Geldautomaten Meldung

Sparkassen und Direktbanken fechten den Kampf um Kundschaft jetzt am Geldautomaten aus: Sie machen die Nutzung ihrer Automaten für Fremdkunden immer teurer. Manche Sparkassen verlangen bereits 20 Euro, wenn Fremdkunden Geld abheben. Für Visa-Karten fremder Kunden sperren viele Sparkassen die Automaten nun sogar komplett.

Kostenlos Bargeld abheben – an allen Visa-Geldautomaten in Ländern mit Euro-Währung! Das verspricht die Direktbank ING-Diba ihren Girokonto-Kunden. Doch sie kann ihr Versprechen nicht mehr halten. Mehr als 80 deutsche Sparkassen haben ihre Automaten für die Visa-Karten von ING-Diba-Kunden gesperrt, obwohl die Geräte für den Visa-Einsatz bestimmt sind.

Oft trifft die Sperre auch Kunden anderer Banken wie beispielsweise Citibank, Volkswagen Bank oder DKB Bank. Diese Kreditinstitute betreiben selbst nur wenige Geldautomaten und geben ihren Kunden Visa-Karten, damit diese damit überall kostenlos Geld bekommen. Doch das klappt an immer weniger Geräten.

Viele Kartengebühren steigen heftig

An den Sparkassen-Automaten können Kunden fremder Banken zwar weiterhin Geld ziehen, doch sie müssen dafür eine ­andere Karte verwenden, etwa die Maestro-Karte. Kostenlos ist der Vorgang dann nicht, er kann sogar sehr teuer werden.

Die süddeutsche Sparkasse Laubach-Hungen verlangt zum Beispiel bis zu 20 ­Euro, wenn ein Kunde einer anderen Bank Geld abhebt. Die Rechnung geht an die Bank des Kunden. Sie kann die Kosten – je nach Kleingedrucktem – ganz oder in Teilen an den Kunden weitergeben.

Auch die Nutzung einer Mastercard kann neuerdings hohe Kosten verursachen. Seit diesem Jahr dürfen Automatenaufsteller von Fremdkunden direkt Gebühren kassieren – und tun es auch. Die Kreissparkasse im bayerischen Traunstein zum Beispiel verlangt von Fremdkunden bis zu 10 Euro, wenn sie mit der Mastercard Geld ziehen.

Solche Horrorgebühren sind im Kreditkartensystem der Firma Visa nicht möglich. Hier gilt ein fester Satz von 1,74 Euro für jede Abhebung. Bezahlen muss diesen Betrag die Bank, deren Kunde an einem fremden Automaten mit Visa-Symbol Geld zieht. Mehr zu nehmen, ist nicht erlaubt.

Dank der fixen Sätze können selbst Direktbanken attraktive Kontoangebote mit flächendeckender Bargeldversorgung machen und den Sparkassen Kunden abjagen.

Klar, dass die Sparkassen sauer sind. Sie stellen mit ihren 25 000 Geräten die meisten Geldautomaten in Deutschland. Zum Vergleich: Die ING-Diba betreibt etwa 1 300 eigene Automaten.

Das böse Wort „Schmarotzer“ machte in Sparkassenkreisen bereits die Runde. Offiziell spricht man von „Trittbrettfahrern“.

Die derart Angegriffenen entgegnen: Schon mit der Gebühr von 1,74 Euro machten die Sparkassen gute Gewinne. Eine ­Abhebung verursache in aller Regel nur Kosten von etwa 60 Cent.

Kein Ende des Kleinkriegs in Sicht

Das Landgericht München I hat der Sparkasse Ingolstadt kürzlich recht gegeben. Sie darf ihre Automaten für Visa-Karten von Direktbanken dicht machen. So etwas behindere nicht den Wettbewerb (Az. 9 HK O 9435/09).

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Die Direktbanken gehen in Berufung, schließlich bewerten andere Gerichte die Sperren kritischer und das Bundeskartellamt ermittelt noch. Die Behörde sieht die Möglichkeit, dass Sparkassen gerade auf dem Land den Markt so stark beherrschen, dass eine Gerätesperre doch wettbewerbsverzerrend und damit verboten sein könnte.

Das Unternehmen Visa hält sich aus dem Ärger raus. Auf Anfrage wollte die Firma nicht beantworten, ob eine Sperre nach den Visa-Regeln überhaupt zulässig ist.

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