Germania-Insolvenz Das müssen betroffene Passagiere jetzt wissen

Germania-Insolvenz - Das müssen betroffene Passagiere jetzt wissen

Nachdem kürzlich bereits Air Berlin den Flug­betrieb einstellte, hat mit Germania nun eine weitere deutsche Air­line Insolvenz angemeldet. test.de erklärt, was das für betroffene Passagiere heißt, warum Pauschal­urlauber besser dran sind als Reisende, die direkt bei der Germania gebucht haben, und was Kunden tun können, die per Paypal oder mit einer DKB-Kreditkarte bezahlt haben. Außerdem informieren wir über güns­tige Sonder­konditionen für Germania-Kunden, die Eurowings und andere Air­lines anbieten.

Flug­betrieb einge­stellt

Nach Air Berlin steht mit Germania erneut eine deutsche Fluggesell­schaft vor dem Aus. Mehr als vier Millionen Passagiere fliegen jedes Jahr mit der Air­line. Ab sofort bleiben die Maschinen aber am Boden. Aus einer Pressemitteilung von Germania geht hervor, dass die Air­line am Montag, den 4. Februar 2019 beim Amts­gericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt hat. Der Flug­betrieb wurde darauf­hin in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 2019 einge­stellt. Für Flug­gäste, die ihr Flugti­cket direkt bei Germania gekauft haben, besteht aufgrund der aktuellen Gesetzes­lage kein Anspruch auf eine Ersatz­beför­derung. Pauschal­reisende können sich zur Organisation einer Ersatz­beför­derung direkt an ihren jeweiligen Reise­ver­anstalter wenden.

Pauschal­reisende sind besser geschützt

Pauschal­reisende, die Flug und Hotel gebündelt etwa über Thomas Cook oder Tui gebucht haben, können ihre Ansprüche beim Reise­ver­anstalter geltend machen. Laut André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutsch­land ist dieser verpflichtet, alle vereinbarten Leistungen zu erbringen. „Wie er das macht, ist dann seine Sache. Wenn eine Fluggesell­schaft insolvent geht, ist der Reise­ver­anstalter immer noch verpflichtet, den Vertrag zu erfüllen und den Verbraucher an sein Ziel zu bringen. Er muss den Verbraucher dann auf eine andere Air­line umbuchen.“

Veranstalter muss Reisesicherungs­schein ausstellen

Auch ein verbundenes Online­buchungs­verfahren führe zu einer Pauschal­reise. „Da ist dann kein klassischer Reise­ver­anstalter an Bord. Man bucht einen Flug auf der Seite einer Air­line und am Ende der Buchung kommt der Hinweis, dass man auch noch ein Hotel dazu­buchen kann. Folgt man dem Link der Hotelseite und bucht dort inner­halb von 24 Stunden ein Hotel­zimmer, sind wir wieder im Pauschal­reiserecht. Weitere Voraus­setzungen: Name, E-Mail-Adresse und Zahlungs­daten werden an die Hotel­buchungs­seite über­tragen.“ Dann wird die Air­line selbst zum Reise­ver­anstalter – und dabei kommt dem Betroffenen das europäische Pauschal­reiserecht zugute. Der Reise­ver­anstalter ist nämlich immer verpflichtet, sich gegen Insolvenz abzu­sichern und muss seinen Reisekunden schon bei Vertrags­schluss einen Reisesicherungs­schein ausstellen. Das gleiche gilt auch im umge­kehrten Fall, erklärt Schulze-Wethmar: „Sie buchen ein Hotel­zimmer und buchen über eine verlinkte Seite einen Flug. Ihre Daten werden von der ersten auf die zweite Buchungs­seite über­tragen. Wenn Sie den Flug inner­halb von 24 Stunden buchen, wird das Hotel zum Reise­ver­anstalter.“

