In Krisenzeiten wollen Anleger vor allem eins: ihr Geld sicher anlegen. Finanztest zeigt, mit welchen Papieren das noch möglich ist und welche Restrisiken die Anleger beachten sollten.

Im vergangenen Herbst ging es los und noch immer rufen täglich Anleger bei uns an, die wissen möchten, wie sie ihr Geld noch sicher anlegen können. Gelten die Geldanlagen, die vor Beginn der Finanzkrise als sicher angesehen wurden, wirklich immer noch als sicher? Natürlich wollen sie außerdem wissen, welche Produkte noch attraktive Renditen bieten.

Im Folgenden zeigen wir, wie Anleger eine sichere von einer riskanten Anlage unterscheiden können. Und wir geben Tipps, wie sie ihr Depot sicher und trotzdem rentabel aufstellen können.

Keine Angst um Bundeswertpapiere

Viele Anrufer zweifeln daran, dass Bundeswertpapiere noch sicher sind, weil sich der Staat durch die Finanzhilfen immer höher verschuldet.

Das stimmt zwar, doch Angst machen muss es nicht. Die Anleihen des deutschen Staates gehören trotz Krise noch immer zu den sichersten Geldanlagen der Welt. Es gibt kaum ein Land, dessen Zahlungsfähigkeit stärker ist als die von Deutschland.

Die Renditen der Papiere reichen je nach Laufzeit zurzeit allerdings nur bis zu 3,3 Prozent pro Jahr (Stand 2. Juni 2009).

Einlagen unterschiedlich geschützt

Eine andere Sorge gilt der Sicherheit der Banken. Auch hier geben wir Entwarnung. Bei den deutschen Instituten, die der hiesigen Einlagensicherung angehören, sind die angelegten Beträge in voller Höhe gesichert. Notfalls steht der Staat dafür gerade, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen.

Die Krux: Die Zinsen für Tages- und Festgeld werden immer niedriger. Viele Angebote deutscher Banken liegen unter 2 Prozent pro Jahr, in der Spitze gibt es noch 3,8 Prozent.

Mehr Zinsen zahlen die ausländischen Anbieter. Allerdings sollten die Anleger deren Sicherungsgrenzen im Auge behalten. Auch die Zahlungsfähigkeit des Staates, der hinter der Einlagensicherung steht, gilt es mit einzubeziehen. Deshalb haben wir Anlagen bei der isländischen Kaupthing-Bank nie empfohlen.

Der Weg zur sicheren Anlage

Viele Anleger denken, wenn es für eine Geldanlage Zinsen gibt, muss sie sicher sein. Das stimmt leider nicht.

Spareinlagen sind so sicher wie die Bank und deren Einlagensicherung. Anleihen sind so sicher, wie der Schuldner, der sich das Geld geliehen hat. Anleiheschuldner können Staaten sein, Banken und Unternehmen.

Als die US-Bank Lehman Brothers pleiteging, hat es die Zertifikatekäufer bös erwischt: Zertifikate sind Anleihen. Jetzt müssen die Anleger warten, wie viel der Insolvenzverwalter für sie herausschlägt.

Als Gläubiger sind die Käufer der Lehman-Anleihe aber in einer besseren Position als die Aktionäre. Die Miteigentümer der Bank bekommen erst Geld, wenn alle anderen Ansprüche befriedigt sind.

Anspruch auf eine feste Rückzahlung

Geldanlagen im Risikotest Test

Unsere Grafik zeigt, wie Anleger herausfinden können, ob eine Geldanlage sicher ist. Im ersten Schritt geht es darum, ob bei Beginn der Laufzeit die Höhe der Rückzahlung bereits feststeht.

Bei Tagesgeld und Festgeld ist das der ursprünglich angelegte Betrag. Bei Anleihen und Zertifikaten mit Kapitalschutz gibt es am Ende der Laufzeit den Nennwert.

Wer Aktien kauft oder in Fonds investiert, weiß dagegen nicht, was er einmal wiederbekommt. Das ist ein Unsicherheitsfaktor.

Bei Zertifikaten, die keinen Kapitalschutz haben, besteht die Unsicherheit ebenfalls. Zwar handelt es sich um Anleihen, doch die Rückzahlung ist nicht fest. Vielmehr hängt der Endbetrag zum Beispiel von der Entwicklung eines Index oder einer Aktie ab, etwa bei Index-, Bonus- oder Discountzertifikaten.

Auf der Suche nach guten Schuldnern

Im nächsten Schritt müssen die Anleger prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Denn ob der Rückzahlungsanspruch eingelöst wird, hängt davon ab, ob die Bank oder der Anleiheschuldner zahlungsfähig sind.

Für Anleihekäufer ist es jedoch schwer, das einzuschätzen. Als Anhaltspunkte dienen zum einen die Rendite und zum anderen die Bewertung der Ratingagenturen.

