Interview: Gefahren der Gentechnik

Gentechnik im Essen Special

Die Agrarwissenschaft­lerin Jutta Jaksche ist Referentin für Lebens­mittel beim Verbraucherzentrale Bundes­verband. Sie befasst sich seit Jahren mit dem Thema Gentechnik in Lebens­mitteln.

Gefährdet gentech­nisch verändertes Essen die menschliche Gesundheit?

Über direkte Auswirkungen auf die Gesundheit können wir wenig sagen, dazu fehlen Lang­zeit­unter­suchungen. Die Gentechnik führt aber zu einem stärkeren Einsatz von Herbiziden. Und die gentech­nisch veränderten Pflanzen selbst produzieren gewollt Insektizide. Diese chemischen Mittel können gesundheitliche Schäden verursachen.

Wie wirkt sich die Gentechnik in der Land­wirt­schaft auf die Umwelt aus?

Herbizide und Insektizide gelangen in die Böden und ins Grund­wasser. Das ist eine große Gefahr. Gentech­nisch veränderte Pflanzen werden welt­weit immer mehr einge­setzt, sie verdrängen andere Sorten. Das schränkt die Pflanzen­vielfalt ein – die ist aber eine Versicherung gegen den Klimawandel.

Welche ökonomischen Folgen ergeben sich aus der Gentechnik?

Land­wirte geraten in wirt­schaftliche Abhängig­keit von großen Agrar­konzernen. Die verkaufen das patentierte Saat­gut und die passenden Herbizide. Lang­fristig kann sich diese Abhängig­keit auf die Angebots­vielfalt und die Lebens­mittel­preise auswirken.

Wie zuver­lässig ist das Siegel „Ohne Gentechnik“?

Auch wenn es keine absolute Garantie bietet, begrüßen wir es. Kunden wollen wissen, ob Tiere gentech­nisch verändertes Futter gefressen haben. Das Siegel tragen nur Produkte, bei denen dies weit­gehend ausgeschlossen ist.

Die Bundes­regierung fordert eine Kenn­zeichnungs­pflicht für tierische Produkte. Was halten Sie davon?

Im Koalitions­vertrag lassen sich da leicht Versprechungen machen. Das in Brüssel auch durch­zusetzen, dürfte aber schwierig werden. Die EU-Kommis­sion will die Regularien schließ­lich eher lockern als verschärfen.

Was bedeutet das geplante Frei­handels­abkommen zwischen EU und USA für den Lebens­mittel­markt?

Wir befürchten, dass dabei Verbraucherrechte Wirt­schafts­interessen geopfert werden könnten – etwa durch die Zulassung weiterer gentech­nisch veränderter Produkte.

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