Gericht untersagt Möbel-Höffner-Werbung Irreführung mit privatem Test-Urteil

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Gericht untersagt Möbel-Höffner-Werbung - Irreführung mit privatem Test-Urteil

Das „beste Möbelhaus“ ist vor allem eins: Irreführende Werbung. Das Landgericht Potsdam hat es Möbel Höffner untersagt, mit dem Testergebnis „Deutsches Institut für Servicequalität, 1. Platz, Bestes Möbelhaus“ zu werben. test.de informiert.

Möbelhaus im Siegestaumel

Auf das „Testurteil“ war Möbel Höffner mächtig stolz und rührte fleißig die Werbetrommel: „Deutschlands bestes Möbelhaus heißt Höffner!“, jubelte das Unternehmen im August 2009. Das „Deutsche Institut für Servicequalität“ (Disq) habe je 10 Filialen der 14 wichtigsten Möbelhändler getestet und Möbel Höffner habe am besten abgeschnitten, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens zur Veröffentlichung der Testergebnisse. Bis heute brüstet sich Möbel Höffner immer wieder gern mit der Auszeichnung. Allerdings: Das Test-Institut hat nichts mit öffentlich geförderten Einrichtungen wie etwa dem „Deutschen Institut für Marktforschung“ zu tun, sondern ist schlicht ein Privatunternehmen - ohne jeden öffentlichen Auftrag und mit beschränkter Haftung.

Dünne Prüfung

Auch inhaltlich und methodisch ließ der Möbelhaus-Vergleich der Privat-Tester zu wünschen übrig: Unterschiedliche Marktforscher beurteilten kaum objektiv fassbare Kriterien wie Qualität des Umfelds, Erscheinungsbild des Gebäudes, Raum-Atmosphäre, Kompetenzgrad und Qualifikation der Mitarbeiter. Testkäufe von Möbeln und Untersuchungen zur Lieferzeit und zur Preisgestaltung gabs nicht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband zog daher wegen irreführender Werbung vor Gericht. Jetzt hat das Landgericht Potsdam in erster Instanz geurteilt: Möbel Höffner darf mit der „Bestes Möbelhaus“-Plakette vom Disq nicht mehr werben.

Richtig testen

Begründung der Richter in Potsdam: Werbung mit Test-Ergebnissen ist selbstverständlich zulässig, aber nur, wenn die Untersuchung neutral und objektiv angelegt ist, sie sachkundig durchgeführt wurde und die Schlüsse vertretbar sind. In zahlreichen Streitigkeiten attestierten Gerichte aller Instanzen der Stiftung Warentest: Ihre Vergleichstests genügen den Kriterien.

Landgericht Potsdam, Urteil vom 6. Mai 2011
Aktenzeichen: 51 O 65/10, nicht rechtskräftig

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Classico am 06.06.2011 um 12:16 Uhr
Endlich mal ein Urteil

Das "Deutsche Institut für Servicequalität" ist eine gelungene Marketingmaschine. Da werde Medienpartner wie die Zeitschrift Focus gewonnen, die die Testergebnisse gratis bekommen und über Heft und Webseite bekannt machen, während die getesteten Unternehmen das teure Servicesiegel kaufen. Insofern ist es nichts anderes als Werbung.
Mich wundert, dass den Redakteuren offenbar nichts mehr peinlich ist. Wie kann man auf Basis von 10 Tests ein nur annähernd aussagekräftiges Ergebnis annehmen und es bedenkenlos veröffentlichen?
Ferner wundert mich, dass der Rat der Deutschen Marktforschung noch nicht eingeschritten ist, da hier die Methode Mystery Shopping genutzt wird, um Werbung zu machen. Mit Marktforschung hat das nur wenig zu tun.
Zu hoffen ist, dass auch in anderen Branchen derartige Urteile gefällt werden und dass Marketing-Leiter erkennen, dass dieses "Siegel" einer Marke schadet, statt sie aufzuwerten.

HorstL am 06.06.2011 um 10:19 Uhr
Nix besonderes

Wir waren an diesem Samstag seit langer Zeit mal wieder in Gründau bei Möbel Höffner. Warum man da was kaufen sollte wissen wir nicht. Genau dieselbe 08/15-Auswahl wie in jedem anderen Möbelhaus auch, nur in den meisten Fällen wesentlich teurer. Und stellenweise fühlten wir uns auch wie bei IKEA - nur, dass es dort auch wesentlich günstiger ist. Kein Wunder, wenn man dort mit Augenwischerei arbeiten muss um Kunden ins Haus zu bekommen.

doclovejoy am 05.06.2011 um 13:16 Uhr
Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing

Ich beobachte schon seit längerer Zeit Werbung mit diesem Siegel. Gleich am Anfang habe ich mich kurz informiert und bin zu den selben Schlüssen gekommen. Viele Firmen kleben sich Ergebnisse dieses Instituts auf ihre Webseite, Broschüren oder Fensterscheiben - der Aussagegehalt ist gleich null. Ich befürchte nur, dass es genug Leute gibt, die sich von solchen "Studien" leiten lassen.