Gemischte Geld­anlagen Special

Banken verkaufen gern gemischte Anlagen als Mittel gegen den Null­zins. Doch Kunden sollten sie nicht unkontrolliert laufen lassen. Hier lesen Sie, wie Sie in drei Schritten Ihre Geld­anlagen checken und deren Ausrichtung perfekt steuern. Hilf­reich dabei ist unser ständig aktualisierter Produktfinder Fonds. Und für alle, die es bequem haben wollen, haben die Experten von Finanztest die stress­freien Pantoffel-Portfolios entwickelt.

Daran sollten Sie Ihre gemischten Anlagen messen

Zum Jahres­beginn erhalten Anleger die Depot­auszüge ihrer Bank. Das ist der ideale Zeit­punkt, die Ausrichtung der Geld­anlagen zu über­denken und jede einzelne auf den Prüf­stand zu stellen. Leider ist die Erfolgs­kontrolle bei gemischten Geld­anlagen, in denen oft hohe Summen stecken, schwierig. Das nackte Jahres­ergebnis sagt hier wenig. Erst wenn Anleger auch das Risiko kennen, das sie einge­gangen sind, können sie abschätzen, was das Ergebnis wirk­lich wert ist. Wir haben berechnet, wie sich typische Aktien-Renten-Mischungen auf Jahres- und Fünf­jahres­sicht entwickelten. An diesen Ergeb­nissen können Anleger ihre gemischten Anlagen aus Aktien und Anleihen messen.

Der Rat der Finanz­experten vorab

Information. Es ist wichtig, den Aktien­anteil Ihrer gemischten Geld­anlage zu kennen. Nur so können Sie Ihr Risiko einschätzen. Fragen Sie bei Ihrer Bank nach der Aktienquote. Diese Information ermöglicht Ihnen den Direkt­vergleich mit einer Index­mischung aus Aktien und Anleihen (siehe unsere Grafik weiter unten).

Inventur. Wenn Sie beim Vergleich fest­stellen, dass Ihre gemischte Anlage der vergleich­baren Index­mischung jahre­lang weit hinterher­gelaufen ist, sollten Sie stutzig werden. Ein Argument, einen Fonds dennoch zu behalten, könnten sehr geringe Wert­schwankungen sein. In unserem Produktfinder Investmentfonds sehen Sie für alle bewerteten Fonds, welches Risiko sie hatten.

Risiko­einstufung. Wenn Sie bei Ihrer Bank als sehr vorsichtiger Anleger einge­stuft sind, werden Ihnen Aktienfonds nicht angeboten. Sie können nicht einmal einen kleinen Anteil eines globalen Aktien-ETF kaufen. Um unser Pantoffel-Portfolio aus Aktien- und Renten-ETF nach­zubilden, brauchen Sie in der Regel eine höhere Risikoklasse. Sprechen Sie den Bank­mit­arbeiter darauf an.

Schritt 1: Mischung ermitteln

Viele Anleger haben sich die Anlagen, oft hoch­trabend als Vermögens­verwaltung oder Vermögen­sport­folio bezeichnet, nicht selbst ausgesucht, sondern sind der Empfehlung ihres Beraters gefolgt. Am liebsten verkaufen die Banken haus­eigene Fonds und preisen sie als Ausweg aus der Null­zins­falle. Die Idee, Aktien beizumischen, ist völlig in Ordnung, nur gehören die verkauften Produkte meist nicht zu den besten. Um die Qualität der Vermögens­mischung beur­teilen zu können, müssen Anleger wissen, was genau in ihr steckt. Sie sollten dazu ihren Berater fragen, wie hoch der Aktien­anteil aktuell ist und in der Vergangenheit durch­schnitt­lich war. Bei Antworten wie „Das lässt sich nicht genau sagen“ oder „Das hängt vom Börsenklima ab“ sollten sie sich nicht abwimmeln lassen. Denn wenn ein Anbieter das Risiko seiner gemischten Anlage nicht beziffern will oder kann, steht der Kunde vor einer Black­box. Das ist nicht akzeptabel. Wer sich selbst über seinen Misch­fonds informieren will, findet im Internet reichlich Material. Das „Facts­heet“, ein meist monatlich aktualisiertes Daten­blatt auf der Internetseite der Fonds­gesell­schaft, gibt einen ersten Eindruck. Die Aufstellung aller Vermögens­werte steht im Halb­jahres- oder Jahres­bericht.

Schritt 2: Ergebnis vergleichen

Mit der Aktienquote der Geld­anlage vor Augen lässt sich das Jahres­ergebnis mit der allgemeinen Markt­entwick­lung vergleichen. Finanztest zieht dazu breit gefächerte Aktien- und Zinsindizes heran. Auf der Aktienseite ist das der MSCI World. Er enthält mehr als 1 600 Aktien aus 23 entwickelten Industrieländern. Eine gute Mess­latte für verzins­liche Anlagen in Euro ist der Barclays Euro Treasury Bond. Er bündelt mehr als 330 Staats­anleihen aus der Eurozone. In der Grafik unten zeigen wir, was verschiedene Mischungen dieser beiden Indizes im vergangenen Jahr und im Fünf­jahres­rück­blick gebracht haben. Daran müssen sich gemanagte Misch­fonds und Vermögens­verwaltungen messen lassen.