Indivi­dualreisende bleiben auf Kosten sitzen

Wer keine Pauschal­reise, sondern sein Flugti­cket direkt bei Germania gebucht hat, bleibt wohl auf seinen Kosten sitzen. Entstandene Forderungs­ansprüche, die zum Beispiel bei Flug­ausfall, Flug­verspätung oder Gepäck­verlust entstehen, können nicht mehr direkt von Germania bedient werden. Schulze-Wethmar: „Die Betroffenen können ihre Forderungen erst im Insolvenz­verfahren beim zuständigen Insolvenz­verwalter anmelden. Dazu muss das aber erst mal eröffnet werden.“ Eine andere Chance bietet sich unter Umständen, wenn Kunden den Flugti­cket­preis per Kreditkarte gezahlt haben. „Dann sollten sie sich so schnell wie möglich mit ihrer Kreditkarten­bank in Verbindung setzen und über­prüfen, ob eine Rück­buchung des Geldes möglich ist.“ Denn sie können bei der Bank so lange wider­sprechen, wie die Zahlung noch nicht auf dem Konto der Air­line gutgeschrieben ist. Ab Insolvenz­antrag darf die Air­line keine Zahlungen mehr annehmen.

So können Sie doch noch Ihr Geld zurück­bekommen

Reklamation der Ticket­kosten bei der DKB.
Die Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) wirbt auf ihrer Website mit der Reklamation der Germania Ticket­kosten, wenn Betroffene ihr Flugti­cket mit der DKB-Visa-Card bezahlt haben. Voraus­setzung für eine Reklamation ist danach, dass Kunden den Flug entweder direkt bei Germania gebucht haben und diese die ausführende Fluggesell­schaft ist oder sie den Germania-Flug über eine Veranstalterplatt­form wie Expedia oder ein Reisebüro gebucht und keinen Sicherungs­schein erhalten haben. Im Reklamations­formular der DKB müssen Kunden dazu „Ware/Dienst­leistung (DL) nicht wie beschrieben oder defekt“ ankreuzen.

Laut Presse­sprecher Tobias Campino-Spaeing ist es darüber hinaus ausreichend, wenn die Betroffenen etwa eine Buchungs­bestätigung des Fluges vorweisen können. Den Antrag auf Erstattung müssen Kunden inner­halb von 100 Tagen nach geplantem Flug­termin oder der Mitteilung der Stornierung des Fluges bei der DKB einreichen. Die Abbuchung auf der DKB-Visa-Karte darf dabei nicht mehr als 540 Tage zurück­liegen.

Paypal-Käufer­schutz.
Indivi­dualreisende, die ihren Germania-Flug über ein Online-Portal wie Opodo.com oder lastminute.de gebucht und mit Paypal bezahlt haben, können wie gewohnt einen Antrag auf Paypal-Käufer­schutz stellen. Paypal-Sprecherin Sabrina Winter: „Der Kunde kann den Antrag inner­halb von 180 Tagen nach Vertrags­schluss stellen, das heißt inner­halb von 180 Tagen ab Buchung des Fluges über das Online-Portal.“ Germania selber hat die Zahlungs­option Paypal nie angeboten.

Rettungs­tarife von Eurowings und Condor

Eurowings und Condor bieten im Ausland gestrandeten Gästen der Germania stark rabattierte Konditionen für Rück­flüge nach Deutsch­land an, wenn der ausgefallene Germania Flug im Zeitraum vom 5.-28.02.2019 hätte statt­finden müssen. Betroffene Germania-Kunden können über die Seiten der Air­lines einen neuen Flug nach Deutsch­land buchen und erhalten im Nach­hinein 50 Prozent Rabatt auf den Flugti­cket­preis, wenn sie die entsprechenden Germania-Unterlagen und die Bestätigung des neu gebuchten Fluges bis Ende Februar einreichen. Die Luft­hansa, Swiss, Austrian Air­lines und Tuifly hatten bis zum 10. beziehungs­weise 15. Februar ein ähnliches Angebot.