Infrage kommen Anleihen mit Ratingnoten von AAA, AA, A und BBB (das sind die Bezeichnungen der Agenturen Standard & Poors und Fitch) oder Aaa, Aa, A und Baa (Moody's). Anleihen mit schlechteren Bewertungen empfehlen wir nicht.

Je besser das Rating, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Schuldner zahlungsunfähig wird. Das Beispiel Lehman hat allerdings gezeigt, dass selbst Papiere mit hervorragenden Noten ausfallen können. Deshalb sollten Anleger das Rating regelmäßig überprüfen.

Außerdem empfehlen wir, beim Kauf von Anleihen auf die Rendite zu achten. Dabei gilt die einfache Formel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.

Die sichersten Anlagen

Anleger, die jedes Risiko vermeiden möchten, gehen noch weiter und schauen sich an, wie ihre Geldanlage gesichert ist. Eine erstklassige Sicherheit bieten Bundeswertpapiere. Hinter ihnen steht der Staat.

Hypothekenpfandbriefe sind durch erstklassige Forderungen aus Immobilienkrediten abgesichert. Hinter öffentlichen Pfandbriefen steht ebenfalls der Staat.

Sparanlagen sind durch die Einlagensicherung geschützt, über die sich die Banken gegenseitig stützen. Seit kurzem steht auch der Staat dafür gerade.

Alle anderen Geldanlagen haben keine zusätzliche Sicherung.

Die Restrisiken sicherer Anlagen

Geldanlagen im Risikotest Test

Wer sein Geld in Zinsanlagen steckt, will gerne wissen, was er dafür bekommt. Doch nicht immer ist die Verzinsung bekannt. Bei Tagesgeld zum Beispiel können sich die Zinsen täglich ändern. Das ist gut, wenn die Zinsen steigen, doch zurzeit sinken sie nur.

Bei einem Festgeld steht der Zins dagegen für die vereinbarte Laufzeit fest. Anleihen gibt es fest und variabel verzinst. Variabel verzinst wird zum Beispiel die Tagesanleihe des Bundes. Feste Zinsen gibt es für Bundesanleihen, Bundesschatzbriefe, Pfandbriefe und in der Regel für Unternehmensanleihen.

Der Ertrag hängt bei Anleihen aber nicht allein von den Zinsen ab: Anleger, die ihre Anleihen nicht bis zur Fälligkeit halten, sondern vorzeitig über die Börse verkaufen, können Geld verlieren. Anspruch auf Rückzahlung des Nennwerts haben sie nur zur Fälligkeit. Während der Laufzeit kann die Anleihe mehr oder weniger wert sein.

Wer jetzt eine länger laufende Anleihe mit vergleichsweise niedrigem Zinskupon kauft, dem drohen bei einem vorzeitigen Verkauf Kursverluste – falls die Zinsen in den nächsten Jahren wieder steigen. Dagegen hilft nur eins: Die Anleihe bis zum Schluss behalten.

Mit Fonds, die in Bundesanleihen investieren, haben Anleger diese Möglichkeit nicht. Die Fonds haben im vergangenen Jahr mit über 9 Prozent pro Jahr eine extrem hohe Rendite erwirtschaftet. Das liegt aber nicht am hohen Zins der Anleihen. Vielmehr haben die Fonds davon profitiert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen gesenkt hat. Dadurch sind die Kurse der höher verzinsten Altanleihen in den Fonds gestiegen.

Die hohen Renditen sind so wohl nicht wiederholbar. Weitere Kurssteigerungen gibt es nur, wenn die Zinsen weiter fallen. Das geht aber fast nicht mehr, denn der Zins der EZB liegt schon bei 1 Prozent. Im Gegenteil: Sollten die Zinsen bald wieder steigen, müssen Anleger mit Rentenfonds Euro Kursverluste in Kauf nehmen.

Immer flüssig

Nicht immer steht die Anlagedauer fest. Wer auf seine Anlage notfalls zugreifen will, braucht „liquide“ Papiere, die jederzeit verkäuflich sind.

An ihr Tagesgeld können Sparer immer heran, an ihr Festgeld nur nach der Laufzeit. Bundeswertpapiere sind immer verkäuflich, andere Anleihen nur im Ausnahmefall.

Pfandbriefe werden kaum gehandelt, es sei denn, es ist ein Jumbo. Das ist ein Pfandbrief mit einem Mindestvolumen von 1 Milliarde Euro. Jumbos waren bis zu Beginn der Finanzkrise ebenfalls jederzeit handelbar, inzwischen nicht mehr.

Was unterm Strich übrig bleibt

Egal, welches Papiere Anleger wählen, eine Angst bleibt: die vor der Geldentwertung. Das beste Mittel dagegen sind Sachwerte wie Aktien oder Immobilien. Zinsanleger können sich nur schützen, in dem sie spezielle, an die Inflation gekoppelte Anleihen kaufen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2282 Nutzer finden das hilfreich.