Immer mehr Kontrollen, aktuelle Prozesse, Termine und Steuer­änderungen. Wir sagen, wie Anleger jetzt am besten reagieren.

Geld­anlagen versteuern Special

Wir können das erste Mal Geld anlegen. Wie erreichen wir, dass die Kapital­erträge bis zum Sparerpausch­betrag steuerfrei sind?

Als Singles dürfen Sie pro Person bis zu 801 Euro Kapital­erträge im Jahr steuerfrei stellen, als Ehepaar gemein­sam bis zu 1 602 Euro. Damit Banken, Sparkassen, Fonds­gesell­schaften und Versicherungs­unternehmen Ihren Sparerpausch­betrag berück­sichtigen, müssen Sie dort einen Frei­stellungs­auftrag abgeben. Darin legen Sie den Teil der Kapital­erträge fest, der bei der Gutschrift nicht um 25 Prozent Abgeltung­steuer und den Solidaritäts­zuschlag gekürzt werden soll.

Den Sparerpausch­betrag dürfen Sie auf beliebig viele Geld­institute verteilen, indem Sie über­all einen Frei­stellungs­auftrag abgeben. Vordrucke erhalten Sie bei den Anbietern.

Geld­anlagen versteuern Special

Ich bin Rentner, habe wenig Einkommen und zahle deshalb keine Steuern. Vom Finanz­amt habe ich mir eine Bescheinigung über die Nicht­ver­anlagung (NV) zur Einkommensteuer besorgt. Die hat jetzt meine Bank, damit ich auch Zinsen über dem Sparerpausch­betrag steuerfrei erhalte. Weiß das Finanz­amt, wie viel Kapitaleträge insgesamt steuerfrei bleiben?

Ja, Banken müssen Kapital­erträge, die 2013 durch NV-Bescheinigungen steuerfrei bleiben, das erste Mal dem Bundes­zentral­amt für Steuern melden. Auch wenn Ihnen Kapital­ertrag­steuer erstattet wurde, nachdem die Bescheinigung der Bank vorlag, erfährt das Bundes­zentral­amt davon. Rechnen Sie damit, dass diese Informationen an Ihr Finanz­amt weitergehen. Das meldet sich, wenn Ihre Zinsen über dem Betrag liegen, den Sie für die NV-Bescheinigung angegeben haben.

Sind Ihre Einnahmen mitt­lerweile höher als für die Bescheinigung zulässig, hätten Sie diese vor dem Ende der Gültig­keits­dauer bei der Bank zurück­ziehen müssen. Sie wären verpflichtet gewesen, dem Finanz­amt die höheren Kapital­erträge zu melden und eine Steuererklärung zu machen. Wenden Sie sich im Zweifel an Ihren Sach­bearbeiter.

Erfährt das Finanz­amt die Höhe meiner frei­gestellten Kapital­erträge?

Ja, Banken, Fonds­gesell­schaften und andere Geld­institute melden Kapital­erträge, von denen sie keine Abgeltung­steuer abziehen, dem Bundes­zentral­amt für Steuern. Die Mitarbeiter dort informieren Ihr Finanz­amt, wenn Sie zu viel frei­gestellt und so Kapital­erträge über dem Sparerpausch­betrag steuerfrei bezogen haben. Die Kapital­erträge für 2013 müssen dem Bundes­zentral­amt schon bis 1. März 2014 gemeldet sein, bisher war erst am 31. Mai Schluss.

Frei­stellungs­aufträge, die Sie seit 2011 gestellt haben, lassen sich diesmal besonders leicht über­prüfen. Denn das Zentral­amt bekommt zum ersten Mal auch Ihre Identifikations­nummer mitgeteilt, die Sie seit 2011 in den Aufträgen mit angeben müssen.

Ältere Frei­stellungs­aufträge aus der Zeit vor 2011, die Sie noch ohne Identifikations­nummer erteilt haben, betrifft das nicht. Diese verlieren aber zum 1. Januar 2015 ihre Gültig­keit. Geben Sie recht­zeitig neue bei Ihren Geld­instituten ab.

