Anleihen: Was sich rentiert

Wer mehr Rendite herausschlagen will, muss Bundeswertpapiere zurzeit meiden. Wir zeigen, welche Alternativen es gibt.

Die Tagesanleihe des Bundes bot im Mai im Durchschnitt 0,6 Prozent Zinsen. Das ist weniger als ein Sechstel von dem, was Anleger noch vor ­einem Jahr bekamen. Seither hat die Europäische Zentralbank (EZB) mehrfach die Zinsen gesenkt. Auch für Bundesanleihen mit fünf Jahren Restlaufzeit gibt es nur noch knapp über 2,7 Prozent pro Jahr (Stand 2. Juni 2009).

Die Zinsen für Tages- und Festgeld sind ebenfalls gesunken. Für die Top-Angebote mit deutscher Einlagensicherung gibt es zurzeit noch bis zu 3,8 Prozent Zinsen pro Jahr, Tendenz weiter fallend.

Geldanlagen im Risikotest Test

Anleger, die höhere Renditen suchen, müssen auf andere Festzinsprodukte ausweichen. Doch dabei ist Vorsicht geboten: Je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko. Die niedrigen Zinsen für Bundeswertpapiere sind nicht zuletzt der Preis für die hohe Sicherheit.

Höhere Erträge bringen Staatsanleihen anderer Euroländer, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen. Je nach Papier sind Renditen von mehr als 6 Prozent pro Jahr möglich (siehe Grafik).

Fonds statt Einzelpapiere

Der typische Anleihekäufer hält sein Papier bis zur Fälligkeit. Preisschwankungen zwischendurch stören ihn nicht. Wer einen Fonds kauft, der mehrere Anleihen bündelt, muss mit Kursschwankungen leben.

Wie die Ergebnisse der Rentenfonds Euro mit deutschen Staatsanleihen zeigen, kann dass durchaus von Vorteil sein: Im vergangenen Jahr haben diese Fonds um mehr als 9 Prozent zugelegt (siehe Tabelle „Auswahl von Indexfonds, die in Anleihen investieren“).

Der Kurs der Wertpapiere in den Fonds ist gestiegen, weil im vergangenen Jahr die Marktzinsen gesunken sind. Doch solange die Zinsen niedrig bleiben, können die Fonds keine hohen Erträge mehr erwirtschaften. Und wenn die Marktzinsen wieder steigen, etwa wegen drohender Inflation, kommt es sogar zu Kursverlusten.

Staatsanleihen anderer Euroländer

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Kaum jemand hält es für möglich, dass ein Mitgliedstaat der Eurozone pleitegehen könnte. Zwar drücken Griechenland und Irland hohe Schulden und Österreich steht wegen des Osteuropa-Engagements seiner Banken in der Diskussion. Doch im Ernstfall dürfte die Gemeinschaft einspringen – darin sind sich die meisten einig.

Für Anleger ist das eine Chance: Griechische und irische Staatsanleihen bieten mit über 5 Prozent pro Jahr deutlich mehr als Bundesanleihen (siehe Grafik). Portugal und Italien müssen 4,3 Prozent pro Jahr an ihre Anleihekäufer zahlen. Österreich und Spanien 4 Prozent.

Wer einzelne Anleihen kaufen möchte, wird aber Probleme bekommen. In Deutsch­land sind die Papiere kaum handelbar, im Ausland ist der Kauf zu teuer. Wir empfehlen stattdessen einen Indexfonds.

Indexfonds bilden einen Index ab, der verschiedene europäische Staatstitel enthält. Das kostet weniger als ein aktiv gemanagter Fonds und bringt nicht zuletzt deshalb oft mehr ein.

Anleger können zwischen kleinen und größeren Indizes wählen (siehe Tabelle „Auswahl von Indexfonds, die in Anleihen investieren“). Ein kleiner Index ist der iBoxx € Liquid Sovereign Capped. Er bildet die Wertentwicklung der 25 liquidesten Staatsanleihen Eurolands ab. Liquide heißt hier: jederzeit problemlos handelbar. Ein großer Index kann mehrere 100 Titel enthalten.

Pfandbriefe bieten extra Sicherheit

Pfandbriefe sind ein Opfer der Finanzkrise. Ihr guter Ruf hat unter der Quasipleite der Hypo Real Estate gelitten. Deren Tochter Depfa hat Geld, das sie nur für wenige Tage zur Verfügung hatte, auf Jahre ausgeliehen. Das ging schief.

An der Sicherheit der Pfandbriefe ändert das im Grunde aber nichts. Pfandbriefe sind keine herkömmlichen Anleihen, die nicht mehr zurückgezahlt werden, wenn die Bank nicht mehr kann. Sie sind mit eigenen Sicherheiten ausgestattet. Im Pleitefall werden sie getrennt vom anderen Vermögen abgewickelt. Der Insolvenzverwalter hat keinen Zugriff.

Trotzdem sind die Kurse der Pfandbriefe gefallen. Viele Papiere sind zurzeit nicht handelbar oder nur zu einem schlechten Preis. Selbst die großen Pfandbriefe, die Jumbos, werden kaum gehandelt.

