Geplante Obsoleszenz Meldung

Wer die Lebens­dauer von Geräten wie Kühl­schränken, Fernsehern oder Handys gezielt verkürzt, muss mit bis zu zwei Jahren Haft und hohen Geld­strafen rechnen. Das legt das neue französische Energiewendegesetz fest. Auch in Deutsch­land diskutieren Verbraucher und Experten intensiv über das Thema geplante Obsoleszenz. Eine Studie dürfte die Debatte in Kürze neu entfachen.

Französisches Gesetz ist ein Papiertiger

Die gesetzliche Regelung in Frank­reich wirkt auf den ersten Blick wie ein großer Erfolg für Verbraucherschützer: Bis zu fünf Prozent des Jahres­umsatzes könnten einem Unternehmen abge­zogen werden, falls es dabei ertappt wird, dass es den Lebens­zyklus eines Geräts bewusst verringert. Doch selbst Initiatoren und Befür­worter dieses recht­lichen Vorgehens gegen Produkt­verschleiß räumen ein, dass es sich dabei um einen Papiertiger handelt: Im konkreten Fall dürfte es schwer sein, einer Firma nach­zuweisen, dass sie ihr Produkt vorsätzlich geschwächt hat – dass also andere Gründe wie versehentliche Fehl­leistungen oder konkurrenzbe­dingter Kosten­druck ausgeschlossen werden können. Insofern dient die Regelung wohl eher als symbolische Geste denn als juristisches Werk­zeug.

Stiftung Warentest zeichnet differenziertes Bild

Auch die Stiftung Warentest kam in ihrem Obsoleszenz-Special vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, dass sich der Vorsatz kaum belegen lässt. Zwar fanden die Tester diverse Beispiele, in denen Produkte unerfreulich kurz­lebig waren – auch entlarvten sie einige der Gründe, warum manche Geräte nicht lange durch­halten. Sie stießen aber auch auf Indizien, die den Verdacht widerlegten, dass Unternehmen bewusst den Verschleiß steuern: So ist mindere Produktqualität teil­weise schlichtweg darauf zurück­zuführen, dass viele Kunden gerne besonders güns­tige Artikel kaufen. Das verleitet manche Firmen dazu, nicht allzu hoch­wertige Bauteile einzusetzen – so können sie die Geräte güns­tiger produzieren und verkaufen. Doch oft verschleißen die Billigbauteile schneller als teurere Materialien. Selbst hoch­preisige Geräte erwiesen sich allerdings keineswegs als Garanten hoher Beständig­keit: Die Tester fanden mehrere vergleichs­weise teure Haus­halts­geräte, die in den Dauer­prüfungen der Stiftung Warentest versagten.

Bundes­amt-Studie mit Spannung erwartet

Auch das Umwelt­bundes­amt wies im März 2015 in einem Zwischenbericht zu einer groß angelegten Obsoleszenz-Studie darauf hin, dass Hersteller nicht allein für kurze Lebens­zyklen verantwort­lich seien. So kauf­ten viele Kunden ein neues Notebook oder einen neuen Fernseher, obwohl das alte Gerät noch voll funk­tions­fähig sei – einfach weil ein neues Modell moderner sei und bessere Features biete. Ende des Jahres will das Umwelt­bundes­amt die gemein­sam mit dem Öko-Institut und der Universität Bonn betriebene Studie abschließen. Spätestens dann dürfte auch in Deutsch­land heiß darüber diskutiert werden, ob es notwendig und sinn­voll ist, gesetzlich gegen Produkt­verschleiß vorzugehen.

Reparieren statt neu kaufen

Es muss nicht immer gleich ein neues Gerät sein, wenn das alte mal schwächelt. Für den Geldbeutel und die Umwelt ist es besser, das alte zu reparieren. Ob in Profi-Werk­stätten, Reparaturcafés zum Selbermachen oder in Online-Foren: Unterstüt­zung bei der Reparatur finden Verbraucher vieler­orts. test.de kennt einige hilf­reiche Anlauf­stellen (Special Obsoleszenz, Do-It-Yourself-Tipps), die das Retten strauchelnder Geräte ermöglichen. Zudem hat die Stiftung Warentest Reparaturdienste für Smartphones geprüft.

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