Über­weisen die Banken meine Kirchen­steuer künftig auto­matisch mit der Abgeltung­steuer an das Finanz­amt?

Ja, der Beginn wurde aber um ein Jahr auf den 1. Januar 2015 verschoben. Banken, Sparkassen, Investmentgesell­schaften und Versicherer werden dann beim Bundes­zentral­amt für Steuern die Konfession ihrer Kunden abfragen und mit der Abgeltung­steuer und dem Solidaritäts­zuschlag auto­matisch auch die Kirchen­steuer an das Finanz­amt über­weisen. Das können Sie jetzt schon veranlassen, indem Sie die Geld­institute über Ihre Konfession informieren und zum Kirchen­steuer­abzug ermächtigen.

Wenn Sie den auto­matischen Kirchen­steuer­abzug ab 2015 nicht wollen, können Sie dem Bundes­zentral­amt nächstes Jahr mitteilen, dass Sie dem Daten­austausch wider­sprechen. Banken, Fonds­gesell­schaften und alle anderen Geld­institute sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden darüber recht­zeitig zu informieren. Sollten Sie darauf­hin Wider­spruch einlegen, müssen Sie Ihre Kapital­erträge aber weiterhin komplett in der Steuererklärung abrechnen und die Kirchen­steuer auf diesem Weg zahlen.

Seit die Abgeltung­steuer gilt, kann ich Depot­kosten, Honorare für Anla­geberater und andere Ausgaben für meine Geld­anlage nicht mehr absetzen. Muss ich das hinnehmen?

Nein, Sie können sich in Muster­prozesse einklinken. Die Kläger wehren sich, weil Werbungs­kosten für Kapital­erträge seit 2009 mit dem Sparerpausch­betrag abge­golten sind. Das Finanz­amt erkennt seitdem weder Zinsen für kredit­finanzierte Wert­papierdepots noch Werbungs­kosten wie Depot­gebühren, Beraterhonorare und Reise­kosten zu Aktionärs­versamm­lungen an.

Ob das rechtens ist, sollen grund­sätzlich die Finanzge­richte Köln und Münster klären (FG Köln, Az. 8 K 1937/11; FG Münster, Az. 6 K 607/11 F und 3 K 1277/11 E). Es gibt außerdem ein spezielles Verfahren beim Bundes­finanzhof (BFH) , das zuvor beim Finanzge­richt Baden-Württem­berg war.

Die Richter dort haben entschieden, dass Anleger zumindest dann über den Sparerpausch­betrag hinaus Werbungs­kosten absetzen dürfen, wenn ihr persönlicher Steu­ersatz nied­riger als die Abgeltung­steuer ist. Dagegen hat die Finanz­verwaltung beim BFH Revision einge­legt (Az. VIII R 13/13).

Geben Sie in Ihrer Steuererklärung die Werbungs­kosten für Ihre Kapital­erträge auf einer formlosen Anlage an. Lehnt das Finanz­amt ab, legen Sie binnen eines Monats Einspruch gegen den Steuer­bescheid ein. Geben Sie alle Muster­verfahren darin an und fordern Sie das Ruhen des Verfahrens nach Paragraf 363 Abgaben­ordnung.

Die Chance, dass Ihr Fall bis zur Klärung offenbleibt, ist groß. Geht es um Verfahren bei Finanzge­richten, sind die Finanz­ämter dazu zwar nicht verpflichtet. Sobald ein Verfahren den BFH erreicht, müssen Steuer­bescheide aber bis zur Klärung ruhen.

Ich habe dieses Jahr Papiere mit Verlust verkauft, die ich seit 2009 besitze. Welche Kapital­erträge bieten sich zum Verrechnen an?

Das hängt von Ihren Papieren ab. Verluste aus Aktien lassen sich nur mit Verkaufs­gewinnen aus Aktien verrechnen, die Sie seit 2009 gekauft haben. Für Verluste aus Fonds und anderen Papieren kommen dagegen auch Zinsen und Dividenden des Jahres 2013 infrage.

