Geldmarktfonds Test

Geldmarktfonds schlagen schon jetzt die Tages- und Festgeld­angebote der meisten Filialbanken. Und ihre Rendite steigt womöglich weiter. Finanztest zeigt, welche Fonds gut sind.

Das Comeback der Geldmarktfonds ist in vollem Gange. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins seit Dezember 2005 von 2 auf 3 Prozent erhöht. Gleichzeitig haben die Renditen der Geldmarktfonds angezogen – stärker als die von Tages- und Festgeld.

Die Tagesgeld­renditen sind im Schnitt um 0,26 Prozentpunkte gestiegen, ergab eine Umfrage der FMH Finanzberatung aus Frankfurt am Main bei rund 50 Banken. Auch Marktführer ING Diba hat seinen Zins seit Dezember nur um 0,4 Prozentpunkte auf 2,65 Prozent erhöht (Stand September 2006). Topangebote der Geldmarktfonds halten da inzwischen mit.

Das Interesse an den Fonds ist groß. Die aktuelle Statistik des Bundesverband Investment und Asset Management zeigt, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres 8,65 Milliarden Euro neue Zuflüsse in Geldmarktfonds gingen. Das ist mehr als in Rentenfonds. Aus Aktienfonds ist sogar Geld abgeflossen.

Zum Überholen angesetzt

Geldmarktfonds Test

Seit November 2005 steigen die Zinsen. Die Grafik zeigt, wie schnell die Erträge der Geldmarktfonds nachziehen. Die Marktentwicklung ­veranschaulichen wir durch den 3-Monats-Euribor. Dies ist ein Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen.

Seit November 2005 steigen die Zinsen. Die Grafik zeigt, wie schnell die Erträge der Geldmarktfonds nachziehen. Die Marktentwicklung ­veranschaulichen wir durch den 3-Monats-Euribor. Dies ist ein Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen.

An die besten Tagesgeldrenditen reichen die Geldmarktfonds noch nicht heran, doch der Abstand ist nicht groß. Die On-linebank 1822direkt bietet 3,1 Prozent für Tagesgeld. Der AMB Generali Geldmarkt Euro hat in den vergangenen drei Monaten gut 0,7 Prozent erwirtschaftet, das sind aufs Jahr gerechnet rund 2,9 Prozent.

Die Mehrzahl der von uns untersuchten Geldmarktfonds liegt auf drei Monate gesehen wieder über 2 Prozent pro Jahr und damit deutlich über den Tagesgeldzinsen, die Banken im Durchschnitt bieten.

Besonders Kunden von Filialbanken, die nicht gewillt sind, im Internet ständig nach Schnäppchen zu suchen, bekommen wenig für Tagesgeld. Die Berliner Bank zahlt nur 1,60 Prozent pro Jahr für eine ­Einlage von 10 000 Euro. Ähnlich ist das ­An­gebot der Sparda West mit 1,65 Prozent Zinsen (Stand September 2006).

Ein Wechsel zu Geldmarktfonds bietet sich für Bankkunden mit niedrigen Tagesgeldzinsen daher an. Er lohnt sich selbst bei der Dresdner Bank, deren Fondsgesellschaft dit nur mäßig gute Geldmarktfonds im Angebot hat. Für ein Tagesgeld von 5 000 Euro gibt es hier derzeit 0,85 Prozent pro Jahr. Der dit-Dresdner Bank Geldmarktfonds Spezial A EUR hingegen hat in den vergangenen drei Monaten aufs Jahr gerechnet 2,4 Prozent gebracht.

Zuverlässige Rendite

Geldmarktfonds gibt es seit 1994. Sie investieren in kurzlaufende Wertpapiere. Als kurz gelten normalerweise Laufzeiten von höchstens zwölf Monaten. Am Geldmarkt handeln vorwiegend Banken, große Unternehmen und der Staat. Die Anleihen sind für gewöhnlich sicher und die Kurse wegen der kurzen Laufzeit stabil.

Die Renditen von Geldmarktfonds sind im Gegensatz zu denen von Tagesgeld leicht berechenbar, weil sie sich an der Marktentwicklung orientieren. Die Prozente für Tagesgeld senken oder heben die Banken häufig nach eigenem Ermessen.