Verbraucherschützer fordern besseren Insolvenz­schutz

Verbraucherschützer fordern ungeachtet dessen einen Insolvenz­schutz für Verbraucher bei Flug­buchungen. „Air­lines sind gesetzlich nicht verpflichtet, einen Versicherungs­schein auszustellen, der die Kunden im Fall einer Pleite absichert“, kritisiert Schulze-Wethmar. „Für Verbraucher wäre das aber ein großer Vorteil“. Passagiere, die einen Flug direkt über die Air­line buchten, gingen nach aktueller Rechts­lage in den meisten Fällen leer aus.

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Diese Meldung ist erst­mals am 5. Februar 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 15. Februar 2019.

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8 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 01.07.2019 um 12:24 Uhr
Ich habe bereits meinen Flugpreis durch meine Kred

@freidsa: Nach der Rechtsansicht der Stiftung Warentest liegt ein Fall von Unmöglichkeit nach §275 BGB vor, wenn die Fluggesellschaft vor Erbringung des Fluges Insolvenz anmeldet. Die Airline kann dann ihren Leistungsanspruch nicht mehr erfüllen. Damit verliert die Airline auch ihren Anspruch auf die Gegenleistung, also auf Zahlung des Flugpreises. Deswegen müssen Kunden, die ihren Flugpreis über die Bank bereits zurückbekommen haben, nicht zusätzlich im Insolvenzverfahren diesen Rückzahlungsanspruch geltend machen. (maa)

friedsa am 25.06.2019 um 15:46 Uhr
Anmeldung von Insolvenzforderungen

Ich habe bereits meinen Flugpreis durch meine Kreditkartengesellschaft erstattet bekommen. Ist die Anmeldung von Forderungen noch notwendig?

Profilbild Stiftung_Warentest am 23.05.2019 um 09:53 Uhr
Rückruf der Kreditkartenabbuchung

@schroe_s: Zwar dürfen die Kunden aller Banken einen per Lastschrift eingezogenen Betrag innerhalb von 8 Wochen zurückholen- wenn er falsch abgebucht wurde. Aber als die Reise gekauft wurde, lag ja keine fehlerhafte Abbuchung vor. Der Einzug per Lastschrift passierte aufgrund eines wirksam zustande gekommenen Beförderungsvertrag zwischen Germania (egal, ob direkt oder Opodo,usw.) und dem Kunden. An dem Vorliegen eines wirksamen Vertrages zum Kaufzeitpunkt hat die Insolvenz nichts geändert. Der Kunde bleibt zur Zahlung verpflichtet.
Erbringt die nun insolvente Germania wie zu erwarten nicht die Flugleistung, erwirbt der Kunde einen Anspruch auf Rückzahlung des Betrags aus § 326 Abs. 1 BGB. Das ist ein Sekundäranspruch. Der Kunde kann seinen Rückzahlungsanspruch gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen.
Opodo hat mit dem Rückzahlungsanspruch nichts zu tun. Nach Abschluss des Vertrages gibt das Portal die Kundengelder (abzüglich einer Provision) an Germania weiter. (maa)

schroe_s am 03.05.2019 um 09:28 Uhr
Buching bei Opodo mit Kreditkarte

Guten Tag,
wenn man sein Germania-Flug bei Opodo gebucht hat, scheint es davon abhängig zu sein, wie man diesen bezahlt hat.
Geschah das über Paypal oder mit einer Kreditkarte der DKB bekommt man sein Geld zurückgebucht.
Hat man dies mit einer Kreditkarte einer anderen Bank getan nicht.
Seltsam...
Meine Frage:
Warum ist dies abhängig davon welche Bank die Kreditkarte ausgestellt hat und wie regiert Opodo über das zurückbuchen des Geldes, wenn Paypal und die DKB dies für einen ihrer Kunden tun?
Gruß,
schroes_s

schroe_s am 03.05.2019 um 09:26 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.