Normaler­weise läuft die Verrechnung über die Bank, bei der die Verluste anfallen. Gibt es dort keine oder zu wenig Kapital­erträge zum Verrechnen, über­trägt diese den Verlust ins nächste Jahr.

Wenn Sie Ihren Verlust lieber mit Erträgen bei anderen Banken verrechnen lassen wollen, sollten Sie sich diesmal spätestens bis zum 16. Dezember vom Geld­institut eine Verlust­bescheinigung ausstellen lassen. Die reichen Sie 2014 mit der Steuererklärung für 2013 beim Finanz­amt ein, notieren Ihre Kapital­erträge auf der Anlage KAP und tragen auch den Verlust dort ein. Das Finanz­amt wird ihn verrechnen oder einen Rest­verlust fest­stellen, wenn es zu wenig zum Verrechnen gibt. Den können Sie in künftigen Jahren ausgleichen lassen.

Worauf müssen wir nach der Heirat in Frei­stellungs­aufträgen achten?

Künftig erteilen Sie Ihre Frei­stellungs­aufträge gemein­sam für Kapital­erträge bis zu 1 602 Euro im Jahr. Das ist rück­wirkend bis Januar möglich für gemein­same und für getrennte Konten.

Haben Sie keine Kapital­erträge, während Ihre Frau vor der Hoch­zeit zum Beispiel 1 200 Euro Zinsen bezogen hat, von denen 801 Euro frei­gestellt waren? Dann stellen Sie jetzt gemein­sam 1 200 Euro frei und bekommen erstattet, was die Bank schon abge­zogen hat – auch wenn das Spar­konto nur auf den Namen Ihrer Frau läuft.

Da ich kein großes Einkommen habe, zahle ich wenig Steuern. Sind für meine Kapital­einkünfte trotzdem 25 Prozent Abgeltung­steuer fällig?

Nein, Sie sollten beim Finanz­amt die Güns­tiger­prüfung beantragen. Dann müssen Sie Ihre Kapital­einkünfte nur mit dem persönlichen Steu­ersatz versteuern, wenn dieser nied­riger als die Abgeltung­steuer ist.

Sie stellen den Antrag am besten gleich in der Steuererklärung. Ist die Erklärung für 2012 schon beim Finanz­amt, warten Sie den Steuer­bescheid ab. Danach können Sie die Güns­tiger­prüfung noch einen Monat lang per Einspruch beantragen.

Ist es dafür schon zu spät, stellen Sie den Antrag trotzdem und weisen auf ein Verfahren beim Bundes­finanzhof hin (BFH, Az. VIII R 14/13) hin. Bitten Sie außerdem um das Ruhen des Verfahrens nach Paragraf 363 Abgaben­ordnung, damit Ihr Fall bis zur Klärung offenbleibt. Auch die Klägerin beim BFH hat ihren Antrag auf Güns­tiger­prüfung erst einge­reicht, als die Einspruchs­frist verstrichen war.

Wie viel Kapital­erträge erhält mein Sohn steuerfrei, wenn er sonst keine Einnahmen hat?

Jedes Kind zahlt dieses Jahr für Kapital­erträge bis 8 967 Euro keine Steuern, wenn es keine anderen Einnahmen erzielt. Im Jahr 2014 erhöht sich der Betrag auf 9 191 Euro, weil das steuerfreie Existenz­minimum steigt.

Dieses Jahr kann Ihr Sohn zum Beispiel 3 Prozent Zinsen für Guthaben bis 299 000 Euro steuerfrei erhalten. Sie und Ihre Frau müssten dafür bis zu 2 365 Euro Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag zahlen.

Da kann es sich lohnen, Erspar­nisse zu über­tragen. Jedes Kind darf inner­halb von zehn Jahren Vermögen bis zu 400 000 Euro steuerfrei von Mutter oder Vater geschenkt bekommen, also maximal 800 000 Euro.

Passen Sie aber auf, wenn Ihr Kind in der gesetzlichen Kranken­versicherung bei Ihnen mitversichert ist. Das ist während der Ausbildung bis zum 25. Lebens­jahr möglich, aber nicht, wenn Jugend­liche zu hohe Einnahmen haben.