Ein Beispiel: Viele Kunden von Genossen­schafts­banken haben den Union Privatfonds Kontrolliert (Isin DE 000 A0R PAM 5) im Depot. Wie unser Test Anlageberatung gezeigt hat, war er bei den Volks- und Raiff­eisen­banken die häufigste Produkt­empfehlung. Der Fonds gehört mit einer Aktienquote von etwa 30 Prozent zu den eher vorsichtigen Misch­fonds. Eine vergleich­bare Index­mischung brachte im Jahr 2016 ein Ergebnis von 5,7 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren im Durch­schnitt 9,1 Prozent pro Jahr. Davon ist der Union-Fonds weit entfernt. Sein Jahres­ergebnis 2016 lag unter 2 Prozent, auf Fünf­jahres­sicht unter 6 Prozent pro Jahr. Da es sich bei den Renditen in unserer Grafik um die reine Index­entwick­lung handelt, müssen Anleger fairer­weise noch Kosten abziehen. Wenn sie dafür 0,5 Prozent pro Jahr ansetzen, kommen sie zu einem realistischen Ergebnis, denn so viel kosten im höchsten Fall börsen­gehandelte Indexfonds (ETF), die entsprechende Indizes abbilden. Dazu später mehr.

So viel brachten Aktien-Renten-Mischungen

Ihre gemischte Geld­anlage sollte zu Ihrem Risiko­typ passen. Bewerten Sie den Erfolg Ihrer Anlage anhand der Renditen dieser Mischungen aus interna­tionalen Aktien und Euro-Staats­anleihen. Kosten sind in diesen Index­mischungen nicht enthalten.

Gemischte Geld­anlagen Special

Verschiedene Aktien-Renten-Mischungen im Vergleich

Schritt 3: Alternativen prüfen

Nach allen Erfahrungen der Vergangenheit sehen die meisten Vermögens­verwaltungen und Misch­fonds im Vergleich zu den Index­mischungen alt aus. Wie sollen Anleger damit umgehen? Die Wert­entwick­lung einer Geld­anlage ist zwar der wichtigste, aber nicht der allein entscheidende Faktor. Manche Anleger finden möglichst geringe Wert­schwankungen sogar noch wichtiger. Um die Chancen und Risiken eines Misch­fonds einzuordnen, hilft ein Blick in unseren kosten­pflichtigen Produktfinder Investmentfonds. Wer die Wert­papierkenn­nummer (Isin) seines Fonds eintippt, kann schon vor der Bezahl­schranke sehen, ob er bewertet ist. Unsere Bewertung zeigt, wie gut sich ein Fonds inner­halb seiner Gruppe geschlagen hat. Anleger können auch für jeden Fonds fest­stellen, ob er zum Beispiel ein geringeres Risiko als die Index­mischung hatte. Falls der eigene Fonds schlecht abge­schnitten hat, lassen sich in unserem Produktfinder auch empfehlens­werte Alternativen desselben Anbieters finden.

Gut bedient mit Indexfonds

Für die meisten Anleger wäre es am sinn­vollsten, sich bei ihrer Vermögens­aufteilung an unserem Pantoffel-Portfolio aus zwei Indexfonds zu orientieren (Themenseite Pantoffel-Portfolio). Sie müssten sich dann nur auf eine Aktienquote fest­legen und das ursprüng­liche Mischungs­verhältnis jähr­lich oder noch seltener wieder­herstellen. Die beiden Bestand­teile unsere Pantoffel-Portfolios, jeweils ein ETF auf den Aktien­index MSCI World und auf den Barclays Euro Treasury oder einen anderen in Euro lautenden Renten­index, sind preis­wert und einfach über die Börse zu kaufen. Viele Bank­berater sehen aber ein Problem darin, eher vorsichtigen Kunden über­haupt Aktienfonds zu verkaufen. Diese Anleger sind in eine nied­rige Risikoklasse einge­stuft, zum Kauf eines Aktienfonds bedarf es einer deutlich höheren. So landen Anleger, die in mitt­lere Risikoklassen einge­stuft sind, oft bei Misch­fonds. Sie scheinen ihrem Profil am ehesten gerecht zu werden.

Verkauf von ETF bringt Banken kaum Provision

Aus unserer Sicht ist das Unsinn, denn über das Risiko entscheiden nicht die einzelnen Produkte, sondern die Zusammenset­zung des gesamten Depots. Man könnte also den zur Risiko­einstufung passenden Aktien­anteil mit einem MSCI-World-ETF füllen. Doch der Verkauf von ETF bringt Banken kaum Provision und ist deshalb in den meisten Filialen unbe­liebt. Außerdem glauben Anleger ihrem Berater nur zu gern, wenn er behauptet, dass Fonds­manager die Aktienquote der Vermögens­verwaltung recht­zeitig herunter­fahren, ehe es an den Börsen rappelt. In der Vergangenheit hat das allerdings höchst selten geklappt.

Leser­aufruf – unterstützen Sie die Finanztester

Finanztest plant eine ausführ­liche Unter­suchung zu gemischten Anlagen, die Banken ihren Kunden verkaufen. Wir würden uns über Ihre Unterstüt­zung freuen. Es geht um gemischte Fonds, oft als Vermögens­management oder Anlage­konzept bezeichnet. Schi­cken Sie uns bitte Kopien der Jahres­abrechnungen, gern auch für die vergangenen drei Jahre. Wir behandeln die Unterlagen streng vertraulich. Entweder per Post an: Stiftung Warentest, „Depot“, Lützowplatz 11-13, 10785 Berlin oder per E-Mail an depot@stiftung-warentest.de.

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