Germanwings Meldung

Nachdem eine Germanwings-Maschine über Frank­reich abge­stürzt ist, bekommen es manche Reisende mit der Angst. Kunden der Flug­linie Germanwings können jetzt ohne Kosten Flüge stornieren oder umbuchen. test.de erklärt, welche Rechte Reisende generell haben, wenn sie verunsichert sind und erst einmal keinen Flug antreten wollen.

Sonder­regeln für Germanwings-Kunden

Nach dem Absturz des Airbus A320 in Frank­reich können Germanwings-Kunden zukünftige Flüge kostenlos unter der Nummer 0 180-63 20 32 0 stornieren. Eine kostenlose Stornierung ist nach Auskunft der Flug­linie nur telefo­nisch und nicht über das Internet möglich. Die Regel gilt „bis auf weiteres“. Einem Bericht von Spiegel online zufolge lässt Germanwings nicht in jedem Fall eine Stornierung zu. Auf Nach­frage habe Germanwings jedoch erklärt, die Kulanz­regel groß­zügig hand­haben zu wollen.

Einen Teil des Geldes gibt es immer zurück

Grund­sätzlich gilt aufkommende Flug­angst – unabhängig von der Kulanz­regel bei Germanwings – aber nicht als Grund, einen Flug ohne finanzielle Folgen absagen zu können. Allerdings: Jeder Flug­gast, der einen Flug nach den üblichen Regeln storniert, bekommt zumindest einen Teil des Flugpreises zurück. Das gilt auch, wenn er den Flug aus persönlichen Gründen nicht antreten will. Die Fluggesell­schaften müssen dann zumindest Steuern und Flughafen­gebühren erstatten. Sie machen oft sogar einen erheblichen Teil des Ticket­preises aus. Einige Air­lines staffeln die Storno­kosten bei Flügen oder Pauschal­reisen. So erstatten manche immer weniger, je näher der Abflugtag rückt. „Ein Storno verursacht eben Kosten“, argumentieren die Air­lines. Deshalb gibt es nur einen Teil zurück. Immer häufiger gestehen Gerichte Flug­gästen aber auch den Rest des Ticket­preises zu. So etwa das Land­gericht Frank­furt im Juni 2014 (Az. 24 S 152/13). Auch die zum Teil saftigen Bearbeitungs­gebühren der Fluggesell­schaften wurden in einigen Fällen vor Gericht nicht anerkannt. Wer den vollen Preis zurück­fordert, muss aber mit Widerstand rechnen.

Air­lines müssen Kosten nach­weisen

Ein Passagier weniger spart der Air­line unter Umständen sogar Geld: Die Maschine verbraucht weniger Kerosin. Und wenn das Ticket noch weiterverkauft werden kann, würden sich die Kosten allenfalls auf den Verwaltungs­aufwand beschränken. Ob eine Über­buchung vorliegt, kann jeder Flug­gast selbst nach­prüfen: Zum Beispiel indem er nach dem Storno kurz vor dem Abflug der Maschine telefo­nisch bei einem Reisebüro nach­fragt, ob das Flugzeug ausgebucht ist. Ist das der Fall, hat seine Stornierung keinen oder nur einen geringen finanziellen Schaden verursacht. Die Fluggesell­schaft könnte das Ticket also erstatten. Spätestens vor Gericht müssen die Fluggesell­schaften nämlich genau abrechnen, welche Ausgaben sie hatten.

Die Reise­versicherung zahlt nicht

Die Reiser­ücktritt­versicherung hilft übrigens nicht, wenn ein Kunde einen Flug aus persönlichen Gründen wie etwa Flug­angst nicht antritt. Die Kosten erstattet der Versicherer nur, wenn andere Gründe vorliegen wie etwa eine plötzliche Erkrankung oder ein Unfall. In solchen Fällen ist zudem ein ärzt­liches Attest nötig zum Test von Reiserücktrittsversicherungen.

Eine Schlichtungs­stelle hilft

Kunden ohne Rechts­schutz, die im Fall einer Stornierung meinen, zu viel bezahlen zu müssen, können sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden. Die Schlichtungs­stelle nimmt jetzt auch Beschwerden von Flug­gästen an. Sie kann bei Streit wegen Storno­abzügen aber nur schlichten, wenn die Air­lines freiwil­lig mitmachen. Einen Versuch sollten Flug­kunden aber unternehmen: Das Schlichtungs­verfahren ist für sie kostenfrei, eine spätere Klage ist immer noch möglich.

Diese Meldung ist erst­mals am 25. März 2015 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 31. März 2015.

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