Geldautomaten Meldung

Bundesweit nehmen „Skimming“-Attacken massiv zu: Kriminelle präparieren Geldautomaten so, dass sie an sämtliche Kartendaten gelangen, inklusive Pin.

Geldautomaten Meldung

Kriminalhauptkommissar Meinolf Votsmeier mit perfekt gemachten Blenden, die Skimming-Profis in Paderborn über Tastatur und Karteneinschub eines Geldautomaten gelegt hatten, um Kartendaten und Pin-Geheimzahl abzugreifen.

Plötzlich das Konto im Minus, der Dispo ausgereizt, die Auszüge zeigen Abhebungen im Ausland. So geht es Skimming-Opfern: Sie waren weder verreist, noch haben sie ihre ec-Karte verloren oder die Geheimzahl verraten. Sie haben einfach nur Bargeld gezogen, so wie immer.

Was sie nicht bemerkt haben: Der Geldautomat war manipuliert. Hochprofessionelle Banden bauen dort perfekt getarnte Hightech-Module ein, die die Kartendaten „abschöpfen“, daher der Ausdruck „Skimming“. Die Masche boomt: 2007 wurden bundesweit 459 Geldautomaten attackiert, im Jahr 2008 schon 809 – Tendenz steigend, so das Bundeskriminalamt (BKA). Viele Automa­ten trifft es mehrfach. 2008 zählte das BKA insgesamt rund 2 400 Fälle.

Die Täter bauen vor den Karteneinschub des Geldautomaten einen Aufsatz, der den Magnetstreifen ausliest. Oder sie montieren das Gerät schon am Eingang auf den Türöffner. Ein GSM-Modul funkt die Daten direkt an die Täter, die mit einem Laptop in der Nähe warten. „Die geben dann alles sofort ins Ausland weiter“, berichtet Karl-Heinz Segerer vom Bayerischen Landeskriminalamt. Dort stellen Komplizen Kartenkopien her. Teils wurde schon drei Stunden nach dem Skimming Bares abgehoben.

Geldautomaten Meldung

Blende mit Aufklebern für den Einsatz einer Minikamera

Blende mit Aufklebern für den Einsatz einer Minikamera

An die Geheimzahl kommen die Gauner, indem sie über der Tastatur des Geldauto­maten eine Blende mit einer Minikamera anbringen – passgenau, sodass sie nicht auffällt. Oder sie stülpen eine nachgebaute Tastatur über das Original. Gibt ein Kunde seine Pin ein, wird der Tastendruck sauber an die Originaltastatur weitergegeben, der Automat funktioniert wie immer und der Kunde merkt nichts – aber ein Chip hat seine Pin gespeichert. Erkennbar sind die Attrappen allenfalls daran, dass sie aufgesetzt sind, also etwas aus dem Gehäuse hervorstehen, während Originaltastaturen meist bündig mit der Oberfläche abschließen. Daher wird oft auch das ganze Board durch eine flächendeckende Blende mit Tastatur überdeckt.

Geldautomaten Meldung

Leiste mit der Attrappe eines Einschubs.

Leiste mit der Attrappe eines Einschubs.

Doch mitunter wird alles in großer Eile eingebaut. So fiel einem Augsburger Sparkassenkunden gleich der halbe Karteneinschub in die Hände, weil das Klebeband versagte. Einem Kölner fiel unterm Kartenschlitz ein feines Kabel auf. Das andere Ende steckte unter einem Reklameaufkleber, darunter saß der Chip.

Die Technik wird laufend verbessert: „Sobald eine Bank neue Sicherheitsvorkehrungen eingebaut hatte, reiste der Konstrukteur der Skimming-Geräte ein, schaute sich das an und änderte seine Geräte“, berichtet Staatsanwalt Martin Botzenhardt über Fälle im Münsterland. Ganz anders funktioniert der „lebanese loop“: Da legen die Täter eine Schlinge in den Kartenschlitz. Schiebt der nächste Kunde seine Karte ein, behält der Automat sie ein.

Geldautomaten Meldung

Grüner Aufsatz, den die Postbank als Anti-Skimming-Maßnahme montiert.

Grüner Aufsatz, den die Postbank als Anti-Skimming-Maßnahme montiert.

Nun schlägt ein anderer Kunde dem Opfer vor, die Pin nochmal einzugeben. Dabei späht er sie aus. Oder er hat die Tastatur leicht mit Öl bestrichen, sodass er sehen kann, welche Tasten gedrückt wurden. Ist das Opfer gegangen, zieht er die Karte heraus. „Bevorzugtes Ziel sind Automaten in Innenstädten, denn dort kann man in kurzer Zeit Hunderte Datensätze abgreifen“, berichtet Polizist Segerer. Oft montieren die Täter ihre teure Ausrüstung schon nach einer Stunde wieder ab.

Bargeld können sie mit den Kartenkopien allerdings nur im Ausland ziehen. Denn deutsche Debitkarten tragen ein Echtheitsmerkmal, das nur von hiesigen Automaten geprüft wird. Das Konto wird oft zeitgleich mit mehreren Karten in verschiedenen Ländern geplündert. Immerhin macht das die Beweislage einfach: Die Opfer waren nicht im Ausland – und schon gar nicht an zwei Orten gleichzeitig. In der Regel erstatten die Institute das Geld anstandslos. „Da der Kunde den Schaden nicht verursacht hat, muss die Bank ihn ersetzen“, erklärt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Beikommen will man dem Problem mit verstärkten Kontrollen der Automaten. Zusätzlich erhalten sie Anti-Skimming-Aufsätze. Auch das Rütteln, das viele Automaten beim Einzug und Ausgeben der Karte erzeugen, soll Skimming erschweren. Dagegen lassen Überwa­chungskameras die Täter völlig kalt. So wurden in einer hessischen Bank zwei Männer gefilmt, die in aller Seelenruhe den Automa­ten präparierten: ganz cool und ohne Maske. Eine Fahndung ist ihnen egal, glaubt die Polizei: Nach der Arbeit tauchen sie sofort ins Ausland ab.

Mehr zum Thema: Datenklau am Geldautomaten - So schützen Sie sich

Dieser Artikel ist hilfreich. 512 Nutzer finden das hilfreich.