Geldautomaten Meldung

Bei Kartenmissbrauch am Geldautomaten haftet meist der Kunde.

Erst freute sich Florian Hentschel*, als er im Briefkasten die Postbank-Karte fand: Prompt geliefert ­ und die persönliche Identifikationsnummer (Pin) war auch gleich dabei. Dann merkte er aber, dass der flotte Service einen Haken hatte: "Karte und Pin in einer Post ­ hätte der Zusteller zugegriffen, hätte ich das erst viel später am Kontoauszug gemerkt." Reichlich spät für eine Kartensperrung. Hentschels Nachfragen ignorierte die Postbank. Der Bundesverband der deutschen Banken stellte aber klar: "Bei solchen Fehlern haftet die Bank in vollem Umfang."

Vorwurf der Sorglosigkeit

So weit die Theorie. In der Praxis bleibt der Kunde aber oft auf dem Schaden sitzen, wenn Betrüger mit seiner Karte das Konto abräumen. Beim Streit um die Haftung errichtet die Rechtsprechung für Kunden Beweishürden, den Banken dagegen ebnet sie den Rechtsweg.

Eigentlich gilt: Wer etwas will, muss beweisen, warum er ein Recht darauf hat. Da die Bank nach Kartennutzung das Kundenkonto belasten will, müsste sie also im Streitfall belegen, dass die Karte vom Kunden benutzt wurde oder dass der Kunde fahrlässig einen Missbrauch ermöglicht hat. Dieser Beweis ist aber kaum zu führen ­ und so drehen viele Richter den Spieß einfach um: Vom Kunden wird eine schlüssige Darlegung verlangt, wie es zum unverschuldeten Missbrauch kommen konnte.

So unterlag beim Streit um Automatenabhebungen eine Kundin vor dem Amtsgericht Flensburg. Das Gericht befand, dass Unberechtigte mit einer gestohlenen Karte nur Geld ziehen könnten, wenn mit der Pin sorglos umgegangen wird (Az. 67 C 165/98), und befreite die Bank von der Beweislast. Die Pin sei eine sichere Sache.

Der Kundin gelang es nicht, das Gericht davon zu überzeugen, dass sie den Zettel mit der Pin nach Erhalt verbrannt hatte und die Zahl nicht weitergesagt hatte. Die Abbuchungen gingen schließlich zu ihren Lasten.

Gerichte müssen umdenken

Mit dem Argument, jemand habe die Pin geknackt, gehen Kunden vor Gericht im Zweifel baden. Verbraucherschützer hoffen jedoch, dass die Gerichte wegen der unsicheren Situation am Geldautomaten vermehrt kundenfreundlichere Beweisregeln anwenden werden. "Die Automaten sind viel zu leicht einzusehen und die ec-Cash-Apparate stehen im Laden mitten auf dem Tresen", bemängelt Hartmut Strube von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein- Westfalen. Hoffnungsschimmer ist für ihn ein Urteil des Landgerichts Berlin: Erstmals wurde darin einem Kunden zugestanden, dass dessen Kartennummer am Automaten ausgespäht und die Karte anschließend gestohlen worden sein könnte (Az. 51 S 292/98).

Kunden sollten daher ihre Pin immer nur unbeobachtet eingeben und einen Kartenverlust sofort melden. Für Missbräuche nach der Meldung kommt immer die Bank auf. Versuchen sollte man es beim Kartensperrdienst (01805/ 02 10 21) und bei der eigenen Bank. Die Behauptung, die Hotline sei immer besetzt, lassen Gerichte nicht gelten.

*Name von der Redaktion geändert.

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