Weil es fast nur geschätzte Preise gibt, sind die zurzeit genannten Renditen der Pfandbriefe wenig aussagekräftig. Sie liegen zwischen 2 und über 4 Prozent pro Jahr.

Wem es gelingt, solche Papiere an der Börse zu ergattern, der kann sich bei Fälligkeit über eine rentable Anlage freuen. Vorsicht: Immer nur mit Limit ordern, damit es am Ende nicht teurer wird als geplant.

Anleger, die keine Einzelpapiere haben wollen, können Pfandbriefe ebenfalls in Form von Fonds kaufen. Aktiv gemanagte Fonds, die sich auf Pfandbriefe spezialisiert haben, gibt es aber kaum. Die meisten mischen die Papiere mit Staatsanleihen oder auch Unternehmensanleihen.

Wir empfehlen Fonds, die einen Pfandbriefindex abbilden. Hier sind wirklich nur Pfandbriefe drin. Bei Pfandbriefindexfonds können Anleger zwischen zwei Fonds wählen: Der iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe kauft nur deutsche Pfandbriefe.

Der iShares € Covered Bond investiert weltweit in Pfandbriefe, und zwar nur in solche Papiere, die auf Euro lauten. Ein Währungsrisiko gehen Anleger damit nicht ein. Allerdings sind ausländische Pfandbriefe nicht so sicher wie deutsche. Im Ausland sind die Gesetze weniger streng.

Auch die Rendite von Fonds mit deutschen Pfandbriefen war im zurückliegenden Jahr mit über 7 Prozent ungewöhnlich hoch. Der Grund ist derselbe wie bei Staatsanleihen: Sinken die Marktzinsen, reagieren die Pfandbriefe mit Kursgewinnen.

Dass die Gewinne nicht so hoch ausgefallen sind wie bei den Staatsanleihen, liegt am Misstrauen der Marktteilnehmer: Manche Pfandbriefe haben deutliche Kursverluste erlitten. Wenn die Unsicherheit vergeht, dürfen sich Käufer dieser Papiere auf Kursgewinne freuen.

Unternehmen zahlen mehr

Unternehmensanleihen sind die zurzeit mit Abstand rentabelsten Anleihen. 6 Prozent Rendite gibt es im Schnitt. Und das, obwohl das Zinsniveau auf einem historischen Tief ist.

Ganz klar: Die höhere Rendite ist dem ­höheren Risiko geschuldet. In der jetzigen Rezession ist die Gefahr von Firmenzusammenbrüchen viel höher als noch vor wenigen Monaten. Deshalb können sich die Unternehmen nur noch Geld ausleihen, wenn sie höhere Zinsen dafür zahlen.

Wer Unternehmensanleihen kauft, muss daher ähnlich überlegen wie ein Aktionär. Wie sind die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens? Wie läuft die Branche? Aber anders als dem Aktionär genügt es dem Anleihekäufer schon, wenn das Unternehmen stabile Erträge erwirtschaftet. Sie sichern Zins- und Rückzahlung. Steigende Aktienkurse bedeutet das noch nicht.

Anleger, die Interesse an Unternehmensanleihen haben, kaufen wegen der Risikostreuung besser mehrere Papiere oder gleich einen Fonds. Ein Fonds ist auch deshalb ratsam, weil einzelne Unternehmensanleihen oft schlecht handelbar sind.

Für Unternehmensanleihen kann sich ein aktiv gemanagter Fonds durchaus lohnen. Die Ertragsmöglichkeiten dieser Papiere sind höher, die Manager können mit einer guten Einzeltitelauswahl gegenüber einem Index deutlich mehr herausholen.

Im vergangenen Jahr haben viele Unternehmensanleihenfonds zwar nicht so gut abgeschnitten wie Fonds, die sich auf Staatstitel spezialisiert haben. Das liegt aber daran, dass wegen der schlechten Konjunkturaussichten die Kurse der Papiere stark gefallen sind.

Gut geschlagen haben sich die Fonds W&W Euro Corporate Bond A der Fondsgesellschaft W&W Asset Management (Isin IE 000 189 642 6), Pioneer Austria Corporate Trend Invest A (AT 000 067 507 9) und LBBW RentaMax (DE 000 532 614 4). Sie investieren in Unternehmensanleihen mit einem guten Rating von AAA bis BBB.

Es gibt für Unternehmensanleihen aber auch Indexfonds. Der i-Shares € Corporate Bond zum Beispiel bildet die Wertentwicklung von 40 Unternehmensanleihen ab.

Auch wenn das Ausfallrisiko viel höher ist – vor Inflation sind die Käufer von Unternehmensanleihen besser geschützt als Anleger mit Staatspapieren und Pfandbriefen. Zwar machen auch Unternehmensanleihen bei steigenden Marktzinsen Kursverluste. Das wird aber durch die besseren Aussichten weitgehend ausgeglichen. Dadurch gehen die Risikoaufschläge zurück, was steigende Kurse zur Folge hat. Eine Inflation kommt nämlich normalerweise erst dann, wenn die Wirtschaft wieder wächst.

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