Die Varianten richten sich an verschiedene Nutzertypen (Anzahl der Transaktionen, Anzahl der Maestro- und Kreditkarten, Versicherungsleistungen). Das vierte Modell spricht einen exklusiven Nutzerkreis an (goldene Kreditkarten) und taucht deshalb nicht in der Tabelle auf.

Keine Richtlinien für Kredit

Die Kontoeröffnung ist für den Selbstständigen nur die erste Hürde. Die nächste ist der Kontokorrentkredit – das Pendant zum Dispo auf dem Privatgirokonto. Die Prüfung der Bonität des Kunden erfolgt dabei je nach Einzelfall (Mittelbrandenburgische Sparkasse), ist individuell (Vereins- und Westbank) und kann je nach Kunde variieren (Sparkasse Nürnberg).

Handwerker Bernd Friedrich hat seine Bank auch nach 18 Monaten Geschäftsbeziehung und einem diesjährigen Jahresumsatz von weit über 58 000 Euro nicht von seiner Kreditwürdigkeit überzeugen können. Dabei will er nur einen Spielraum von 500 ­Euro.

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