Anteile an einem Geldmarktfonds können durchaus auch eine Alternative zu einem Festgeld sein. Dabei legt der Anleger sein Geld über einen, drei oder noch mehr Monate fest. Fondsanteile kann er indessen jederzeit verkaufen.

Wer bereits ein Fondsdepot hat, muss für einen Geldmarktfonds meist keine zusätzlichen Depotgebühren zahlen. Wird das Depot mit dem Geldmarktfonds erst eröffnet, können Kosten anfallen, etwa bei den Volksbanken und den Sparkassen: Deren Fondsgesellschaften Union Investment und Deka berechnen für ein Jahr 9,86 Euro beziehungsweise 10 Euro Depotgebühr.

Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, kassiert für jeden Fonds, der im Depot liegt, extra. Aber sie macht Ausnahmen: So gibt es die in der Tabelle genannten DWS Geldmarktfonds und DWS Geldmarkt Plus (Mindestanlagesumme 50 000 Euro) depotgebührenfrei. Auch andere Banken wie etwa die Commerzbank zeigen sich kulant.

Unterschiedliche Anlagestrategien

Einige Anbieter bieten mehrere Fonds zur Auswahl. Sie unterscheiden sich in Preis und Qualität und verfolgen oft unterschiedliche Anlagestrategien.

Die Fonds einer Gesellschaft, die eine bessere Rendite abwerfen, investieren oft in etwas riskantere Papiere. Wir beurteilen die Qualität der Fonds anhand der Dreijahreswertentwicklung.

Der Deka Geldmarkt: Euro TF mit einer Dreijahreswertentwicklung von 1,7 Prozent pro Jahr legt nur in sehr sicheren, von den Ratingagenturen mit Bestnoten für die Kreditwürdigkeit ausgezeichneten Papieren an. Der Deka-EuroFlex Plus TF dagegen mischt auch Anleihen mit gerade noch gutem Rating bei. Er erzielte in den vergangenen drei Jahren eine Rendite von 2,2 Prozent pro Jahr.

Höhere Chancen, höhere Risiken

Auch andere Gesellschaften kaufen Geldmarktpapiere niedrigerer Bonität, um eine höhere Rendite zu erzielen. In der Vergangenheit hat sich diesen Vorteil am auffälligsten die Investmentgesellschaft der Privatbank Hauck & Aufhäuser zunutze gemacht. Ihr Fonds H&A Universal-Geldmarkt steht, trotz mittelmäßiger Dreimonatsbilanz, an der Spitze unserer Tabelle. In den letzten drei Jahren hat er im Schnitt 2,6 Prozent jährlich erwirtschaftet.

Die Übersicht zeigt allerdings nicht, dass der Fonds im Oktober 2002 einen Verlust von 0,8 Prozent einfuhr. Damals flog er aus unserer Tabelle. Da Anleger Geldmarktfonds als sichere Parkmöglichkeit ansehen, nehmen wir nur solche Fonds auf, die über den Untersuchungszeitraum – die vergangenen drei Jahre – immer im Plus lagen.

Seit einem Monat ist der Fonds wieder drin. „Heute ist unsere Anlagepolitik konservativer und weniger risikofreudig als damals“, sagt Fondsmanager Heiko Wößner. Im Prospekt wurde eine Neuausrichtung aber nicht vermerkt. „Es ist keine grundsätzliche Änderung“, bestätigt Wößner.

Gebühren zehren an der Rendite

Ein weiterer Grund, warum nicht alle Geldmarktfonds brillieren, zeigt das Ende der Tabelle. Hier stehen vor allem Fonds, die viel kosten. Besonders sticht der Tabellenletzte, Fidelity II Euro Currency, heraus. Seine Dreijahresrendite liegt bei mageren 1 Prozent pro Jahr, die laufenden Kosten bei 1 Prozent. Auch der Carmignac Court Terme kostet 1 Prozent im Jahr. Würde er nur die Hälfte kosten, könnte er zu den zehn Besten zählen.

Im Vergleich zu anderen Geldanlagen sehen die Renditen der Geldmarktfonds eher bescheiden aus. Das war nicht immer so: Vor fünf Jahren brachte der Euro-Geldmarkt Plus von Activest in einem Jahr stolze 4,7 Prozent (Stand 31. August 2001), der Fonds von H&A schaffte sogar 6,4 Prozent. Steigen die Zinsen weiter, könnte es wieder eine reiche Ernte geben.

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