Laut Bundes­sozialge­richt darf die Krankenkasse auch Zinsen anrechnen (Az. B 12 KR 13/02 R). Diese bleiben nur bis zum Sparerpausch­betrag von 801 Euro verschont. Ist der Rest 2013 höher als 4 620 Euro (385 Euro im Monat), endet die kostenfreie Mitversicherung.

Die Kapital­erträge für das geschenkte Vermögen erhält Ihr Sohn außerdem nur unter folgenden Bedingungen steuerfrei:

  • Sie müssen Ihr Vermögen tatsäch­lich und endgültig über­tragen und damit rechnen, dass die Finanz­ämter das kontrollieren (Verfügung der Ober­finanzdirektion Magdeburg, S 2252–90-St 214).
  • Sie dürfen nur im Rahmen des elterlichen Sorgerechts – zum Beispiel für die Ausbildung – auf das Vermögen samt Zinsen zurück­greifen, nachdem das Konto auf den Namen Ihres Kindes einge­richtet wurde (Land­gericht Coburg, Az. 33 S 9/10).
  • Im Zweifel müssen Sie dem Finanz­amt belegen, dass Sie Ihr Vermögen endgültig aus der Hand gegeben haben. Machen Sie im Eröff­nungs­antrag bei der Bank deutlich, dass Ihr Sohn Konto­inhaber ist und Sie höchs­tens im Rahmen des elterlichen Sorgerechts verfügungs­berechtigt bleiben.
  • Ab dem 18. Geburts­tag kann Ihr Sohn über sein Geld verfügen. Wollen Sie das einschränken, sollten Sie die Schenkung notariell vereinbaren. Legen Sie fest, dass Kapital­erträge und Vermögen für Zwecke wie eine Berufs­ausbildung oder den Kauf einer Immobilie verwendet werden müssen.

Ist zu erwarten, dass Ihr Sohn Kapital­erträge über dem Sparerpausch­betrag haben wird, für die er keine Steuern zahlen muss, kann das Finanz­amt eine Nicht­ver­anlagungs­bescheinigung ausstellen. Banken schreiben alle Kapital­erträge steuerfrei gut, wenn so eine Bescheinigung vorliegt. Vordrucke gibt es beim Finanz­amt oder im Internet (www.formulare-bfinv.de).

Wie rechne ich die Zinsen für die Instandhaltungs­rück­lage meiner Eigentums­wohnung ab?

Die Rück­lage verwaltet der Haus­verwalter auf einem Treu­hand­konto. Konto­inhaber ist die Gemeinschaft der Eigentümer, darum ist kein Frei­stellungs­auftrag möglich. Das Finanz­amt erhält für alle Zinsen Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag. Der Verwalter muss die Abzüge aber in der Jahres­abrechnung aufführen, Ihren Anteil berechnen und eine Bescheinigung ausstellen. Die geben Sie mit der Steuererklärung ab, wenn Sie Ihren Sparerpausch­betrag nicht ausgenutzt haben. Dann gibts Geld zurück.

Habe ich Steuer­nachteile, wenn ich meine vor acht Jahren geschlossene Lebens­versicherung kündige?

Es ist unwahr­scheinlich, dass Sie mehr bekommen, als Sie einge­zahlt haben. Wenn doch, schneiden Sie steuerlich schlechter ab, weil Sie vor Ablauf von zwölf Jahren kündigen. Ihr Versicherer rechnet von der Auszahlung die gezahlten Beiträge ab und – falls ein Frei­stellungs­auftrag vorliegt – den Sparerpausch­betrag. Für den Rest führt er 25 Prozent Abgeltung­steuer plus Soli­zuschlag ab, da Ihr Vertrag nach 2004 begann.

Besser ist es, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre läuft und das Geld frühestens mit 60 Jahren fließt. Dann ist die Differenz, die nach Abzug der Beiträge bleibt, zur Hälfte steuerfrei. Den Rest versteuern Sie mit Ihrem persönlichen Steu­ersatz.

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