Geldkarte Meldung

Überwiegend kleine Beträge von durchschnittlich 2 Euro werden mit der Geldkarte bezahlt.

Mit der Geldkarte ist es einfach, kleine Geldbeträge an ­einem Automaten zu bezahlen. Nun werden auch die Zigarettenautomaten geldkartentauglich gemacht.

Totgesagte leben länger. Das könnte auf die Geldkarte zutreffen. An der Kasse im Supermarkt ist das Bezahlen mit dem kleinen goldfarbenen Chip auf der Maestro-Karte (früher: ec-Karte) zwar gefloppt. Denn nach der neuesten Untersuchung des Eurohandelsinstituts (EHI) akzeptierten von 100 befragten Geschäften nur vier die Geldkarte als Zahlungsmittel.

Aber beim Kauf am Automaten hat die Karte ihre Nische gefunden. Rund 36 Millionen Mal wurde nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) im Jahr 2002 mit der Geldkarte bezahlt. Dabei handelt es sich überwiegend um Kleinstbeträge von durchschnittlich 2 Euro, etwa für einen Park- oder Fahrschein am Automaten.

Nun verschafft das geänderte Jugendschutzgesetz der elektronischen Geldbörse neuen Schwung. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass Zigaretten am Automaten nur noch bekommen soll, wer mindestens 16 Jahre alt ist. Die Überprüfung des Alters kann über die Geldkarte erfolgen. Denn auf dem Chip stehen in Zukunft nicht nur der aufgeladene Geldbetrag, sondern auch Zusatzinformationen wie das Alter des Kartenbesitzers. Bis 2007 müssen alle Zigarettenautomaten umgerüstet sein.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller gibt es schon 50 000 Zigarettenautomaten, die Geldkarten akzeptieren. 2007 sollen es dann rund 550 000 Automaten sein.

Nicht in jeder Stadt

Steht ein Fahrgast vor einem Fahrkartenautomaten, bedeutet das noch nicht, dass er auch mit der Geldkarte zahlen kann. Der Verbreitungsgrad geldkartentauglicher Automaten ist sehr unterschiedlich (siehe Tabelle). Ob Verbraucher ein Bus- oder Straßenbahnticket mit der Chipkarte ziehen können, hängt zum Beispiel stark davon ab, welche Vertriebspolitik das regionale Verkehrsunternehmen verfolgt. Während in München rund 1 500 Fahrkartenautomaten einen Schlitz für die Geldkarte haben, kommen zum Beispiel in Wiesbaden Fahrgäste mit der Geldkarte nirgendwohin.

Auf den 5 000 Briefmarkenautomaten der Deutschen Post ist das Geldkartenzeichen immer anzutreffen. Und die Telekom hat alle ihre 13 500 neuen offenen Telefonsäulen geldkartentauglich gemacht.

Neben der Zahlung am Automaten soll der Geldkartenchip in Zukunft auch noch anders genutzt werden. Mittelständische Händler wollen damit eigene Bonuspunktesysteme aufbauen und so Payback und Happy Digits Konkurrenz machen. In Augsburg können Kunden mit der Geldkarte („Augsburgcard“) bei örtlichen Händlern schon jetzt Punkte sammeln.

Geplant ist außerdem, mit der Geldkarte sicher im Internet einkaufen zu können. Dafür brauchte jeder Kunde aber ein eigenes Kartenlesegerät. Und das kostet zwischen 50 und 100 Euro. Bis jetzt gibt es auch kaum Internethändler, die diese Zahlungsart anbieten.

Rückzieher einiger Banken

Gefahr droht der Verbreitung der Geldkarte allerdings aus Bankenkreisen. Im Jahr 2002 war der Geldkartenchip laut ZKA noch auf über 60 Millionen ec- und Bankkarten. Inzwischen bieten Kreditinstitute wie die Dresdener Bank die elektronische Geldbörse gar nicht mehr an. Nur 1,5 Prozent ihrer Kunden hatten die Karte regelmäßig benutzt. Banken wie die Deutsche Bank oder die Sparkasse Berlin packen den Geldkartenchip nicht mehr automatisch auf die Maestro-Karte, sondern nur noch auf Anfrage – gegen eine Jahresgebühr von 2,50 Euro.

Dieser Trend könnte aber wieder wechseln, wenn sich die Geldkarte tatsächlich als Raucherkarte für den Zigarettenautomaten etabliert.

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